Tour
03/03/2026
Review
Punkrock
Kritik: Good Riddance - „Before The World Caves In“
Good Riddance in konsequenter Form: schnell, druckvoll, melodisch, thematisch relevant.
VON
Tobias Tißen
AM 23/03/2026
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Sieben Jahre sind im Musikbusiness eine kleine Ewigkeit. Wenn sich eine Band nach so einer Pause zurückmeldet, wirkt das oft entweder wie ein Nostalgie-Ausflug oder wie ein Ventil, das endlich mal Druck ablassen musste.
2025 kamen Propagandhi nach acht Jahren Pause mit einer der wütendsten (und besten!) Punk-Platten des Jahres zurück. Die aktuellen Zeiten haben sie einfach nicht in Ruhe gelassen. Genau in diesem Modus sind jetzt auch Good Riddance unterwegs: „Before The World Caves In“ klingt keine Sekunde nach ausgelassener Comeback-Party, sondern nach einem klaren „Jetzt reicht’s“. Und das ist bei ihnen kein neuer Ton, sondern seit jeher der Motor dieser Band.
Bei Good Riddance ging es immer um Haltung. Um kaputte Systeme, um Macht und Profit. Und um die Frage, wie man in all dem Mist trotzdem irgendwie anständig bleibt. Dieses Spannungsfeld zieht sich auch diesmal durch die Platte. Da stehen Protestsongs wie „No More System To Believe In“ und „Posse Comitatus“ neben deutlich persönlicheren Momenten (z. B. „Drive Faster“).
Good Riddance bleiben sich treu
Good Riddance machen 2026 keine großen Experimente. Und das müssen sie auch nicht. „Before The World Caves In“ ist klassischer Good-Riddance-Stoff: stringenter Melodic Hardcore/Skatepunk, irgendwo zwischen Bad Religion’schem Drive, NOFX-Rotz und Propagandhi-Wut.
Gitarren und Drums schieben nach vorne, die Riffs sitzen, der Sound ist schön griffig. Und durch die Songs zieht sich diese melodische Ader, die aus Wut Hymnen machen kann.
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Russ Rankins raue, fordernde Stimme ist dabei wieder der große Wiedererkennungswert. Sie transportiert perfekt, dass die Band nicht einfach nur wütend ist, sondern wirklich etwas zu sagen hat.
Auch produktionstechnisch sitzt das Ding: schön rough, aber trotzdem so klar, dass Gitarren und Drums richtig reinhauen – ohne jemals matschig zu werden.
Dynamik statt Dauerfeuer
Was der Platte zusätzlich gut tut: Good Riddance arbeiten stärker mit Kontrasten, statt einfach nur durchgehend Vollgas zu fahren. „Posse Comitatus“ wuchtet im Midtempo nach vorne, schleppt sich eindringlich durch den Raum und lässt die Drums richtig knallen. Der Song muss nicht schneller werden, um schwer zu wirken.
Und genau deshalb ballert „Devoid Of Faith“ danach umso mehr, wenn es wieder in schnelles, punkiges Voranpreschen kippt. Diese Wechsel halten das Album frisch, weil Druck hier nicht nur über Tempo entsteht.
Der Hit ist nicht der Song, der Hit ist die Platte
Good Riddance waren nie die Band, die eine Riesen-Single nach der anderen raushaut. Die Stärke war immer eher das Album als geschlossenes Ding, das auf Länge trägt, weil Haltung und Handschrift stimmen. Das ist hier nicht anders.
Trotzdem stechen ein paar Momente heraus. Der Opener „There’s Still Tonight“ ist etwa genau der Startschuss, den so eine Platte braucht: melodisch, mitreißend, prescht sauber voran und macht direkt klar, dass hier keine halben Sachen kommen.
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Und „Drive Faster“ ist melodisch und vom Songwriting her der hitträchtigste Moment des Albums: sehnsüchtig, melancholisch, eingängig. Russ Rankin & Co. finden hier genau die richtigen Akkorde für die in den Lyrics verarbeitete nostalgische Erinnerung an die Unschuld und die vermeintliche Unverwundbarkeit der Jugend. Damals, bevor alles schwerer wurde.
Foto: Offizielles Pressebild / Alan Snodgrass
Before The World Caves In
Künstler: Good Riddance
Erscheinungsdatum: 27.03.2026
Genre: Melodic Hardcore
Label: Fat Wreck Chords
Medium: Streaming, CD, etc
- There's Still Tonight
- In Pieces
- Poverty Of Language
- No More System To Believe In
- All Just Rain
- To Suffer Is The Name
- Green Fields
- Posse Comitatus
- Devoid of Faith
- Drive Faster
- Thoughts Words Scars
- No Imperfect Way
- What Kind Of Day Has It Been
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