
Dana Chojetzki
Vier Jahre sind seit dem letzten Release vergangen. Wer jedoch glaubt, Lamb Of God wären im Ruhestand, der irrt gewaltig. Die Metal-Institution aus Richmond, Virginia, meldet sich am 13. März. 2026 via Century Media mit ihrem neuen Langspieler „Into Oblivion“ zurück. Produziert von Langzeit-Begleiter Josh Wilbur, ist das Album ein Zeugnis dafür, dass Randy Blythe und Co. niemandem mehr etwas beweisen müssen. Gitarrist Mark Morton betont, dass die Band hier völlig frei von Trends agiert hat – und das hört man.
Lamb of God’s gnadenloser Einstieg
Das Album prescht direkt mit dem bereits bekannten Titeltrack „Into Oblivion“ nach vorne. Chaotische Gitarrenriffs und ein peitschendes Schlagzeug von Art Cruz bilden das Fundament für ein instrumental extrem hartes Brett. Der Übergang zum folgenden „Parasocial Christ“ verläuft nahtlos. Der Song ist deutlich schneller, ein echter „Anti-Tech-Thrasher“ (Revolver), der jedoch mit sanften E-Gitarren-Klängen ausläuft und so eine fast schon unheimliche Atmosphäre schafft.
Zwischen Tod und Groove
Dass Lamb of God ihre Wurzeln in der Underground-Szene der 90er nicht vergessen hat, beweist „Sepsis“. Hier zeigt Randy Blythe eine beeindruckende stimmliche Varianz: Zwischen brutalen Shouts und verständlicherem, teils cleanem Gesang, thematisiert der Song den Tod. Ein plötzlicher Tempowechsel zur Mitte hin reißt den Hörer aus der Melancholie direkt zurück in den Moshpit. In eine ähnliche Kerbe schlägt „The Killing Floor“, ein Paradebeispiel für den typischen Lamb of God – Groove. Mit einer Laufzeit von 4:16 Minuten nimmt sich die Band Zeit, die Spannung durch dominante Drums und messerscharfe Riffs bis zu einem massiven Breakdown aufzubauen.
Experimente und altbewährte Wucht
Einen echten Kontrast bietet „El Vacío“ (übersetzt Die Leere). Der Song beginnt ruhig und düster, bevor Randys Stimmgewalt einsetzt. Es bleibt jedoch das ruhigste Stück der Platte, ohne die gewohnten aggressiven Ausbrüche – eine willkommene Atempause, bevor „St. Catherine’s Wheel“ wieder vollends kathartisch und energiegeladen nach vorne peitscht. Mit „Blunt Force Blues“ liefern Lamb of God einen Old-School-Vibe, der inklusive einer markanten Lautsprecher-Durchsage-Sequenz und einer bestialischen Vocal-Performance direkt auf die Zwölf geht. Auch „Bully“ schlägt diesen Weg ein: Wütend, intensiv und mit rasantem Drumming.
Der Twist zum Finale
Gegen Ende wird es noch einmal spannend: „A Thousand Years“ bringt mit einer Mischung aus Riff-Gewalt, Clean – und Sprechgesang frischen Wind in die ansonsten sehr geradlinige Platte, bevor der Song abrupt endet. Den Abschluss bildet „Devise / Destroy“. Was für einen ganz kurzen Moment wie eine Rockballade beginnt, transformiert sich schnell wieder in die bekannte Lamb of God – Manier – prädestiniert für den nächsten Circlepit auf den Festivals im Sommer.
Foto: Travis Shinn / Offizielles Pressebild
Fazit
„Into Oblivion“ ist ein qualitativ hochwertig produziertes Album, das Lamb Of God als moderne Veteranen zeigt. Sie bleiben ihrem Sound treu und verzichten – wie gewohnt – auf Features. Während die Platte für Fans genau das bietet, was sie erwarten, fehlt an manchen Stellen vielleicht die ganz große Abwechslung, um die Höchstwertung zu knacken. Dennoch: Die Wucht und die Spielfreude sind ungebrochen und werden live für ordentlich Furore sorgen.

▶Tracklist 10 Songs
- 1Into Oblivion
- 2Parasocial Christ
- 3Sepsis
- 4The Killing Floor
- 5El Vacío
- 6St. Catherine's Wheel
- 7Blunt Force Blues
- 8Bully
- 9A Thousand Years
- 10Devise/Destroy
