
Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.
Es hat etwas voyeuristisches, wenn man einer Band dabei zusieht, wie sie sich über mehrere Jahre und Alben hinweg ihren Ängsten stellen, Trauer verarbeiten und ihren persönlichsten Gedanken freien Lauf lassen. Entsprechend nahe geht es einem dann auch, wenn man hört, dass wohl endlich Licht am Ende des Tunnels zu sein scheint. Touché Amoré haben sich in den letzten Jahren still und heimlich zu einer der wohl populärsten Post-Hardcore-Bands entwickelt.
„Schuld daran“ ist nicht nur das unaufdringliche und bodenständige Auftreten der Band um Sänger Jeremy Bolm, sondern auch deren äußerst starker musikalischer Output, der mit “Stage Four” (2016) den Höhepunkt erreicht hatte.
Touché Amoré: Endlich das Licht am Ende des Tunnels
Selten ging eine Platte so durch Mark und Bein wie das vierte Studio-Album des Quintetts aus Los Angeles, das sich in voller Länge um Bolms Mutter dreht, die nach ihrer Krebserkrankung 2014 verstarb, während Touché Amoré auf der Bühne standen.
Instagram Post
Klang “Stage Four” entsprechend düster und melancholisch, hebt sich “Lament” mit einem vergleichsweise “hellen”, vielleicht sogar für Touché Amoré-Verhältnisse positiven Sound ab. In Zusammenarbeit mit Produzent Ross Robinson (Limp Bizkit, Korn, At The Drive-In) entstanden, probieren Bolm und seine Kollegen viel aus, bleiben sich dabei aber erfreulicherweise sehr treu.
So wechseln sich mal shoegazige Gitarren (“Exit Row”), die an späte Title Fight erinnern, mit dem Schlagzeug-Gewitter von Drummer Elliot Babin in “Savoring” ab, was relativ typisch für den Sound der Band ist, in dieser Intensität dann aber doch überraschend kommt.
“Reminders” hingegen ist einer der großen Hits der Platte, wenn Bolm im pop-punkigen Refrain zum großen Sing-A-Long ansetzt und man nicht drumherum kommt mitzugröhlen. Im zugehörigen Musikvideo finden sich übrigens nicht nur eine Menge knuddeliger Haustiere, sondern auch diverse bekannte Gesichter von Bands wie Rise Against, AFI, Quicksand, Every Time I Die, Converge und vielen mehr.
In Sachen Intensität kann “Lament” mit seinem Vorgänger leider (oder doch zum Glück) nicht ganz mithalten, auch wenn man Touché Amoré wenig vorwerfen kann. “Lament” ist sehr abwechslungsreich und hält mit Andy Hull von Manchester Orchestra sogar ein fantastisches Feature in “Limelight” bereit, das am Ende in ein packendes Duett mündet.
Dennoch fällt Bolm gesanglich im Vergleich zum insgesamt äußerst gelungenen Instrumental leicht ab. Hier hätte ich mir den einen oder anderen cleaneren Part, wie dem Chor in “A Broadcast” oder bei “Palm Dreams” bzw. “Flowers And You” von “Stage Four” gewünscht.
Nichtsdestotrotz ist “Lament” ein starkes Album, das bevorzugt mit Kopfhörern angehört werden sollte, um vollends in den Sound eintauchen und alle Details raushören zu können.
Foto: George Clarke / Offizielles Pressebild
Fazit
"Lament" ist ein weiterer Beweis dafür, dass Touché Amoré zu den derzeit beliebtesten Post-Hardcore-Bands gehören. "Reminders" ist schon jetzt ein sicherer Anwärter für einen dauerhaften Platz in der Setlist. Der insgesamt positivere Sound tut dem Quintett wirklich gut, auch wenn Bolm stimmlich gerne häufiger aus seiner Komfortzone hätte treten können.

▶Tracklist 11 Songs
- 1Come Heroine
- 2Lament
- 3Feign
- 4Reminders
- 5Limelight
- 6Exit Row
- 7Savoring
- 8A Broadcast
- 9I'll Be Your Host
- 10Deflector
- 11A Forecast

