
Daniel vom Bruch
In jedem Kalenderjahr prescht eine Band überraschend besonders weit nach vorne und erlangt den Status des Superstars. Im letzten Jahr zum Beispiel waren das Knocked Loose, die mit ihrem Brachial-Core plötzlich in den größten TV-Shows wie etwa bei Jimmy Kimmel auftauchten und große Hallen ausverkauften.
Für 2026 werfen wir mal From Ashes To New in den Ring, die sich mit ihrem fünften Studioalbum „Reflections„, das am 17. April erscheint, mit sehr viel Nachdruck um den Titel „The Next Big Thing“ bewerben. Denn selten hat eine Band einen so großen Schritt in der musikalischen Entwicklung nach vorne gemacht. Jeder einzelne der zwölf Songs des Longplayers ist ein Prototyp für modernen, angesagten Metalcore.
Mit viel Mut zum eigenen Stil gefunden
Der Weg dahin war allerdings lang und sicherlich beschwerlich. Insgesamt 16 Demos hatten From Ashes To New im Jahr 2023 für ihr fünftes Album im Rucksack. Aber das Quintett war anscheinend nicht zufrieden und strich bis auf zwei Aufnahmen alles weg und nahm neue Songs auf, mit denen sie einen eigenen Sound kreieren wollten.
Das ist ihnen teilweise gelungen, denn während sich das zweite Studioalbum „The Future“ aus dem Jahr 2018 ziemlich stark nach Nu Metal und Linkin Park anhört, erkennt man jetzt trotz aller hörbarer Einflüsse einen eigenen Stil, vor allem in den von Leadsänger Danny Case und dessen mal sanfter, mal kraftvoller Stimme vorgetragenen Refrains. Die Band aus Lancaster, Pennsylvania, scheint viel mutiger geworden zu sein und das tut „Reflections“ ziemlich gut.
Gelungener Genremix
Auch das Zusammenspiel zwischen musikalischer Abwechselung in den Songs und ständig gleichbleibenden Aufbau, macht „Reflections“ zu einem starken Album. Während die einzelnen Stücke von From Ashes To New Elemente von Nu Metal, Metalcore, Alternative Metal, Rap Rock und Rap Metal haben, ist der Aufbau meistens gleich: Zunächst wechseln sich zwei ruhige Strophen mit zwei lauten Refrains ab, bis die Band zum Ende hin einen Breakdown aufbaut und sich teilweise genüsslich im Metalcore und Screamo suhlt, um dann wieder die Lautstärke zu drosseln und das Finale erklingen zu lassen. Ausnahmen bestätigen wie in vielen Dingen auch hier die Regel.
Unkonventionell, aber dennoch eingängig
Und diese Ausnahmen, die allesamt in der etwas stärkeren zweiten Hälfte der Platte erscheinen, machen die Würze des Albums von From Ashes To New aus. Songs wie „(Not) Psycho“, „Parasite“, „Darkside“ und „Falling From Heaven“ erzeugen verschiedene Stimmungen und bleiben direkt im Gehörgang hängen. Es handelt sich um teilweise eher unkonventionelle, aber sehr eingängige Songs, die den neuen Sound von From Ashes To New prägen.
Bereits vier Singles sind draußen
Die Band selbst scheint diesen Songs aber überraschenderweise weniger zu vertrauen, denn die bisherigen vier Singles „New Disease“, „Drag Me“, „Villain“ und „Die For You“ folgen alle dem gleichen, eher vertrauten Muster. Vor allem bei den letzten beiden Auskoppelungen sind die Parallelen zu Bad Omens kaum zu überhören. Das ist allerdings keineswegs als negative Kritik gemeint, denn From Ashes To New zeigen sich insgesamt sehr vielseitig, und ihre Songs behalten auch mit solchen Anleihen einen hohen Wiedererkennungswert.
Das liegt vor allem an Matt Brandyberry, dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied der seit 2013 existierenden Band. Mit seinen Unclean Vocals und seinem Sprechgesang verleiht er den Songs die nötige Einzigartigkeit. Und dazu ist er auch noch für die Synthies und das Programming zuständig, was den Releases ihren modernen Klang gibt.
Meister ihres Fachs an den Reglern
Apropos Klang, das Album ist hervorragend produziert und abgemischt. Zu keiner Sekunde hat man das Gefühl, dass irgendein Instrument oder eine Stimme zu leise oder zu laut ist. Die Gitarren sind teilweise sehr brachial, aber niemals zu brutal, die Drums sind kraftvoll, ohne in ruhigen Momenten unpassend zu sein. Und wenn es dann wieder lauter wird, sind die Screamo-Parts sanft in das Gesamtwerk eingebettet und wirken dennoch bedrohlich. Mit „Reflections“ ist die Bewerbung von From Ashes To New für das Beste Album des Jahres raus.
Fazit
Achtung, Musikwelt, da kommt etwas Gewaltiges auf uns zu. Mit "Reflections" ist From Ashes To New ein sehr großer Schritt nach vorne gelungen. Ihre Songs haben die nötige Massenkompatibilität, aber keins der zwölf Stücke biedert sich auch nur ansatzweise bei irgendjemandem an. Die Band überzeugt mit seiner Mischung aus Nu Metal und Metalcore und erschafft daraus einen interessanten Genremix. Ein stimmiges Album, das Fans verschiedener Genres abholt. Einflüsse anderer Bands sind deutlich zu hören, das ist aber völlig in Ordnung, denn am Ende klingt das komplette Album nach der 2026er-Version von From Ashes To New.

▶Tracklist 12 Songs
- 1Drag Me
- 2Forever
- 3Villain
- 4Die For You
- 5Black Hearts
- 6Upside Down
- 7(Not) Psycho
- 8Parasite
- 9New Disease
- 10Darkside
- 11Falling From Heaven
- 12Your Ghost

