Review

Extreme Metal

Kritik: Igorrr - "Amen"

Ein Schritt nach vorn mit Luft nach oben.

VON

Bei Gautier Serre stimmt das Gesamtbild. So versprüht der infantile Multiinstrumentalist und Produzent und das entsprechend simple Album-Artwork Breakcore-Charme und illustriert damit wunderbar die gebotene Symbiose aus Metal und Barock-Musik, auch wenn Igorrr musikalisch zugegebenermaßen etwas moderner daherkommt als seine Mitstreiter. Direkt zu Beginn macht der Opener „Daemoni“ deutlich, dass es sich nicht um eine typische Extreme Metal-Platte handelt: Integrity-Riffing und Blastbeats schmiegen sich organisch aneinander.

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Auch die anderen Titel schlagen in die gleiche Kerbe und vereinen schwarzmetallische Kälte mit jugendlicher Aggression. Dem Franzosen gelingt mit „Amen“ ein ansprechendes, von vereinzelten progressiven Anklängen durchzogenes Fünftwerk, das gut ins Ohr geht und mit versierter Gitarrenarbeit sowie ansprechenden Kompositionen punktet. Dabei geht der Protagonist abwechslungsreich vor und schafft Kontraste – so etwa, wenn nach dem epischen „2020“ das düs­ter riffende, experimentell angehauchte „Mustard Mucous“ aus dem Schatten hervorbricht.

Der richtige Weg

Auch schön: Der Gesamt-Sound auf „Amen“ klingt dynamischer und (das Schlagzeug!) natürlicher als auf seinen Vorgängern. Ausfälle? Wenige. Was Igorrr vor das Luxusproblem stellt, dass nur wenige Songs aus dem Album als Über-Hit herausstechen. Muss aber auch nicht sein, wenn das Gesamtpaket generell stimmig ist.

Das hat allerdings auch seine Nachteile. Denn „Amen“ wirkt bisweilen überwältigend. Wer so viele Arrangements in 12 Songs presst wie Igorrr, riskiert, Hörende unterwegs zu verlieren. Ruhephasen zum Durchatmen gibt es praktisch keine. Jeder Song ist ein gewaltiger Angriff auf den Hörsinn. Wer klare Hooks und eingängige Melodien benötigt, um an einer Platte Spaß zu haben, schaut hier weitestgehend in die Röhre.

„Amen“ – solides Album mit kleineren Schwächen

Insbesondere in der zweiten Hälfte wirkt das wilde Treiben von Igorrr bisweilen anstrengend. Ein wenig mehr Klarheit in den Strukturen hätte „Amen“ auf Dauer gutgetan. So wirkt die Platte in manchen Moment schlichtweg erschlagend und das Gehirn schweift langsam mit den Gedanken ab, um sich leichter verdaulichem zu widmen.

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Trotzdem sei an dieser Stelle festgehalten, dass der fleißige Gautier Serre mit „Amen“ ein großes Ausrufezeichen 2025 setzt. Wenn der Musiker seinen Wahnsinn auf dem Nachfolger in etwas nachvollziehbarere Bahnen legt, steht dem Franzosen noch viel mehr zu.

Foto: Svarta Photography / Offizielles Pressebild

ALBUM
Amen
Künstler: Igorrr

Erscheinungsdatum: 19.09.2025
Genre: , ,
Label: Metal Blade Records
Medium: Streaming, CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Daemoni
  2. Headbutt
  3. Limbo
  4. Blastbeat Falafel
  5. ADHD
  6. 2020
  7. Mustard Mucous
  8. Infestis
  9. Ancient Sun
  10. Pure Disproportionate Black and White Nihilism
  11. Étude n°120
  12. Silence
6.5
FAZIT
Mit „Amen“ bewegt sich Gautier Serre weiter in eine logische und richtige Richtung und liefert sein bislang stärkstes Album ab. Allerdings weiß auch Nummer fünf nicht vollkommen zu überzeugen. Es ist an vielen Stellen zu beliebig, zu generisch und zu langatmig („Infestis“). Zu oft verharrt der Franzose im gemütlichen Midtempo und können dadurch selten richtige Härte oder anhaltende Spannung erzeugen. Der gelegentliche Operngesang ist eine gute Bereicherung für den Sound von Igorrr, aber auch hier ist definitiv noch Luft nach oben.