Kevin stellt den nördlichen Teil von MoreCore dar. Seitdem er zum Team gestoßen ist, ist er fester Teil der Redaktion und wird liebevoll "Redaktionsrambo" genannt, da er einfach überall am Start ist. Seien es Reviews, Konzert-Berichte, Interviews oder Unterstützung im MoreCore.TV Team, Kevin ist gerne dabei. Ursprünglich im Hardcore und Punkrock zu Hause, interessiert er sich für die unterschiedlichsten Genre und entdeckt gerne neue Künstler. Wenn es für MoreCore gerade einmal nichts zu tippen gibt, nimmt er auch selbst die Gitarre in die Hand und schrammelt etwas vor sich hin. Neben der Musik, Festivals und Konzerten begeistert Kevin sich für American Football und schlägt sich dafür mit Freude die ein oder andere Nacht um die Ohren.
Musik als Ventil der eigenen Dämonen. Nicht wenige Musiker*innen nutzen ihre Kunst als Kanal für ihre Emotionen und Erfahrungen. Wenige gehen dabei so weit wie Caleb Shomo von Beartooth. Mit ihrem neuen Album „Below“ nimmt die US-Band ihre Fans mit in die Tiefen der Gedankenwelt ihres Frontmannes und kreativen Kpfes. Was es dort zu hören gibt, haben wir vorab schon einmal sichten können.
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Das Album, welches Frontmann Shomo größtenteils während der vergangenen Tour schrieb und vorproduzierte, beinhaltet 12 Tracks. Vorab kann gesagt werden, dass der grundsätzliche Stil, für den die Band steht, nicht verloren gegangen ist. Ganz im Gegenteil. Es scheint so, als hätten die Jungs ihr Repertoire noch einmal geschliffen und zugespitzt.
Gleich beim ersten Song der neuen Scheibe „Below“ entsteht durch die anfänglichen Rückkopplungsgeräusche ein kurzes Live-Feeling. Die einsetzende Bass-Drum, aggressive Vocals, ab der ersten Sekunde zieht die Band ihre Fans in die musikalische Tiefe. Den stampfenden und rohen Strophen steht ein eher melodisch gehaltener, hymnenartiger Refrain gegenüber, der ins Ohr geht und definitiv zum Mitsingen einlädt.
Die Handschrift, die sich auch auf vergangenen Alben gezeigt hat, wird definitiv fortgeführt. Ein Stück, welches in eine ähnliche Richtung geht, ist der bereits veröffentlichte Tack „Fed Up“. Hier fallen darüber hinaus die stark verzerrten Gitarren auf, die an der ein oder anderen Stelle einen überproduzierten Charakter besitzen und nicht allen gefallen dürften.
Beartooth bleiben ihrer Linie treu…
Um eine gewisse Abwechslung zu bieten, gibt es auf „Below“ Tracks, die zusätzlich zu ihrer Härte das Tempo noch einmal ordentlich anziehen. „Devastation“ schlägt definitiv in diese Kerbe und veranschaulicht darüber hinaus die düsteren auslaugenden Zustände, in denen sich Shomo zwischenzeitlich befand.
Der Sound von „Hell Of It“ kommt dem Ganzen sehr nahe und auch der Track „Dominate“ greift diesen Stil auf. Letzterer unterscheidet sich allerdings in gewisser Hinsicht. Die Verwendung der Right-Becken-Schläge erschaffen einen industriell klingenden Sound, der sich abhebt. Darüber hinaus lockern die Double-Bass-Passagen den Song noch einmal auf und versprühen – natürlich überspitzt – fast schon Black Metal-Gedanken.
Nichtsdestotrotz dürfte besonders Fans der vergangenen Alben auffallen, dass das Stück sehr nah an den Song „Enemy“ vom Album „Disease“, oder auch an „Body Bag“, welches sich auf „Disgusting“ wiederfindet, herankommt.
…und vergessen dabei vielleicht die Vielfalt?
Es gibt dann doch noch den Versuch, der Härte und der gewohnten „Beartooth-Formel“ zu entfliehen und „Below“ eine gewisse Varianz zu verleihen. „The Past Is Dead“ besitzt einen etwas poppigeren Grundton und steigert dadurch noch einmal seinen Ohrwurm-Charakter.
Ähnlich verhält es sich mit „Skin“, einem Song, der die Höhrerschaft durchatmen lässt. Auf dieses Durchatmen musste relativ lange gewartet werden, denn der Song, der mit cleanen, melodischen Vocals auffährt, findet erst nach 2/3 des Albums Gehör.
Die Diskrepanz zwischen dem leichten Sound und dem Unwohlsein, welches in den Lyrics beschrieben wird, stellt darüber hinaus einen Kontrast dar. Dieser fällt beim Hören nicht sonderlich auf und bereichert den Song darüber hinaus.
„No Return“ hat darüber hinaus das Potenzial, die Rock-Radiosender der Welt zu erobern. Die Nummer ist so eingängig und gleichzeitig definitiv für die breite Masse konsumierbar, dass man dieses Stück vielleicht auch im Radio hören könnte.
Der Breakdown in der Mitte des Songs wirkt dabei so geschrieben, dass er theoretisch sogar aus dem Stück geschnitten werden könnte, wie dies bei Radioversionen ja auch häufiger der Fall ist.
Das Ende bleibt offen
„Below“ von Beartooth endet mit dem Stück „The Last Riff“. Ein instrumentaler Track, der in musikalischer Art und Weise noch einmal die Gefühlslage von Caleb Shomo in der vergangenen Zeit resümiert.
Dabei schwankt der Song zwischen Lautstärke und Ruhe, zwischen Dissonanz und Harmonie und klingt am Ende einfach aus.
Somit wird klar, dass dies mit hoher Wahrscheinlichkeit sicherlich noch lange nicht das letzte Riff war, welches aus dem Hause Beartooth gekommen ist.
Foto: Johann Ramos / Offizielles Pressebild
Fazit
Mit „Below“ schaffen es Beartooth, ihre Song-Formel zu perfektionieren. Die Tracks gehen nach vorne, sind hart und helfen Frontmann Shomo dabei, seine inneren Dämonen zu bekämpfen. Insgesamt wirkt die Spannweite an Variabilität aber deutlich begrenzter, als es auf vergangenen Alben der Fall war. Hier wünscht man sich an der ein oder anderen Stelle den kreativen Ausbruch in andere Richtungen. Fans der Band werden mit „Below“ definitiv ihre Freude haben und solange die Musik dazu beiträgt, dass die Musiker ihre inneren Kämpfe verarbeiten und gewinnen, sollten alle Hörer*innen zufrieden gestellt sein.

▶Tracklist 12 Songs
- 1Below
- 2Devastation
- 3The Past Is Dead
- 4Fed Up
- 5Dominate
- 6No Return
- 7Phantom Pain
- 8Skin
- 9Hell Of It
- 10I Won’t Give It Up
- 11The Answer
- 12The Last Riff


