
Mauritz Hagemann
Man könnte meinen, dass es bei Caskets nach der durch rechtliche Probleme notwendig gewordenen Umbenennung – bis Anfang 2021 hieß die Band aus dem nordenglischen Leeds noch Captives – inzwischen ruhiger zuginge. Doch auch die ersten Jahre als Caskets waren von zahlreichen Schlagzeilen geprägt. Da war zum einen die Covid-Pandemie, die zahlreiche Absagen und Verschiebungen notwendig machte. Zum anderen aber auch die geplante Tour mit Dance Gavin Dance, von der sich Caskets letztlich zurückzogen, nachdem deren Sänger Tilian Pearson, gegen den Vorwürfe wegen sexualisierter Gewalt erhoben worden waren, nach einiger Zeit zur Band zurückgekehrt war.
Die Hälfte der neuen Caskets-Songs ist schon bekannt
Es gibt und gab also einiges zu verarbeiten und so ist der Titel für Album Nr.2 mit „Reflections“ ohne Frage passend gewählt. Das Album enthält zehn Songs, von denen die Band uns die Hälfte bereits präsentiert hat.
Das ist in der heutigen Zeit alles andere als ungewöhnlich und im Spotify-Zeitalter sicher auch vernünftig. Und doch schmälert es ein wenig die Vorfreude auf ein neues Album, wenn so viele Tracks schon bekannt sind.
Aber das lassen wir uns an dieser Stelle nicht anmerken und starten direkt mit dem Opener „Believe“, den die Band schon Mitte Juli als Single veröffentlicht hatte. Und es wird schnell klar, dass Caskets es defintiv nicht verlernt haben.
Matthew Flood überzeugt gesanglich
Ganz im Gegenteil: „Believe“ macht gerade im Refrain und wegen des vielseitigen Gesangs von Frontmann Matthew Flood richtig Laune. Zeitweise sind Parallelen zu anderen Post Hardcore-Acts aus dem UK wie Holding Absence zu erkennen.
Auch „More Than Misery“, ein Song über toxische Beziehungen, kann auf ganzer Linie überzeugen. Das liegt auch an dem überaus gelungenen Feature von The World Alive-Sänger Telle Smith, der dem Song eine angenehme Härte verleiht. Eine Härte, die manche Fans auf „Reflections“ vielleicht vermissen werden.
Caskets waren auch auf vorherigen Veröffentlichungen sicher die die härteste Post-Hardcore-Band des Universums. Auch auf „Reflections“ bleibt sich die Band treu und legt lieber Wert auf Melodien denn auf harte Breakdowns. Das passt auch alles sehr gut und fügt sich vor allem gut zusammen.
Eine Produktion, die höchsten Ansprüchen genügt
Und doch wünscht man sich an der ein oder anderen Stelle, dass die Gitarren und das Schlagzeug in der Produktion und im Mix einen höheren Stellenwert eingenommen hätten. Das soll gleichwohl keine Kritik an der Qualität der Produktion sein. Was Dan Weller, der seit Jahren mit Bands wie Enter Shikari, Bury Tommorow oder Holding Absence zusammenarbeitet, hier fabriziert hat, genügt höchsten Ansprüchen.
Doch jenseits der grundsätzlichen Qualität der Produktion hätte es zumindest einigen Songs gut getan, sich mehr auf die Basics zu fokussieren. Es sollen bekanntlich schon Bands in Schönheit gestorben sein. Und wir wollen nicht, dass auch Caskets dieses Schicksal erleiden. Dafür ist das, was sie uns auf „Reflections“ bieten, schlicht zu gut.
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Hier und da fehlt die Dynamik
Das gilt insbesondere auch für die Songs, die bisher noch nicht im Vorfeld veröffentlicht wurden. „Six Feet Down“ ist so ein Song, bei dem es vor allem wieder der variantenreiche Gesang von Matthew Flood ist, der hervorsticht. Und doch gibt es auch vereinzelt Aspekte, die man sich anders gewünscht hätte.
Ein Song wie „Silhouettes“ verfügt fraglos über die vielen bereits genannten positiven Attribute. Und doch wünscht man sich hier und da eine etwas deutlichere Struktur, etwas mehr Dynamik – und vielleicht etwas mehr Ohrwurmpotential.
Das bieten gleichwohl einige andere Songs des Albums. Wenig verwunderlich sind es vor allem die bereits veröffentlichten Tracks wie „Better Way Out“, welcher ein rundum gelungenes Album abschließt.
Foto: Caskets / Offizielles Pressebild
Fazit
Das zweite Album ist immer so eine Sache. Fehler, die beim Debüt noch verziehen werden, fallen jetzt stärker ins Gewicht. Die Erwartung ist generell höher. Doch Caskets meistern diese Herausforderungen problemlos und legen uns mit „Reflections“ ein überzeugendes Album vor. Nicht alles gelingt, aber doch so viel, dass es sich ohne Frage lohnt, mehr als nur einmal reinzuhören.

▶Tracklist 10 Songs
- 1Believe
- 2More Than Misery
- 3In The Silence
- 4Too Late
- 5By The Sound
- 6Six Feet Down
- 7Silhouettes
- 8Guiding Light
- 9Hate Me
- 10Better Way Out

