
Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
Superheaven sind wirklich ein Phänomen für sich. Die aus Pennsylvania stammende Band hat in ihrer 17-jährigen Karriere von Namensänderungen über ausgedehnte Pausen bis hin zum Revival ihrer Musik auf TikTok schon so Einiges erlebt. Interessant ist zudem, wie sie vom reinen Soundbild her eigentlich dem geneigten Breaking Benjamin– oder Seether-Fan gefallen sollten, aber doch irgendwie mehr in der Emo- und Punk-Bubble stattfinden. Nicht umsonst wird das Quartett eher im Kontext von Basement und Title Fight genannt und headlined in diesem Sommer das Outbreak Fest in Manchester. Dort werden sie mit Sicherheit einige Songs ihrer neuen Platte zum Besten geben.
Mit “Superheaven” zelebrieren Superheaven, dass sie nach ihrer durchwachsenen Vergangenheit neue Kraft gewonnen haben. Somit stellen sie sich aber auch einer der größten Herausforderungen, der man sich als Band stellen kann: Dem Releasen nach einer langen Releasepause. Allen voran aufgrund des Kultstatus, den Platten wie “Jar” (2013) auch durch das bereits angesprochene Social Media-Revival erlangt haben, gestaltet es sich nochmal schwerer, mit der eigenen Vergangenheit Tritt zu halten. Die Grunge-Rocker gehen in diesem Zuge kaum Risiken ein und treiben sich über die zehn Songs weitestgehend in gewohntem Terrain herum.
Superheaven liefern eindringliche Melodien
Dabei könnte man Superheaven zwar vorwerfen, dass sie nicht viel Neues bieten – wenn ihnen die Songs nicht so gut gelungen wären. Allen voran die starken Vorabsingles haben bereits gezeigt, dass die Band noch lange nicht müde ist, ihren Sound auszuschöpfen. Vielleicht weil sie auch erst auf zwei und eben nicht auf zehn Vorgängeralben zurückblicken können. “Stare At The Void” und “Cruel Times” bestechen durch ihre starke Melodieführung, während “Long Gone” rund um ein hypnotisches Riff gebaut ist, das in den Strophen vom Bass aufgegriffen wird. Die roughe und ungeschliffene Produktion rundet den erdigen Charakter der Songs passend ab.
Instagram Post
“Hot Head” und “Conflicted Mind” bilden als punkigster und atmosphärischster Song ein interessantes Doppelpack in der Mitte der Platte. Letzterer hebt sich vor allem durch ein langes Intro und starke The Cure-Vibes sehr gezielt von der restlichen Tracklist ab. Auch das abschließende “The Curtain” schlägt in eine ähnliche Kerbe. Superheaven schaffen es dadurch im hinteren Drittel nochmal aufhorchen zu lassen und so über die Momente hinwegzuhelfen, in denen sie sich doch ein Stück weit wiederholen. Für Fans der Band oder ihres Grunge/90s Alternative-Sounds dürfte das aber zu keiner Sekunde zum Problem werden. Da kann auch das etwas zu cheesy geratene “Sound of Goodbyes” nichts dran rütteln.
Foto: Vincent Guglielmo / Offizielles Pressebild
Fazit
Superheaven sind zurück und bringen uns mit ihrer selbstbetitelten Platte zum ersten Mal seit geschlagenen zehn Jahren wieder neue Musik. Darauf gehen sie weitestgehend auf Nummer sicher und treiben sich gemütlich in ihrer Komfortzone zwischen Grunge und 90s Alternative herum. Trotz aller Gewöhnlichkeiten decken sie dabei einen großen Dynamikbereich ab und schaffen es immer wieder, mit der besonderen Stimmung ihrer Songs zu überzeugen. Allen voran die herausragenden Singles zeigen, dass gutes Songwriting manchmal doch mehr wert sein kann als klangliche Erweiterung.

▶Tracklist 10 Songs
- 1Humans for Toys
- 2Numb To What Is Real
- 3Cruel Times
- 4Sounds Of Goodbyes
- 5Long Gone
- 6Hothead
- 7Conflicted Mood
- 8Stare At The Void
- 9Next Time
- 10The Curtain