
Als Redakteurin bei MoreCore.de versorgt Laura ihre Leser:innen mit den heißesten News aus der alternativen Musikszene. Sie hat ein besonderes Faible für Deathcore, aber ihre Liebe zur Musik erstreckt sich über eine breite Palette von Genres. Seit neuestem versucht sich Laura am Schlagzeug – und geht dabei ihren Nachbar:innen gehörig auf den Keks. Immerhin geht es ab und zu auch etwas ruhiger zu, denn neben der Musik zählt Gaming zu ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen. Von Baldur's Gate 3 kommt sie seit Monaten nicht los…
Zwei Jahre nach „Coma“ legen Gaerea mit ihrem nunmehr fünften Studioalbum nach. Das maskierte Kollektiv aus Porto präsentiert mit „Loss“ nicht nur den ersten Longplayer seit dem Wechsel von Season of Mist zu Century Media Records, sondern zugleich eine deutliche Erweiterung des gesamten klanglichen Spektrums.
Während die Band einst fest im Black Metal verankert war, begannen die Genregrenzen bereits auf „Coma“ deutlich zu verschwimmen – auf „Loss“ werden sie nun bis an ihre äußersten Ränder gedehnt. Klargesang und eingängige, mitunter hymnische Refrains, die an große Metalcore- oder Rock-Chorusse erinnern, ziehen sich durch die insgesamt neun Stücke des Albums. Gleichzeitig bewahren Gaerea ihre dunkle, geheimnisvolle Atmosphäre, die seit jeher ihr Erscheinungsbild prägen.
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Frontmann Alpha ist sich sicher, dass „sowohl unsere neuen als auch unsere alten Fans“ die Platte lieben werden. „Aber es ist nicht gerade genau das, was sie von uns erwarten.“ Ob man tatsächlich alle Fans zufriedenstellen kann – vor allem, wenn man so eine große Entwicklung an den Tag gelegt hat?
Gaerea sind melodischer denn je
Wer die ersten Single-Auskopplungen wie „Submerged“, „Hellbound“ oder „Phoenix“ verfolgt hat, wird schnell gemerkt haben, dass Gaerea verstärkt auf Melodien setzen, die im Gedächtnis bleiben und mühelos von einer Crowd mitgesungen werden können. Man stelle sich etwa die Zeile „I burn like fire“ aus „Hellbound“ vor, während der Sänger von auflodernden Flammen umrahmt auf der Bühne steht und die Zuschauer:innen lauthals mitschmettern. Diese Eingängigkeit wird jedoch von rasenden Blastbeats und den für Gaerea typischen emotional aufgeladenen Vocals ergänzt.
Auch die Single „Nomad“ gehört in diese Kategorie. Auf dem Album erhält der Track jedoch eine zusätzliche Dimension: Ihm ist das zweieinhalbminütige Prelude „LBRNTH“ vorangestellt, das überraschend von weiblichem Gesang getragen wird. Zwei schwebende Zeilen – „I’m the Nomad“ – eröffnen den Raum für das darauffolgende Stück und verleihen dem Übergang eine fast tranceartige Atmosphäre.
Vereinzelte Überraschungsmomente
Daneben gibt es Songs, die sich noch deutlicher vom Gesamtbild abheben. Der vierte Album-Track „Uncontrolled“ etwa reißt von der ersten Sekunde an mit – und wirkt seinem Titel entsprechend tatsächlich ungezähmter als viele der anderen Stücke. Zwar fehlen auch hier die obligatorischen Mitsing-Passagen nicht, doch vor allem das wilde Schlagzeugspiel sticht heraus. Der Drummer holt wirklich alles raus und trommelt sich förmlich die Seele aus dem Leib.
Eine „klassische“ Ballade existiert auf der Platte nicht, aber „Cyclone“ kommt diesem Konzept am nächsten. Erst nach über einer Minute ruhigen Klargesangs, lediglich von einer Gitarre getragen, setzt das Schlagzeug ein. Mit zunehmender Spielzeit steigert sich der Track immer weiter, zieht die Hörenden tiefer hinein: Der ätherische Refrain wirkt beinahe schwerelos, bevor ein kurzes, pointiertes Gitarrensolo und emotional aufwühlende Screams den Spannungsbogen auf den Höhepunkt treiben. Wow.
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Mit „Wow“ lässt sich auch die letzte Single von „Loss“ beschreiben. Auf dem rund achtminütigen Abschlussstück „Stardust“ bündeln Gaerea noch einmal das gesamte Spektrum ihres Könnens: Ruhige, introspektive Passagen mit klarem und teilweise flüsterartigem Gesang, sogar R&B-Beats, die die Portugiesen zuvor nie eingesetzt hatten, unmittelbar gefolgt von eruptiven Screams und erneuten melodischen Ausbrüchen.
Hier passiert enorm viel – gelegentlich wirkt der Track überladen, gleichzeitig zeigt er so deutlich wie kaum ein anderer, wie stark sich Gaerea in den vergangenen Jahren weiterentwickelt haben. Ein Finale, das einen (im positiven Sinne) sprachlos zurücklässt und dazu einlädt, das Gehörte noch einmal Revue passieren zu lassen.
Foto: Chantik Photography / Offizielles Pressebild
Fazit
Gaerea haben sich in den letzten Jahren zunehmend vom Black Metal gelöst und ihren Sound für neue Einflüsse geöffnet. Mit „Loss“ führen sie den auf „Coma“ eingeschlagenen Weg konsequent weiter: melodischer, mehr Klargesang und insgesamt zugänglicher. Trotzdem bleibt der düstere Kern, der weiterhin die Ästhetik und Identität der maskierten Portugiesen prägt, erkennbar. Bei alteingesessenen Fans braucht es aber eventuell etwas mehr Überzeugungsarbeit.

▶Tracklist 9 Songs
- 1Luminary
- 2Submerged
- 3Hellbound
- 4Uncontrolled
- 5Phoenix
- 6Cyclone
- 7LBRNTH
- 8Nomad
- 9Stardust
