
Mauritz Hagemann
Ob female fronted als eigenes Genre durchgeht, ist bekanntlich mehr als umstritten. Zwar würde man auf diese Art und Weise die nach wie vor bestehende Unterrepräsentation von Frauen in der Rockmusik hervorheben. Allerdings reduziert man so auch sehr leicht Frauen auf das Geschlecht, ohne die musikalische Relevanz zu berücksichtigen. Wie dem auch sei – Fakt ist, dass die Genderfrage in den letzten Jahren endlich auch in der Rockmusik angekommen ist. Gut für den gesellschaftlichen Diskurs, aber auch gut für die Qualität der heimischen Musikszene. HIMITZU haben sich vor etwa fünf Jahren im Großraum Düsseldorf gegründet und ist eine Band, die keineswegs nur auf den Zug aufspringen, sondern eigenständig Fußspuren hinterlassen will. Mit „EXHALE THE PAST // INHALE THE FUTURE“ erscheint jetzt das Debütalbum der Band. Und wie der Titel schon erkennen lässt, ist das Release für die Band ein guter Punkt, um auf die ersten Jahre als Band zurückzublicken und den Blick gleichzeitig schon einmal in die Zukunft zu werfen.
HIMITZU setzen nach fünf Jahren ein Statement
Das neun Tracks starke Album ist dann auch vor allem eine Rückschau auf die ersten Songs der Band, denn zwei Drittel der Tracklist ist bereits veröffentlicht worden. Daraus machen HIMITZU aber auch kein großes Geheimnis. Zum einen geht es der Band gerade darum, den Status Quo festzuhalten und zum anderen machen es deutlich größere Bands inzwischen auch beim zweiten, dritten und vierten Album nicht anders.
Starke Singles prägen den Beginn
Mit „Little Girl“ startet das Album ohne großes Vorgeplänkel. HIMITZU, die sich selbst irgendwo zwischen Dark Pop und Alternative Rock einordnen, haben elektronische Elemente schon von Beginn an als festen Bestandteil in ihre Songs eingebaut. Das hat hin und wieder – auch auf dieser Platte – den Nachteil, dass Songs ein wenig zu stark an Dynamik verlieren. Im Opener kommt aber gerade der Chorus sehr erfrischend daher, während die Bridge stimmlich gerne noch etwas mehr Power hätte erhalten können.
„Predator“ ist der – laut Spotify-Statistiken – derzeit erfolgreichste Song der Band. Das wird vor allem an dem überaus eingängigen Chorus liegen – einmal drin, will er nicht mehr raus aus dem Gehörgang. Hier zeigt sich neben der immer wieder sichtbaren Qualität für Hooklines aber auch, wie akribisch HIMITZU gerade in der Produktion vorgehen. Die Gratwanderung zwischen Detailverliebtheit und Überproduktion meistert die Band bravourös. Das ist für ein Debütalbum alles andere als selbstverständlich.
Zwei neue Songs als gute Ergänzung
Die beiden bisher nicht veröffentlichten Songs „Siren“ und „Haunted“ können in Sachen Eingängigkeit nicht ganz mit den Tracks des ersten Albumdrittels mithalten. Das kann den insgesamt positiven Gesamteindruck aber kaum schmälern. Zu einem Album gehören eben auch diese Songs dazu. Keineswegs bloßes Füllmaterial, sondern ein Zeugnis dafür, dass HIMITZU schon in diesem recht frühen Bandstadium über ein umfangreiches und vielfältiges Repertoire verfügen.
Was zudem immer wieder positiv auffällt: Die kleine Details, die deutlich machen, mit welcher Akribie die Band unterwegs ist. Das umfasst sowohl einen Einspieler wie in „My Love“ als auch die künstlerische Gestaltung des Albums. Das Artwork hat wenig mit austauschbaren Grafiken, die wir alle schon hundertfach gesehen haben zu tun. Vielmehr ist es wie die Musik auf „EXHALE THE PAST // INHALE THE FUTURE“ handgemacht und sorgfältig durchdacht.
HIMITZU mit starkem Finale
Mit „Human 3RR0R“ gibt es dann im letzten Albumdrittel noch ein musikalisches Highlight. Unterstützt von The Narrator-Sänger Fabian Jochum geht es ziemlich düster zur Sache. Shout-Elemente vermisst man bei HIMITZU zwar eigentlich gar nicht. Als Feature-Part runden sie dieses Album aber ab. Außerdem sorgt das Feature im Song für die nötige Rausschmeißer-Qualität.
HIMITZU legen alles in allem ein für ein Debüt sehr reifes Album vor. Die Band weiß, was sie will und trägt diese Haltung auch mit dem nötigen Selbstbewusstsein nach außen. Bleibt zu hoffen, dass HIMITZU Widrigkeiten wie der kürzlich erfolgte Ausstieg von Gitarrist Olcay Soydan nicht umhauen werden. Denn hier kann noch etwas Großes entstehen.
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Foto: Maria Wippich / Offizielles Pressefoto
Fazit
HIMITZU geben uns auf „EXHALE THE PAST // INHALE THE FUTURE“ einen guten Einblick darin, wo die Band nach den ersten Jahren steht. Und so dürfen wir feststellen, dass HIMITZU sehr genau wissen, wie sie klingen und welche Haltung sie zeigen wollen. Gepaart mit einer akribischen Produktion beschert uns das ein in weiten Teilen sehr überzeugendes Debütalbum, das Lust auf Mehr macht.

▶Tracklist 9 Songs
- 1LITTLE GIRL
- 2PREDATOR
- 3GASOLINE
- 4SIREN
- 5HAUNTED
- 6NEVERMORE
- 7TREAT ME BAD (LIKE I'M NO ONE'S DAUGHTER)
- 8MY LOVE
- 9HUM4N 3RROR