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girlfriends - There Goes The Neighborhood
ReviewPop-Punk

girlfriends

There Goes The Neighborhood

Album

VÖ 24. Oktober 2025Big Noise Music Groupdigital · cd · vinyl
Tobias Tißen/19. Oktober 2025
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T

Tobias Tißen


Tiefster Herbst in Deutschland. Draußen nass, kalt, windig. Drinnen ist die Heizung auf 6 gedreht. Sommersonne, die selbst durch die dunkel getönte Ray-Ban Wayfarer noch in den Augen beißt und die Haut angenehm brutzeln lässt – nur noch eine verblassende Erinnerung.

Da kommt „There Goes The Neighborhood“ von girlfriends gerade recht: eine bitter nötige Dosis Vitamin D in Albumlänge, die jede Spätjahrestristesse kurz vergessen lässt und – zumindest gedanklich – in die wärmende Sonne Kaliforniens entführt.

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Und nicht nur dorthin, sondern auch in einfachere, längst nostalgisch verklärte Zeiten. Ex-Rapper und Entertainer Travis Mills und Goldfinger-Drummer Nick Gross haben das auf ihrem dritten Album zum Konzept erhoben: durch und durch positive Vibes, Reminiszenzen an ihre Jugendzeit, viel Energie und Tempo, dazu Melodien und Hooks, zu denen man sofort auf dem Skateboard die Nachbarschaft unsicher machen möchte (im Zweifel vom eigenen Sofa aus in „Tony Hawk’s Pro Skater“).

girlfriends laden zum Westküsten-Roadtrip

„THE NEIGHBORHOOD“ lässt als kurzes, stimmungssetzendes Intro den Motor an, kurbelt die Fenster runter – bevor wir mit „BETTER THAN EVER“ und „GHOST“ zum Westküsten-Roadtrip starten.

Letzteres beginnt zart, wird dann von Drums und Gitarren nach vorn gepeitscht und schreit nach melodischem 90er-Skate-Punk, klingt in der Produktion aber maximal nach 2025. Produzent John Feldmann (Blink-182, Avril Lavigne, Mod Sun etc.) legt seine bewährte Schablone auf: Drums groß in den Raum, Gitarren breit, Vocals poppig nach vorn – die Hooks müssen knallen! Das sorgt für Klarheit und Radiotauglichkeit, bügelt aber Ecken und Kanten weg.

Songwriterisch fahren girlfriends bewusst die Reduktion. Selten über drei Minuten, Prio auf den Chorus, oft derselbe dramaturgische Bogen: Strophe baut Spannung auf, Pre-Chorus zieht weiter an, Refrain liefert den Befreiungsschlag; Bridge nimmt vor dem letzten Drittel Tempo raus, damit der letzte Chorus das ganze Feuerwerk zünden kann. Das ist wirkungsvoll, nutzt sich auf Albumlänge aber irgendwann ab, verliert dadurch etwas an Punch.

Spätestens nach den ersten beiden richtigen Songs ist so aber schon klar, was die 16 Tracks (inkl. Intro/Interlude) der dritten girlfriends-Platte bieten: ein Pop-Punk-Baby von „Enema of the State“ und „Tickets To My Downfall“.

Back to 1999

So richtig los legt „There Goes The Neighborhood“ aber erst mit „1999“. Mills und Gross ziehen den Nostalgie-Vorhang ganz weit auf: Midtempo, warme Gitarren, eine Hook, die sich fies ins Ohrwurm-Zentrum dreht, retrospektive Lyrics wie „back when things were better“ – immer knapp an der Kitschgrenze vorbei.

Der Track steht stellvertretend fürs Album: Die Lyrics spiegeln Sehnsucht nach einfacheren Zeiten, ohne jemals in Schwermut zu versinken – musikalisch geht es optimistisch und voller Energie nach vorn.

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„LANDSLIDE“ drückt das Gaspedal danach erstmals komplett durch: Die Strophen bauen unbändige Energie auf, die sich im Refrain mit einem gezielten Tritt auf die Bremse entlädt, bevor Gross die Nummer mit seinen Drums wieder brutal nach vorne reißt. Eine verzerrte Violine – Yellowcard lassen grüßen – leitet ins super-eingängige „Oh-Oh-Oh“-Finale.

Die Hook bleibt, auch weil „LINOLEUM“ sie nicht noch vertreibt: gleiche Zutaten, guter Fluss, aber zu wenig Alleinstellung zwischen „LANDSLIDE“ und „GOOD LUCK (feat. Goldfinger)“.

John Feldmann gibt sich am Mikro die Ehre

„GOOD LUCK“ zeigt die bisher härteste Kante: sägende Riffs, Produzent und Goldfinger-Frontmann John Feldmanns raue Stimme als Gegengewicht zu Travis Mills‘ poptauglicheren Organ, Gang-Shouts im Refrain – zwei Minuten pure Energie.

„GARBAGE“ hält das Tempo und kanalisiert lyrischen Frust in einen Refrain, der sich mit „Throw my heart in the garbage“ einbrennt; kurz vor Schluss fällt alles zusammen, um maximal zu explodieren – ein Muster, das girlfriends schon jetzt etwas überstrapazieren, hier aber genau trifft.

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Die Sonne verschwindet hinter den Hügeln von L.A.

Nach dem Interlude bricht die Dämmerung über Los Angeles herein. „MIDNIGHT AT THE CHATEAU“ (eine Anspielung an das legendäre Promi-Hotel Chateau Marmont in Hollywood) setzt auf hymnisches Midtempo mit elektronischen Einsprengseln, auf Atmosphäre statt Adrenalin.

„PATHETIC“ drosselt weiter: eine klassische Pop-Punk-Ballade, die so auch 2003 hätte entstehen können – Akustikgitarre, vorsichtige Drums, unspektakulär im besten Sinne. Genau solche Atmungsmomente braucht ein Album, das ansonsten mit denselben, sehr effektiven Werkzeugen arbeitet: Sie sorgen dafür, dass die großen Refrains später wieder richtig knallen.

Mit „WEST COAST“ und „SUGAR IN THE GAS TANK“ (feat. KennyHoopla) geht es danach nämlich wieder zurück in die gewohnte Fahrbahn. Vor allem „WEST COAST“ überzeugt als Ode an die US-Westküste: „California dreamin’ of a place that never rains // One day I’m gonna die on the West Coast.“ Drums schieben, Gitarren tragen Melancholie in sich, der Refrain ist weit und poppig-süß, ohne zu kitschig zu sein; im letzten Drittel das bewährte Rausnehmen mit anschließender ekstatischer Entladung.

Finale mit Springsteen, Sum 41 und RATM

„SUNSET BLVD.“ stützt die Platte als weiterer sehnsüchtiger Midtempo-Pfeiler („Take me back to Sunset Boulevard“), fängt den späten-90er/frühen-2000er-Geist sauber ein, in der Hook schimmert kurz Springsteens „Dancing In The Dark“ durch.

Der größte Trumpf der zweiten Hälfte ist aber „MOUTH LIKE A LOADED GUN“ – im Herzen Pop-Punk, aber mit Fast-Metal-Riffs im Rücken. Parallelen zu „Chuck“-Ära-Sum-41 sind erkennbar, zum Finale grooven sogar Rage-Against-The-Machine-Vibes rein. Genau die Kante, die dem sonst etwas gleichförmigen Albumkörper bisher gefehlt hat.

Danach das letzte Aufheulen des Motors: Der abschließende Titelsong biegt als sehnsüchtige, nostalgische Zusammenfassung („I’d go back if I could“) der vorherigen 15 Tracks auf die Zielgerade ein.

Foto: girlfriends / Offizielles Pressebild

Fazit

8/10
· Sehr stark

Ein Album wie ein Heizstrahler im kalten deutschen Winter: girlfriends liefern 16 sonnendurchflutete, vor Nostalgie triefende Pop-Punk-Tracks; kompakt geschrieben, voller sich einprägender „Woah“- und „Oh-Oh-Oh“-Momente. Die oft gleiche Dramaturgie im Songwriting wirkt auf Albumlänge etwas repetitiv, doch die Songs sind knackig genug und die Peaks hoch: „1999“, „LANDSLIDE“, „GOOD LUCK“, „WEST COAST“, „MOUTH LIKE A LOADED GUN“. Etwas kürzer und „There Goes The Neighborhood“ wäre ein absolutes Brett. So bleibt ein sehr gutes Feel-Good-Album mit Garantie auf Fernweh und wohlig-warme Nostalgiegefühle.

girlfriends - There Goes The Neighborhood

girlfriends

There Goes The Neighborhood

Album

VÖ 24. Oktober 2025

digital · cd · vinyl

Big Noise Music Group

▶Tracklist 16 Songs
  1. 1THE NEIGHBORHOOD
  2. 2BETTER THAN EVER
  3. 3GHOST
  4. 41999
  5. 5LANDSLIDE
  6. 6LINOLEUM
  7. 7GOOD LUCK (feat. Goldfinger)
  8. 8GARBAGE
  9. 9INTERLUDE
  10. 10MIDNIGHT AT THE CHATEAU
  11. 11PATHETIC
  12. 12WEST COAST
  13. 13SUGAR IN THE GAS TANK (feat. KennyHoopla)
  14. 14SUNSET BLVD.
  15. 15MOUTH LIKE A LOADED GUN
  16. 16THERE GOES THE NEIGHBORHOOD
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SpotifyApple MusicYouTubeDeezerTidal
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Foto: girlfriends / YouTube: '"California" (Official Music Video)'

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Bild: girlfriends / YouTube: '"California" (Official Music Video)'

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