
Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
“Where do we go from here?”. Eine Frage, die wirklich an keinem Menschen mehr vorbeigeht, wenn es um die Reflexion vom chaotischen und zerrütteten Weltgeschehen der frühen 2020er geht. Während die Einen ihrem Hass und Unmut freien Lauf lassen, suchen die anderen wiederum verzweifelt nach Wegen, um irgendwie mit der Ungewissheit über die eigene Zukunft klarzukommen. Die musikalische Rezeption kann dabei – selbst innerhalb von Genres – ganz unterschiedlich ausfallen. Amber aus Bielefeld geben ihren Gedanken und Gefühlen ein ganz eigenwilliges klangliches Gewand und offenbaren dieses auf ihrem Debütalbum “Room For Understanding”.
Auf ihrem neun Songs umfassenden Longplayer thronen verträumte Melodien und scheinbar endlose Klangflächen auf einem wuchtigen Grundgerüst aus treibenden Drums und knurrigen Basslinien. Soundtechnisch erinnert “Room For Understanding” sehr an “RARE” (2017) von Hundredth, wenn man vielleicht den Shoegaze-Faktor ein wenig außen vor lässt. Stilistisch bewegen sich Amber ansonsten grob zwischen Emo und Post-Hardcore und dürften somit Fans von Movements, Citizen oder Balance and Composure ohne Zweifel zutiefst verzücken. Aber auch Fans von Bands wie Holding Absence oder Blackout Problems könnten definitiv auf ihre Kosten kommen.
Amber liefern ein starkes Debüt ab
Auch wenn sich Amber über die gesamte Lauflänge in einem relativ schmalen Bereich herumtreiben, holen sie aus diesem sound- und songwritingtechnisch alles heraus, was möglich ist. Sei es über die sorgfältig arrangierten Leadgitarren, kleine rhythmische Spielereien, die gut gewählten Synth Sounds oder die durch und durch hingebungsvolle Performance von Sänger Levin Mertelsmann. Lediglich auf Produktionsebene lassen sich kleine Makel feststellen, die sich vor allem in den leicht plastisch klingenden Drums äußern. Dennoch haben die Bielefelder auch hier – gerade im Vergleich zu ihrer selbstbetitelten EP – einen großen Schritt nach vorne gemacht.
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“Room For Understanding” ist ein Album, das an einer unglaublich interessanten Schnittstelle stattfindet, da es gleich mehrere Trends bedient. So könnten sich Amber nicht nur der seit einigen Jahren neu entstehenden Emo-Welle anschließen, sondern auch dem frischen Schwung an Dreampop- und Shoegaze-Formationen, die überall im deutschsprachigen Raum auftreten. Ihr gut geschriebenes und kurzweiliges Debüt zeigt in jedem Fall, dass man diese Band auf dem Schirm behalten sollte. Für künftige Releases könnte man sich im Songwriting höchstens noch einen größeren Dynamikbereich und ein wenig mehr Mut zum Außergewöhnlichen wünschen.
Foto: Danny Kötter / Offizielles Pressebild
Fazit
Amber öffnen auf ihrem Debütalbum den “Room For Understanding” und nehmen uns darin mit auf eine Reise in verträumte Emo-Gefilde, die von eindringlichen Gitarrenmelodien und punkigen Drumbeats geprägt ist. In genau diesem Bereich überzeugen die Bielefelder sowohl im Songwriting, als auch mit den sorgfältig gewählten Sounds und einem gelungenen Pacing. Lediglich auf Produktionsebene lassen sich kleine Makel feststellen, die dem Gesamtbild aber zum Glück keinen großen Abbruch tun.

Room For Understanding
Album
VÖ
cd · vinyl
▶Tracklist 9 Songs
- 1Spine
- 2Indigo
- 3Heavy View
- 4R.F.U.
- 5Gravity
- 6Better Days
- 7Chadwick
- 8Upside Down
- 9Le Mal Nécessaire