
Markus Seibel
Das Warten hat ein Ende: Die australisch-britische Band Pendulum zieht ihr Ding konsequent durch und zeigt sich 15 Jahre nach „Immersion“ weiter experimentierfreudig. Aber eigentlich waren die Jungs nie wirklich weg: denn das Duo Rob Swire und Gareth McGrillen gründeten 2011 ihr Electronic-Projekt Knife Party und veröffentlichen darunter mehrere EP`s und das Debüt „Abandon Ship“ – übrigens sehr empfehlenswert!
Umso erfreulicher, dass die Band mit „Inertia“ ein neues Album am Start hat. Die kreativen, kraftvollen und gleichzeitig groovigen Beats sind hervorragend. Ferner schafft das Quintett eine bunte, eindringliche und ausdrucksstarke Mischung aus Drum-and-Bass, Electronica und Synth Rock – die Musiker lassen keinen Stein auf dem anderen. Bemerkenswert ist zudem, wie es die Musiker schaffen, mit den Strophen eine enorme Spannung aufzubauen und diese dann durch den Refrain komplett explodieren zu lassen. Beispielhaft dafür sind vor allem „Come Alive“, „Save The Cat“, „Nothing For Free“ und „Constellations“.
Das Maß aller Dinge
Große Gesten, hohe Präsenz, und dennoch leichtfüßig von einem Arrangement zum nächsten wechselnd – Pendulum bleiben das Maß der Dinge im instrumentalen, elektronischen Metier, wenn ihr mich fragt.
Instagram Post
Besonders schätze ich an Pendulum ihre Kontrolle: keine ausufernden Kompositionen, kein Aneinanderstricken von eigentlich unabhängigen Beats, deswegen knackige Songs in hoher Schlagzahl, die auch mal einen kleineren Rohrkrepierer durchschleppen. „Halo (feat. Bullet For My Valentine)“ und der Titel-Song sind aktuell meine Lieblinge, aber es gibt noch einige andere, die erfolgversprechend um die Favoritengunst buhlen – ein gutes Zeichen.
Intensive Veränderungen
Aber auch mit den Briten Wargasm machen Pendulum gemeinsame Sache. Und auch wenn mich „Cannibal“ zunächst etwas abgeschreckt hat – vermutlich aufgrund der sehr elektronischen Grundstruktur – hat der Track es dann doch geschafft, mich nach einigen Durchläufen zu überzeugen. So oder so eine coole Idee, und in ihrer Innovation typisch für diese Band. Denn das Beispiel zeigt, wie geschickt immer wieder zwischen positivem Irrsinn und eingängiger Nuancen changiert und es so zu einem ungewöhnlichen, überraschenden, aber dennoch typischen Pendulum-Song macht.
Dennoch könnte man kritisieren, dass die großflächig angelegte Musik im Hinblick auf die Produktion noch räumlicher, noch atmungsaktiver ausgelegt sein könnte. Allerdings kommt „Inertia“ kompositorisch noch besser auf den Punkt als der Vorgänger „Immersion“, sodass man getrost festhalten kann, dass Pendulum ihr Comeback durchaus gelungen ist.
Foto: Andrew Cotterill / Offizielles Pressebild
Fazit
Pendulum halten eine ständige Balance zwischen bitteren Drum and Bass-Brechern und süßen Melodien und sind dabei nicht vorhersehbar. Im Metalcore-Bereich besteht die Gefahr, dass sich die Songs alle nach "Schema F" anhören und vieles in einem Einheitsbrei aus Breakdowns untergeht. "Inertia" hingegen überzeugt durch die Eigenständigkeit jedes einzelnen Tracks. Brei machen andere – Pendulum bringen das Fieber zurück.

▶Tracklist 16 Songs
- 1Driver
- 2Come Alive
- 3Save The Cat
- 4Archangel
- 5Nothing For Free
- 6Cannibal (feat. Wargasm)
- 7Constellations
- 8Halo (feat. Bullet For My Valentine)
- 9Louder Than Words (feat. Hybrid Minds)
- 10Napalm (feat. Joey Valence & Brae)
- 11The Endless Gaze
- 12Guiding Lights (feat. AWOLNATION)
- 13Colourfast
- 14Silent Spinner
- 15Mercy Killing (feat. Scarlxrd)
- 16Cartagena