
Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
Wenige Jahre vor ihrem sage und schreibe 40. Bandjubiläum finden sich Deftones an einem interessanten Zeitpunkt ihrer Karriere wieder. So erlebt ihre Musik knapp 25 Jahre nach ihrem Höhepunkt mit Alben wie “Around the Fur” (1997) und “White Pony” (2000) nicht nur eine regelrechte Renaissance. Sie überschreiten ihren bisherigen Zenit sogar. TikTok und ihr jahrelanger Status als “your favourite band’s favourite band” dürften daran bei Weitem nicht unschuldig gewesen sein. Dass die Band aber eigentlich seit jeher durchgängig gut altert, könnte man fast vergessen, wenn nicht Alben wie “Diamond Eyes” (2010), “Koi No Yokan” (2012) und das zuletzt erschienene “Ohms” (2020) wären.
Ganze fünf Jahre sind seitdem verstrichen, während die Schreie nach ihrem zehnten Werk stetig lauter wurden. Wie aber geht man mit so einer Situation um? Wie kann man gleichzeitig den harten Kern sowie die neuen Reihen an Fans glücklich machen? Zwei offensichtliche Antworten offenbaren sich gleich nach dem ersten Hören von “private music”. Viel Geduld beweisen und auf die eigenen Stärken vertrauen. Dass uns das Quintett sowohl als erste Single als auch als Opener “my mind is a mountain” präsentiert, scheint dabei mehr als passend. So entführen uns gleich die ersten krachenden Anschläge in das darauf folgende Feuerwerk aus Groove und Atmosphäre.
Deftones nehmen uns an die Hand
Man spürt sogleich, dass Deftones es nach der unsäglich langen Produktion kaum noch abwarten konnten, uns alles entgegen zu feuern, was sie haben. Dementsprechend stark fällt vor allem die erste Albumhälfte aus. So baut sich „Ecdysis“ wunderbar über die dunklen, groovigen Strophen auf, während “Souvenir” mit unglaublich eindringlichen Gesangsmelodien punkten kann. Die gesamte Platte besticht zudem durch gut gewählte Kontraste und die umfangreiche Dynamik, die von treibenden Songs wie “milk of the madonna” bis hin zum zerbrechlichen “i think about you all the time” führt. An jeder Ecke warten neue Sounds auf, die wie selbstverständlich das Klangspektrum der Band erweitern.
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Kaum eine andere Formation als Deftones hat das Privileg, sich zu so wenig wirklich zwingen zu müssen. Das liegt natürlich einmal mehr am starken Kern ihrer Besetzung. So verstehen es Sänger Chino Moreno, Gitarrist Steph Carpenter und Drummer Abe Cunningham sich von ihren Instinkten leiten zu lassen, um neue Facetten an sich zu entdecken. Ergänzt werden ihre Ausuferungen durch geschmackvolle Samples, Synths und Interludes, die dem Album noch ein paar klangliche Highlights verpassen. Und bedenkt man die moderne und druckvolle Produktion, würde man gar nicht unbedingt vermuten, dass wir es hier eigentlich mit alten Hasen der Metal-Landschaft zu tun haben.
Foto: Jimmy Fontaine / Offizielles Pressebild
Fazit
Egal, ob man zehn, zwanzig oder dreißig Jahre zurückblickt: Deftones sind schon immer Meister ihrer Zunft gewesen und haben sich in knapp vierzig Jahren Bandgeschichte nur wenig bis gar keine Fehltritte erlaubt. Ihr zehntes Album ändert daran rein gar nichts und zeigt die Kalifornier auf gewohnt höchstem Niveau. “private music” ist von der ersten Sekunde an packend und besticht durch gut eingesetzte Kontraste, subtile Stimmungswechsel und einen weiten Dynamikbereich. Man darf gespannt sein, welche Möglichkeiten diese Platte noch für die Band eröffnet.

▶Tracklist 11 Songs
- 1my mind is a mountain
- 2locked club
- 3ecdysis
- 4infinite source
- 5souvenir
- 6cxz
- 7i think about you all the time
- 8milk of the madonna
- 9cut hands
- 10~metal dream
- 11departing the body

