Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
“I Want To Disappear” – “Ich möchte verschwinden”. Es gibt diese Umstände, die einem als Mensch alles abverlangen. Ein Schicksalsschlag folgt auf den nächsten und der Wunsch, sich nicht mehr mit der Realität auseinanderzusetzen, wächst und wächst. Am liebsten würde man sich einfach in Luft auslösen und keine klaffende Wunde im Leben seiner Mitmenschen hinterlassen. Es zeugt von großem Mut, den Versuch zu wagen, Trauer und Verzweiflung in etwas Positives zu verwandeln. Und genau dort beginnt die Geschichte vom fünften Album der Pop-Punk-Szenelieblinge von The Story So Far, die ganze sechs Jahre seit ihrer letzten Platte “Proper Dose” (2018) haben verstreichen lassen und sich in dieser Zeit nicht nur von ihren Zwanzigern verabschieden mussten.
Als wären eine Pandemie, Besetzungswechsel und Verletzungen nicht genug, gab es für Sänger Parker Cannon noch oben drauf den Tod seines geliebten Vaters zu verarbeiten. Kein Wunder, dass The Story So Far mehrfach vor dem kompletten Aus standen. Der große Erfolg des Vorgängeralbums tat sein Übriges, ein Genügsamkeitsgefühl über die bisherige Karriere der Band zu erzeugen. In einem Interview mit dem Rolling Stone-Magazin spricht Cannon allerdings darüber, wie der Weg zu “I Want To Disappear” davon geprägt war, die Band zu Ehren seines Vaters weiterzuführen. Dabei entstanden ist wenig überraschend das wahrscheinlich intimste und verletzlichste Album der Kalifornier.
The Story So Far kehren gewohnt stark zurück
Wie auch schon die Singles “Big Blind”, “Letterman” und “All This Time” haben vermuten lassen, bewegen sich The Story So Far musikalisch wieder mehr bei ihren Wurzeln und gehen über weite Strecken sehr auf Nummer sicher. Den wütenden Unterton eines “Quicksand” ersetzt allerdings eine stärker ausgeprägte Emo-Note, die sich durch die zehn Songs konstant zieht. Wenn man sich etwas weiter aus dem Fenster lehnt, klingt “I Want To Disappear” fast so, als hätte sich die Band an den Versuch gewagt, mit ihren vertrauten Zutaten eine The Cure-Platte zu schreiben. Dies äußert sich vor allem durch die warmen und eingängigen Refrains, die sich wohlig in die Gehörgänge legen.
Instagram Post
Einen erfrischenden Moment bilden zudem die beiden von Akustikgitarren dominierten Closer “White Shores” und “I Want To Disappear”, die einen schönen Kontrast zur sonst klar punkdominierten Platte bilden. The Story So Far verändern sicherlich nicht die Welt mit ihrem sechsten Langspieler und haben diesmal auch keine Wildcards wie “Upside Down” oder “Need To Know” ins Deck gemischt. Aber man spürt zu jeder Sekunde, dass sich das Quartett von ihrer ehrlichsten Seite zeigt und dabei ganz von ihren Stärken tragen lässt. Die eindringlichen Leadgitarren, die sinnige Trackreihenfolge und Ausnahmetracks wie das packende “Keep You Around” tun ihr Übriges, um “I Want To Disappear” über seine Gewöhnlichkeit hinwegzuhelfen.
Foto: Eric Soucy / Offizielles Pressebild
Fazit
“I Want To Disappear” ist trotz des leicht veränderten Tonus eine The Story So Far-Platte durch und durch. Man erkennt sie auf 100 Meter und man bekommt in jedem Falle die zehn packenden, kurzweiligen und emotionalen Pop-Punk-Hymnen, die man zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Kusshand von den Kaliforniern entgegen nehmen würde. Auch wenn man sich auf musikalischer Ebene vielleicht langfristig nicht unbedingt als erstes an LP Nummer 5 der Band erinnern wird, hallt das Album trotzdem alleine durch die berührende Entstehungsgeschichte noch lange im Kopf nach.

▶Tracklist 10 Songs
- 1All This Time
- 2Watch You Go
- 3Letterman
- 4Jump The Gun
- 5Big Blind
- 6Nothing To Say
- 7Keep You Around
- 8You're Still in My Way
- 9White Shores
- 10I Want To Disappear
