
Yana Markwort
Caskets, die vierköpfige Band aus Leeds, UK, hat es vollbracht: Das Debütalbum „Lost Souls“ erscheint am 13. August 2021. Sänger Matt Flood und seine Bandkollegen Craig und Benji (Gitarre), Chris (Bass) sowie James (Schlagzeug) beehren Fans mit zehn neuen Songs!
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Die Platte geht direkt ans Eingemachte, statt Kirschmarmelade gibt es hier aber richtig was auf die Ohren: „The Only Ones“, eine der im Vorfeld veröffentlichten Single-Auskopplungen, eröffnet das Album. Der Song macht direkt deutlich, was man auf diesem Album erwarten kann: Etwas Neues, denn Caskets liefern auf „Lost Souls“ eine Überraschung und nutzen diesen Effekt, um eine beeindruckende Symphonie aus soft und heavy zu kreieren.
Das gelingt auch im nächsten Song „Glass Heart“, ebenfalls eine Single, die bereits vor dem Release zur Verfügung gestellt wurde.
Überraschungsmoment
„I definitely like to surprise people“, gibt der Sänger mit dem britischen Akzent zu verstehen und bereitet sich auf die Veröffentlichung ihres Debüts „Lost Souls“ bei SharpTone Record vor; eine Platte, die größtenteils im Gartenschuppen von Bandmitglied Chris aufgenommen wurde. „Literally, a fucking garden shed“, lacht Sänger Matt, „Almost everything was done in the good old shed. There are pictures of it on our Instagram, it’s not that big.“
Gemeinsam mit dem Produzenten Dan Weller, der unter anderem hinter Werken von Holding Absence, Dream State, Enter Shikari und Bury Tomorrow steht, nutzen Caskets diese Location, um eine Mischung aus rustikaler Atmosphäre und reinen Emotionen einzufangen.
Das Album behält die Unmittelbarkeit ihrer hochgelobten „Ghost Like You“-EP bei, aber die Band setzt ihre Schwerpunkte an anderen Stellen als bei schweren Riffs und krachenden Gitarren.
Innehalten
„Hold me Now“, der dritte Song auf der Platte, ist ein gutes Beispiel dafür. Ganz ruhig lädt Sänger Matt Flood zu einer musikalische Reise der Verletzlichkeit ein, bis er in der Hook allen Emotionen freien Lauf lässt und seiner Stimme Volumen verleiht. In der Strophe wird es wieder ruhig und andächtig, bis schließlich eine Caskets-typische Melodie den Refrain untermauert.
Mit der Weiterentwicklung von „Ghost Like You“ haben sich Caskets noch mehr Raum für ihren atmosphärischen Sound gelassen. „The music was written in mind for screaming“, klärt Matt auf, „but we decided we didn’t want to go down that avenue. There’s more soaring energy rises and heavy, chunky low-tuned guitars. There are a lot of nice silky verses and atmospheric choruses.“
„Lost in Echoes“ ist wie „Drowned in Emotion“ ein Titel, der Emotionen wie Verlust, Angst und Unbeständigkeit erkundet und sich dabei durch Melodien, die oft mit kräftigen Drums und harten Riffs unterlegt sind, entfaltet. „We pulled it back a lot on the first EP“, sagt Matt über die gefühlvolleren Momente des Albums, „but the music has so many different elements to it now, it’s easier to write those sorts of emotions. I want people to take their own personal experience away from every song, but I want that experience to be different for each song too.“
Klarheit
Um das zu erreichen, versteckt sich Matt nicht hinter lyrischen Metaphern. Wenn man offener über etwas spricht, besonders wenn es etwas Persönliches ist, kann das ein stärkeres Gefühl hervorrufen. Wenn man über etwas Tiefgründiges und Dunkles singt, sollte man auch tiefgründige und dunkle Worte verwenden, um diese Botschaft zu vermitteln. Das gelingt den Briten auch in „Clarity“, einem Song der mit einem Violinenspiel energiegeladen daherkommt und erneut ein überraschendes Duett aus soft und heavy darstellt.
„Hopes & Dreams“ ist ein Song, der das Potenzial zu einer waschechten Metalcore-Ballade hat. Matts cleane Vocals harmonieren gut mit der eingängigen Melodie, welche für die Band so typisch sind. Selbst wenn sich der Engländer von lyrischen Metaphern lossagt, bedeutet das nicht, dass Fans auf emotionale Lyrics verzichten müssen.
„Hope is a letter
That you keep sliding down
…
Dreams are like Paper
Torn away easily
Those crumbled up pieces
represent you and me“
Diese Worte begeben sich auf eine Reise: Während Matt gesanglich zunächst völlig clean bleibt, erwartet man in der Hook wie in einigen Songs dafür die krassen Riffs von Benji an der Gitarre und Chris am Bass, aber wieder sorgen Caskets für eine Überraschung – Matt entführt kurz in eine Klangwelt, die dem des Pop-Punk ähnelt.
Diese Wendung spiegelt sich auch in den Lyrics wider: „Hope is just a letter and we can make it to the top (…) Just believe in your ability. Let your head believe your heart.“ heißt es nun.
Es ist ein Stück mit einer hypnotischen Mischung aus Streichern und Gitarren, das einen Moment der Hoffnung in die düsteren Momente bringt. Eine Botschaft, die Caskets sowohl auf der Platte als auch auf der Bühne mit Stolz vermitteln wollen.
„I feel like being able to bring up different types of emotion within these songs will make us be able to connect even more with the fans,“ blickt Matt auf die Rückkehr der Live-Shows. „We put as much energy and passion into our live shows as we can, because that’s what we would want to see if we were stood there watching us“.
Atmosphäre
„Lose Myself“ wird mit einem special Timing in einer ganz besonderen Atmosphäre eröffnet und holt den Hörer mit der eingänigen Melodie ab – fast, als könnte man sich in diesem Song verlieren. Daran schließt „The Final Say“ an. Zunächst mit ruhigen Pianotönen und Streichern eingeleitet, legt der Track den Fokus auf die Lyrics und Matts klare Stimme. Nach einem kurzen Ausbruch in Form von zarten Screams endet er schließlich wieder mit ruhigen Klängen.
Abgeschlossen wird das Album mit den Songs „One More Time“ und „Nothing to hide“, die mit schnellerem Gitarrenspiel für Abwechslung auf dem Album sorgen.
Foto: Caskets / Offizielles Pressebild
Fazit
Fans der Band werden dieses Album lieben, wer allerdings Experimente mit anderen Musikgenres oder heftige Screams mit markerschütternden Breakdowns erwartet, wird bei „Lost Souls“ nicht fündig. Aber das braucht die britische Band gar nicht – so lebt sie doch durch die markante Stimme von Sänger Matt Flood und dessen Gesangskünsten, an die sich jedes Instrument einfach so anzupassen scheint. Caskets machen sich völlig frei von Konventionen und liefern ihre eigene Interpretation eines Post-Hardcore- und Metalcore-Sounds. Emotionale Lyrics transportiert der Frontmann direkt ins Knochenmark und macht auch vor zahlreichen Tempowechseln nicht halt, sodass kurzweilig die Vermutung aufkommen könnte, es würde zweistimmig performt. Ob kraftvoll und laut oder zart und leise – Caskets interpretieren jede Emotion auf ihre eigene Art und Weise.

▶Tracklist 11 Songs
- 1The Only Ones
- 2Glass Heart
- 3Hold Me Now
- 4Lost In Echoes
- 5Clarity
- 6Hopes & Dreams
- 7Drowned In Emotion
- 8Lose Myself
- 9The Final Say
- 10One More Time
- 11Nothing To Hide

