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Mental Cruelty - Inferis
Review

Mental Cruelty

Inferis

Album

VÖ 10. Mai 2019
Philip Linn/13. Mai 2019
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P

Linn glänzt nicht nur mit seinem gekonnt-genervten Gesichtsausdruck, sondern auch mit seiner absolut überschwänglichen Art. Bei MoreCore steht er vor, neben und hinter der Kamera, haut von Zeit zu Zeit in die Tasten oder legt entspannt ein paar Nackenbrecher für den Hardfloor der MC-Party auf. Neben Job, Beruf und Arbeitswelt verliert "Philip" sich in seiner Freizeit in einem der unzähligen RPGs, die er bereits zum 20sten Mal durchgespielt hat, oder präsentiert stolz seine CD-, Kassetten- und Vinyl-Sammlung auf Social Media.


Leider muss ich direkt zum Beginn dieser Review zugeben, dass meine Suche nach dem “härtesten Scheiss der Musikwelt”, ein wenig zum Erliegen gekommen ist. Nennt es alterliche Musik-Verdrossenheit oder aber auch simple Faulheit, aber die Odyssee zu gesichtschmelzenden Breakdowns und den dämonischen Stimmen dieser Erde, findet auch bei einem früheren Fan des Genres irgendwo ein Ende. Und obwohl ich wahrscheinlich nicht der Einzige bin dem es so ergeht, kämpft der Underground mit neuen jungen Bands und einem Hochzeit mit dem “SLAM”, vehement gegen das Aussterben. Bands wie Vulvodynia, Within Destruction und auch Signs Of The Swarm schlagen Brücken zwischen dem unter Metalheads verhassten Genre Deathcore und einem seiner früheren Einflüsse. Dank Bandcamp, einiger Social Media-Gruppen und diverser YouTube-Channel, scheint diese Heirat auch gut zu funktionieren. Auch die Newcomer von Mental Cruelty aus Karlsruhe wollen Gast bei dieser Trauung sein.

Gegründet im Jahre 2016, spielten sich die fünf Jungs um Sänger Lucca durch Deutschlands sowie Europas Locations und schlugen mit ihren drei bisherigen Releases eine Schneise in den internationalen Untergrund. Mit ihrem neuen Album “Inferis” vereinen Mental Cruelty die bewährte Breakdowns-and-Blast Beats-Formel mit epischen Arrangements und einer prise “SLAM”. Heraus soll ein wahres Monster der Brutalität kommen, welches durch sein hohes musikalisches Können und der herausragenden Produktion von Sky Van Hoff (Caliban, Rammstein, Kreator) den Zahn der Zeit widersteht. Ob dieses Biest die Verdrossenheit aus mir heraus prügelt erfahrt ihr jetzt im Laufe des Artikels.

Der erste Gang durch das Machwerk der Karlsruher übermittelt ein solides Deathcore-Gewitter ohne allzu große Überraschungen. Es ist böse, brutal und mächtig. Sänger Lucca übertrumpft sich von Song zu Song selbst. Immer wieder fallen orchestrale Samples und Chöre im Klangbild auf, die hier und da die nötige Atmosphäre übermitteln. Auch die vier Features bringen ein wenig Abwechslung in das Gesamtpaket. Die Breakdowns schlagen wie eine Bombe auf den Zuhörer ein und lassen jedes Herz eines Deathcore-Fans höher schlagen. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich mit dem Kopf zum Rhythmus nicke. Trotzdem fehlt beim ersten Eindruck ein wirklicher “Ah”-Moment, der dem Ganzen die Sahnehaube aufsetzen würde.

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Mit dem Intro “Inferis”, “Planet Of Misery” und “Blood Altar” gibt es den Einstand zu der zehn Track LP von Mental Cruelty. Wie bereits erwähnt wartet hier ein bekanntes Deathcore-Gewitter, welches durch bösartige Vocals und apokalyptischen Chören aufgefüllt wird. Blast-Beats und Breakdowns geben sich ein Stelldichein, während die Lead-Gitarre im Hintergrund für die beklemmende Stimmung sorgt. Highlights sind das Gitarren-Solo in “Planet Of Misery”, sowie der Aufbau von Bass und Schlagzeug gegen Ende von “Blood Altar”.

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Mit den darauffolgenden Songs “Tormentum”, “Priest Of Damnation” und “Mundus Vult Decipi” gibt es auch schon die ersten Features der Platte auf die Ohren. So unterstützt Dickie Allen, Sänger der Band “Infant Annihilator”, in “Tormentum” die Truppe mit seinem schneidenden Screams und unmenschlichen Growls. Diese sind eine nette Abwechslung zu den Vocals von Sänger Lucca. In “Mundus Vult Decipi” steuert Slaughter To Prevail-Gitarrist Jack Simmons nach der ersten Hälfte ein beeindruckendes Solo zum Song hinzu, während die zweite Hälfte vor allem mit dem Aufbau zum Breakdown glänzt. Auch hier frischt die Lead-Gitarre das Ganze erneut auf.

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Weiter geht es mit den Songs “Cosmic Indifference”, “God Hunt” und “Human Evisceration” die sich ebenfalls mit ihrer Brutalität Übertrumpfen. Eine rollende Dampflok aus hämmernden Bass Drums, groovenden Rhythmus-Gitarren und dämonischen Vocals. Gegen Ende von “Cosmic Indifference” wird diese Kombination durch 16-tel Noten der Lead-Gitarre zu einem kleinen Highlight. In “God Hunt” erwartet uns Jason Evans von der Slamming Death Metal-Gruppe Ingested mit einem weiteren Feature und ergänzt das brutale Konstrukt mit seinen wütenden Growls und Screams. Wieder einmal glänzt die Lead-Gitarre mit einem Sweep Picking-Solo nach zwei Dritteln des Songs und hält den Song interessant. Bei “Human Evisceration” ist nun deutlich der “SLAM”-Einfluss von Mental Cruelty zu hören. Die Vocals sinken in die bodenlosen Tiefen, während das Instrumental die Geschwindigkeit ins extreme zurückfährt. Hier gibt es auf jeden Fall Tote.

Das Album schließt mit “Monocerotis” mit einer technisch anspruchsvollen Note. Kein Wunder, hört man hier das letzte Feature von “Inferis”: Marco Bayati, Gitarrist der Karlsruher Progressive Metal Band Desolace. Er beteiligt sich bei dem überwiegend instrumentalen Song mit aufwändigen Riffs und macht aus dem Deathcore-Song schnell einen Technical Death Metal-Knüppel. Absolut interessant und mein persönliches Highlight des Albums.

Mental Cruelty Inferis

Bei der Produktion ist die Arbeit mit Produzent Sky Van Hoff deutlich zu hören. “Inferis” steht dem Sound von internationalen Produktionen in nichts nach und kann sich neben den Alben der großen Namen sehen lassen. Der Sound ist aufgeräumt und wirkt zu keiner Zeit undefiniert oder chaotisch. Die Vocals sind zwischen High und Low zu allen Schandtaten fähig und brennen sich in den Gehörgang des Hörers ein. Die Lead-Gitarre sorgt mit beklemmenden Melodien für die nötige Atmosphäre, geht jedoch im Mix stellenweise unter. Die Drums hämmern mit ihrer Geschwindigkeit und Präzision einige Kerben ins Holz, zeigen aber zu wenig Innovation. Bassdrum und Snare schaffen es sich auch in den Blast-Beats durchzusetzen. Der Bass spielt leider nur eine untergeordnete Rolle und ist nur bei seinen Solo-Parts wirklich zu hören. Die Vocal-Features sind eine willkommene Abwechslung, jedoch deutlich leiser, als die Stimme von Sänger Lucca. Andersherum sieht es bei den Instrumentalen-Features aus. Hier kriegen die Gitarre die nötige Lautstärke, um als Solo erkennbar über dem Rhythmus zu liegen. Leider lässt das Songwriting ein wenig zu wünschen übrig. Teilweise wirken Parts sehr voraussehbar oder verlieren durch ihre Wiederholung an Überzeugungskraft. Anspruchsvollere Gitarren, wie bei “Monocerotis” würden dem ganzen Eindruck ein wenig mehr Substanz verleihen.

Fazit:

Auch wenn sich meine anfängliche Skepsis beim Hören schnell verzogen hatte, will mich “Inferis” nicht so ganz einfangen. Die Produktion, das Songwriting und die Präsentation sind ein Bilderbuch-Beispiel für extremen Metal. Und dennoch fehlt mir nach der anfänglichen Euphorie die Tiefe beim Songwriting. Weitere Zusatzinstrumente, aufwändigere Gitarren-Arbeit oder Experimente in der Songstruktur hätte das solide Deathcore-Feuerwerk noch weiter aufgefrischt. Trotzdem sollten Fans der aktuellen Szene nicht davor zurückschrecken, diesem Album ein paar Durchläufe zu verpassen, denn Mental Cruelty liefern brutales Kanonenfutter die Moshpits dieser Welt.

Wertung: 7/10

Band: Mental Cruelty

Album: Inferis

Veröffentlichung: 10.05.2019

Mental Cruelty - Inferis

Mental Cruelty

Inferis

Album

VÖ 10. Mai 2019

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DeutschlandSeit 2014

Mental Cruelty ist der Name einer deutschen Deathcore- und Death Metal-Band. Die Kombo wurde 2016 in Karlsruhe gegründet. 2017 veröffentlichte die fünfköpfige Band ihre erste EP „Pereat Mundus“. Nur e…

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