
Saskia Schollenberg
Vier lange Jahre mussten Fans von Shinedown auf ein neues Album warten, jetzt meldet sich die Band mit voller Wucht zurück. Mit ihrem inzwischen achten Studioalbum „EI8HT“ liefern die US-Rocker nicht nur ein musikalisches Lebenszeichen, sondern gleich ein weiteres Mammutwerk ab: 18 Songs, stark, energiegeladen und emotional wie eh und je.
Ein Auftakt der Interesse weckt
Fans von der vierköpfigen Band wissen bereits, der Grad zwischen emotionaler Ballade und brechender Rock-Hymne ist ein schmaler und auch ein Ausreißer darf hier und da mal nicht fehlen. Schon der Opener „At The Bottom“ zieht direkt in seinen Bann. Theatralisch schwankt der Song zwischen Zirkus-Soundtrack und massivem Rock-Hit und macht auf unkonventionelle Weise Lust auf mehr. Gesellschaftskritische Untertöne dürfen bei Shinedown natürlich ebenfalls nicht fehlen.
Sowohl „At The Bottom“ als auch sein Nachfolger „Dance, Kid, Dance“ greifen Themen wie gesellschaftliche Diskrepanzen, Identitätsverlust und mentale Überforderung auf und treffen damit erstaunlich präzise den Zeitgeist. Besonders die Zeilen „Who are you? Contemplated. Your personality will be rated […] Don’t call me crazy. That’s how they made me.” bleiben hängen und stehen mit ihrer unangenehmen Ehrlichkeit im direkten Kontrast zu der Up-Beat Melodie.
Und wenn schon aufs Gaspedal getreten wird, dann richtig: „Burning Down The Disco“ bringt einen überraschend tanzbaren Track, ohne dabei seine Rock-DNA zu verlieren. Die enorme Ohrwurmqualität machen den Song schnell zu einem Highlight der Platte.
Shinedown und ein Kontrast wie Tag und Nacht
Wem der kompromisslose Einstieg in „EI8HT“ vielleicht etwas zu extrem erschien, dürfte sich spätestens bei „Three Six Five“ deutlich wohler fühlen. Mit deutlich ruhigeren, eher pop-orientierten Sound und einer großen Portion Sehnsucht und Nostalgie zeigt die Band ihre volle Bandbreite.
Während Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, muss man sagen, dass nicht jeder Stilwechsel gleichermaßen gut funktioniert. „Dizzy“ markiert leider einen der Tiefpunkte des Albums. Musikalisch bleibt die Qualität zwar gewohnt hoch, doch die sehr klischeehaften Lyrics und monotone Melodieführung nehmen dem Song viel von seiner eigentlichen Wirkung. Es fehlt schlicht der Wiedererkennungswert, der andere Tracks der Platte so stark macht. Dass ruhigere Songs trotzdem alles andere als langweilig sein müssen beweist dagegen „Imposter“. Mit emotional geladenem Text, atmosphärischem Aufbau und Sprechgesang entwickelt sich hier eine intensive Dynamik.
Gänsehaut garantiert
„Machine Gun“ gehört ohne Zweifel zu den stärksten Songs der Platte. Erzählt aus der Perspektive eines Soldaten, greift der Track Ängste auf, die in politisch unsicheren Zeiten erschreckend greifbar wirken. Besonders beeindruckend ist dabei der musikalische Aufbau: Der energiegeladene Song, zerfällt gegen Ende beinahe komplett und mündet in einer ruhigen akustischen Passage, begleitet von entfernten Bombengeräuschen. Ein stilistischer Bruch, der lang nachhallt.
Mit „Outlaw“ und „Searchlight“ wird es anschließend wieder emotionaler. Beide Songs leben von der starken Stimme von Brent Smith und der sehr harmonischen begleitenden Melodie. Besonders „Searchlight“ sticht dabei heraus: Die Begleitung durch Streichinstrumente verleiht dem Song zusätzliche Tiefe und unterstreicht den bedrückenden Text. Inhaltlich beschäftigt der Track sich mit der Suche nach einem eigenen Weg, losgelöst von familiärer Prägung und den Fehlern vorheriger Generationen.
I know you had a plan, but that's not who I am. I don't know where I'll land, but I don't need your searchlight to see anymore.
Der Teufel steckt im Detail
„Killing Fields“ knüpft mit seiner bewusst schrägen Gitarre und dem leicht exzentrischen Gesang an die Atmosphäre des Openers an. Gerade dieser etwas unkonventionelle Einstieg verleiht dem Song Charakter, bevor sich der Refrain als absoluter Ohrwurm entfaltet. „Wide Open“ bewegt sich jedoch wieder auf etwas vertrauterem Trerrain. Sowohl lyrisch als auch musikalisch bleibt der Song konventionelle, schafft es aber trotzdem durch kleine Details herauszustechen. Den Abschluss bildet „The Pilot“. Die Gitarren klingen hier bewusst ungeschliffen, was dem Song eine nostalgische, rohe Atmosphäre verleiht. Es ist ein ruhiger, aber unglaublich starker Abschluss für ein Album, das zeigt, wie vielseitig und kreativ Shinedown auch nach all den Jahren noch klingen können.
Fazit
Mit „EI8HT“ liefern Shinedown ein Album, dass extreme Gegensätze vereint und dabei seine Handschrift nicht verliert. Nicht jeder Song sitzt perfekt und gerade einzelne Ausreißer bremsen das Gesamtbild leider etwas aus. Trotzdem überzeugt das Album vor allem durch seine stilistische Bandbreite und den Mut, nicht auf Nummer sicher zu gehen. Zwar ist „EI8HT“ kein glattes, perfektes Album, es ist jedoch ein lebendiges, manchmal kantiges und eben dadurch spannendes Werk, welches sich mit Würde in die Diskografie der Band einreihen kann.

▶Tracklist 18 Songs
- 1At The Bottom
- 2Dance, Kid, Dance
- 3Burning Down The Disco
- 4Three Six Five
- 5Young Again
- 6Dizzy
- 7Imposter
- 8Machine Gun
- 9Outlaw
- 10Safe And Sound
- 11Searchlight
- 12Bear With Me
- 13Deep End
- 14Killing Fields
- 15Back To The Living
- 16Wide Open
- 17So Glad That You Asked
- 18The Pilot

