Immer gut gelaunt und stets mit einem Lächeln auf den Lippen nimmt sich Sporty-Spice-Energiebündel Cassy, neben ihren Jobs als Pilates- und Jumping-Fitnesstrainerin, gerne auch Zeit für eine ausführliche Albumrezension. Wenn sie sich dann doch mal etwas Zeit für sich freischaufelt, kümmert sie sich liebevoll um ihre Kollektion seltener Pflanzen, macht es sich für `nen Star Trek Marathon (kein Star Wars!) vor dem Fernseher bequem oder recherchiert für themenbezogene MoreCore-Beiträge. Ihr bereicherndes Talent zum „Labern“ nennen einige „angenehm grenzüberschreitend“, wir nennen es lieber „Potential für gute Interviews“. Festivalbesuche stehen natürlich auch regelmäßig auf dem Plan, bevorzugt die Kleineren. So oder so - die spannenden Livereviews lassen jedenfalls nicht lange auf sich warten.
Letzter Aufruf für Fans des texanischen Hard- und Metalcores, sich zum Dienst zu melden, denn: Die „Supreme Ruler“, Kublai Khan TX, sind zurück, um uns ihr neuestes Werk „Exhibition Of Prowess“ um die Ohren zu fetzen. Eine Platte, die insgesamt vielsagend kurz und knackig ist und damit einen deutlichen Umschwung markiert.
Zimperlichkeit war noch nie das Stundengebot der Band – weder zum Debüt auf „Normad“ in 2017, noch auf dem Nachfolgerwerk „Absolute“ in 2019. Selten beherrscht ein Sänger sein Handwerk so gut, dass es bei diesem Bereich allein nicht bleibt. Matt Honeycutt ist mit einer durch ihre Dominanz herausragenden Stimmgewalt gesegnet, bei der man schon fast nicht anders kann, als unter devoter Haltung seinen Ansagen unverzüglich Folge zu leisten.
Kublai Khan TX im Kampfmodus
Mit der Stimme eines Leaders und im instrumentellen Gewand durch das Zutun von Noah Ashley an der Gitarre, Eric English am Bass und Isaac Lamb am Schlagzeug, präsentieren Kublai Khan TX sich (oder die historische Figur) von Beginn ihrer Platte an als unbesiegbare, unbezwingbare Kämpfer – die „obersten Herrscher“. „Supreme Ruler“ bringt als Opener ansonsten alles mit, was man sich nur wünscht – z.B. einen epischen Prolog, der unter maximaler Spannung unsere Schläfen zum Pochen bringt:
„When you depart this place, what do you hope to leave?
Who’s gonna carry your body, your legacy, your dynasty?
The word Khan in the English language translates to
– King!
Damit startet der Longplayer nicht mit einem Intro, sondern gleich mit einem vollwertigen Track, der auf seine 53 Sekunden betrachtet einem einzigen Breakdown gleicht. Und seien wir mal ehrlich: Wir haben sicherlich nichts anderes von den vier Rückkehrern erwartet! Der erste stabile Eindruck, zusammengefasst mit nur drei Wörtern: Quick and dirty!
“Exhibition Of Prowess”: “Quick and dirty“
Kublai Khan TX sind Profis, wenn es darum geht, das Simple mit dem Funktionalen zusammenzubringen. Heißt im Klartext: Brutalität ohne Umwege. Damit sind z.B. die harten, „chuggy“ Riffs zu den zeitweise geradlinigen Rhythmen gemeint, die im Gesamtpaket von Fans liebevoll als „Unga-Bunga-“ oder „Caveman-Core“ („Höhlenmensch-Core“) bezeichnet werden. Wenn man es genau nimmt, dann ist da tatsächlich etwas Wahres dran. Dank der Breakdown-Jagd und der gebieterischen Energie Honeycutts u.a. in „Theory Of Mind“ und „Low Tech“, werden insbesondere Hardcore-Stimuli direkt freigesetzt und – wer weiß – locker der ein oder andere tiefe Urinstinkt in uns geweckt.
Genrezuschreibungen sind ja immer so eine Sache. Bei KKTX ist sie nicht weniger einfach. Während „Absolute“ gerne irgendwo zwischen Metal(-core) und Hardcore mit diversen Einflüssen verortet wird, positionieren sich die Künstler mit ihrem Drittlingswerk deutlicher als zuvor. Einerseits findet man auf “Exhibition Of Prowess” immer noch metallisch geprägtere Titel wie „972“ oder „A Hopeless Fate“, dem fetzigen Feature-Showdown mit Hatebreed-Fronter Jamey Jasta – einer der stärksten Tracks der Platte.
Mit an Bord: Jamey Jasta von Hatebreed
Andererseits ist der Wille, sich stilistisch mehr dem Hardcore zuzuwenden, nicht zu überhören. Neben den oben genannten Single-Auskopplungen „Theory Of Mind“, „Low Tech“ schlagen ebenso die „Shorties“ „Supreme Ruler“, „Antpile 2“ und mit dem Callout „Straight Fucking Edge“ im Statement-Track „X“ in dieselbe Kerbe. Hemmungsloser Hardcore in unter einer Minute garantiert!
Doch Kublai Khan TX wären nicht KKTX, wenn sie nicht ihr eigenes, rundes Ding daraus machen würden. Heavy Hardcore vom Feinsten hören wir in „Darwinism“, ein mit Riffs ausgestatteter Output, die aggressiver als jeder Wespenschwarm in unseren Ohren bohren. Nicht weniger angriffslustig geht es in „Cannibal“ weiter, bei dem sich Throwdown-Vocalist Dave Peters zum Besten gibt und auch vor einem Two-Step-Part nicht Halt gemacht wird. Einen langsameren Two-Step sowie ein bedrohliches Bass-Solo, hält „Mud“ für uns bereit – ein Song, bei dem wir uns am liebsten in den nächsten „Matsch“-Pit stürzen würden.
Zu guter Letzt kann man festhalten, dass dieser Finisher völlig unerwartet kommt! Wer hätte gedacht, dass „Antpile“ ganze sieben Jahre später in Form von „Antpile 2“ ein Revival erlebt, und zwar mit Pinch Harmonics, die die Dagewesenen noch übertreffen?
Foto: Brad Wyllner / Offizielles Pressebild
Fazit
Kublai Khan TX haben mit „Exhibition of Prowess“ zwei Seiten ein und derselben Medaille vorzuzeigen: Als Minimalisten ihres Gebiets lautet ihr Lösungsansatz, einfache Rhythmen und simple Riffs anzubieten, und dem instinktiven „Caveman-Flow“ seinen freien Lauf zu lassen. Durch die einseitigen Riffs im Midtempo büßt die Band jedoch am Groove ihrer Vorgängerplatte ein. Wer sich auf den oben beschriebenen Flow einlassen kann, wird sicherlich mit (kürzeren) Glücksmomenten belohnt werden.

▶Tracklist 10 Songs
- 1Supreme Ruler
- 2Darwinism
- 3Cannibal feat. Dave Peters (Throwdown)
- 4X
- 5Theory Of Mind
- 6Mud
- 7972
- 8Low Tech
- 9A Hopeless Fate feat. Jamey Jasta (Hatebreed)
- 10Antpile 2

