Dana Chojetzki
Nachdem das Debüt „HUMAN=KIND (EP)“ die empathischen Facetten des Menschseins beleuchtete, kehrt das genre-sprengende Projekt PINKNOISE nur ein Jahr nach der ersten Single „NEVER LAST“ mit einer gewaltigen Ansage zurück. Kacey Foxx hat bei der Nettwerk Music Group eine neue musikalische Heimat gefunden und liefert mit der EP „FLESH AND BONE“ (VÖ: 17.04.2026) den kompromisslosen Nachfolger, der sich den Schattenseiten widmet: Toxizität, Grausamkeit und der immense innere Druck einer synthetischen Industrie stehen hier im Fokus.
Die Zukunft ist PINK
Der Opener „THE FUTURE IS PINK“ fungiert dabei als emotionales Manifest für radikale Authentizität. Der Song beginnt mit einem ruhigen Klavier-Intro, nimmt jedoch schnell an Fahrt auf und lässt die sanfte, aber dennoch ungemein kraftvolle Stimme von Foxx erstrahlen, bevor das Stück dynamisch wieder im sanften Tastenspiel ausklingt. Direkt im Anschluss folgt mit „SING WITH ME“ ein bereits bekannter Track, der durch das Feature mit Zhavia eine besonders angenehme Note erhält. Die Stimmen der beiden harmonieren hervorragend und verleihen der energetischen Nummer eine zusätzliche Tiefe.
PINKNOISE gegen Online-Hass
Dass PINKNOISE aber auch ganz andere Saiten aufziehen kann, beweist „TALK TALK“. Als wütender Gegenschlag auf Online-Hass konzipiert, zeigt der Track einen harten Einstieg mit Screams und Shouts, die eindrucksvoll belegen, was Foxx stimmlich abliefern kann, während der Refrain wieder in gefühlvollere Gefilde abtaucht. Diese Härte zieht sich auch in den Titeltrack „FLESH AND BONE“ weiter. Nach einem aggressiven Beginn wechselt der Song in Clean-Gesang, wobei das Instrumental zeitweise an den verzerrten Sound alter Konsolenspiele erinnert, bevor ein ruhiges Schwelgen den nächsten Refrain vorbereitet.
Absoluter Ohrwurm
Mit „BITE MY TONGUE“ schlägt die EP rockigere Töne an. Getragen von markanten Gitarrenriffs bleibt die Nummer zwar eher ruhig, wirkt aber durch den teils stark übersteuerten Bass fast schon schmutzig – ob dies ein bewusstes Stilmittel oder ein Resultat der rohen Produktion ist, bleibt der Interpretation überlassen, unterstreicht aber den rebellischen Vibe.
Fast schon ESC-Potenzial mit Metal-Schlagseite beweist hingegen „RAIN“ (feat. Wind Walkers). Der Song nutzt geschickt Synthesizer und gipfelt in einem absoluten Ohrwurm-Refrain, der sich sofort festsetzt.
Das große Finale
Den hochemotionalen Schlusspunkt der EP setzt schließlich „WHY YOU SURVIVED“. Der Song beginnt zerbrechlich, nur getragen von einer Gitarre, und entwickelt sich zu einem tiefgreifenden Tribute an eine verunglückte Person. Kacey Foxx lässt hier eine fast schon schmerzhafte Nähe zu. Der Sound wirkt stellenweise bewusst übersteuert und rau, was die aufgewühlte Gefühlswelt und die rohe Emotionalität dieses Überlebenssongs perfekt widerspiegelt. Es ist ein intimer Moment, in dem die Grenze zwischen Musik und purem Empfinden verschwimmt und der den Hörer mit einer Mischung aus Trauer und Hoffnung zurücklässt.
Foto: Jacqueline Day / Offizielles Pressebild
Fazit
Mit „FLESH AND BONE“ festigt PINKNOISE den Status als eine der wichtigsten neuen Stimmen im modernen Metal- und R&B-Crossover. Kacey Foxx gelingt es, die Brücke zwischen Soul-Melodien und wütenden Ausbrüchen zu schlagen, ohne dabei an Authentizität zu verlieren. Ein starkes Stück Musik, das lediglich durch kleine Abstriche in der klanglichen Transparenz an der Perfektion vorbeischrammt.

FLESH AND BONE EP
Album
