Jakob ist einer dieser Partygäste, der sich immer wieder Musik von Bands wünscht, die niemand kennt. Dabei war er so penetrant, dass unser Mike irgendwann vor lauter Resignation sagte: "Dann leg´ doch selber auf!” Gesagt, getan. Seit 2017 ist Jakob fester Bestandteil des MoreCore Party DJ-Team und ebenfalls regelmäßig in unseren Party-Streams auf Twitch zu sehen. Zwischendurch lässt er sich aber auch mal in einer Rezension über die eine oder andere Platte aus. Abseits von MoreCore ist Jakob Angestellter seiner beiden Katzen und macht in seiner Freizeit gerne selber Musik.
Na, wer von euch glaubt daran, dass Freitag der 13. Unglück bringt? Ich nicht und die Jungs von Ocean Grove ganz offensichtlich auch nicht. Die haben nämlich an diesem Tag ihr neues Werk „Flip Phone Fantasy“ in den Ring geworfen und ich sage es direkt mal so: Ein Unglück ist diese Scheibe definitiv nicht!
Ocean Grove vereinen auf „Flip Phone Fantasy“ musikalisch Limp Bizkit und Nirvana
Die im Jahre 2010 gegründete Kombo aus Melbourne, Australien startet mit „SUPERSTAR“ ins Album. Der Song ist wie ein Cocktail aus Nu-Metal und Grunge. Ein bisschen wie Limp Bizkit mit einem Schuss Kurt Cobain. (*hust* Ein bisschen schwarzer Humor darf schon sein, oder?)
Mit „NEO“ kippen die Jungs dann noch etwas Punk und Trash in den Genre-Cocktail. Die Riffs werden härter, das Tempo treibender. In der Bridge und im Outro hat das Ganze dann jedoch einen psychedelischen Vibe, der sich noch durch das ganze Album ziehen wird.
Spätestens bei „SENSE AGAIN“ hätte den Jungs auffallen können, dass sie die ganze Zeit die Feststelltaste aktiviert hatte. Spaß beiseite, in Zeiten wo etwaige YouTube-Algorithmen nur noch auf Hype-Themen steil gehen, kann man auch mal ALLES GROSS schreiben. „SENSE AGAIN“ dagegen wäre auch klein geschrieben ein echt starker Song. Im Vergleich zu den beiden ersten Tracks ist dieser viel poppiger und HALT STOP! – bevor hier der nur Rock-hörende Konsument vom Wort „Pop“ dazu getriggert ist, diese Seite fluchtartig zu verlassen: Das bleibt alles so, wie die Gitarrenmusik hier ist! Nur die Melodien werden eingängiger. Der Chorus hat richtigen Ohrwurmcharakter und kann direkt beim ersten Hören mitgesummt werden.
„SUNNY“ reiht sich perfekt hinter „SENSE AGAIN“ ein. Als „SUNNY“ vor einiger Zeit als Single veröffentlicht wurde, stand für mich eigentlich schon fest, dass das Album richtiges Potential haben wird. Der perfekte Track, um mit dem Cabrio im Sommer mit Freunden an den Strand zu fahren. Dort angekommen für ein paar psychedelische Vibes zu sorgen und gemeinsam einen dieser „Beste Zeit meines Lebens“-Momente zu genießen.
„THOUSAND GOLDEN PEOPLE“ macht anschließend wieder die Kehrtwende und wäre damit eher der Song, den man hört, wenn man nach dem Strandtag feststellt, dass man im Parkverbot geparkt hat und nun eine Knöllchen an der Scheibe pappen hat. Agressiv, aufgebracht und im Chorus und der Bridge dann irgendwie schwer und fast etwas melancholisch und traurig.
Nun folgt „GUYS FROM THE GORD“ und ja, das ist doch gar kein Rock/Metal mehr!!11elf. Das stimmt. Zumindest wenn man Rock und Metal als alternative Genres, die nicht dem Mainstream folgen, größtenteils über das Instrumentale definiert. Doch dann vergisst man die Tatsache, dass alternative Genres häufig ein kritischer Gegenpol für den Mainstream sein wollen und oft das Ziel haben, etwas unbequem zu sein. Ähnlich ist es vielleicht mit diesem Song, der für den Rockhörer bestimmt erstmal unbequem ist. Nimmt man sich aber mal die drei Minuten Zeit und hört das ganze mit einem neutralen Ohr, so wird der ein oder andere sich bestimmt dabei erwischen, dass er doch mit Fuß wippt oder dem Kopf nickt.
Die beiden ruhigsten Songs sind anschließend „SHIMMER“ und „BABY COBRA“. „SHIMMER“ kann man dabei fast als eine Ballade bezeichnen. Der Songtext beschäftigt sich mit den schweren Momenten, in denen man mal eine starke Schulter braucht, an der man sich wieder hochziehen kann. „BABY COBRA“ wird hiernach noch ruhiger. Fast ausschließlich akustische Gitarre und Vocals mit einer Menge Reverb findet sich hier der zuvor angesprochene psychedelische Vibe in höchster Konzentration. Ein perfekter Soundtrack für die Stunde nach der Afterhour.
Von „ASK FOR THE ANTHEM“ wird man anschließend wieder mehr oder weniger sanft aus dem Delirium geweckt. Als der Song im Februar 2019 als Single veröffentlicht wurde, war bei mir eine Band mit dem Namen DON BROCO (DIESE FESTSTELLTASTE!!!) ganz weit oben auf der Favoritenliste und ist es bis heute. „ASK FOR THE ANTHEM“ hätte als Song auch definitiv aus der Feder von Don Broco sein können und hat mich damals total überrascht, jedoch nur im Positiven. Hatte ich Ocean Grove bis dahin eigentlich nur als modernere Nu-Metal Band abgespeichert, zeigte diese Single, dass in ihnen noch viel mehr Potential steckt.
„SWAY“ ist mehr ein Interlude als ein richtiger Song. Ein entspannter Hip-Hop Beat und sehr effektbehafteten Vocals halten aber die generelle Stimmung aufrecht und schaffen einen guten Übergang zum nächsten Song.
Denn dieser hat es in sich, hört auf den Name „JUNKIE$“ und ist wohl neben „SUNNY“ mein absolutes Highlight auf dem Album. Ich greife hier nochmal zu meinem Nu-Metal-Grunge Cocktail. Was „SUPERSTAR“ schon ausgezeichnet gemacht hat, macht „JUNKIE$“ einfach nochmal eine Schippe besser und funktioniert hier in Kombination einfach großartig. Grooviges Main-Riff, eindringliche Vocal-Lines und nicht zuletzt wirklich abwechslungsreicher Rap mit wirklich gutem Flow.
Der letzte Song des Albums heißt „FREAKS“ und ich bin mir sicher Ihr kennt das auch. Diese Gefühl, wenn man ein gutes Buch, eine gute Serie oder ein cooles Computerspiel fast durch hat und diese eine letzte epische Szene kommt, mit der alles ein Ende findet. Die alle losen Enden miteinander verbindet und den perfekten Abschluss bildet, der einem so einen Hauch Gänsehaut macht. Zugleich kommt in einem jedoch diese Leere auf, weil man weiß, dass es nun vorbei ist und man nicht weiß was danach kommt. Genau das macht „FREAKS“ auf diesem Album.
Ocean Grove haben mit „Flip Phone Fantasy“ eine riesige Entwicklung und einen großen Schritt gemacht. Musikalisch ist das Album sehr abwechslungsreich und doch ein in sich logisches Ganzes. Es ist diese Mischung aus simplen aber guten Riffs, abwechslungsreichen Vocals und Raps und dem psychedelischem Vibe. Es wirkt ein bisschen wie aus einer Zeit wo das Motorola RAZR als Flip Phone noch das neue Ding war, das jeder haben wollte. Nun sind wir mittlerweile im Jahr 2020 und wie der Zufall es will, scheinen Flip Phones ein Comeback zu feiern. Natürlich im neuen Gewand und mit einigen sinnvollen Innovationen. Also warum sollte nicht auch Nu-Metal und Grunge im neuen Gewand ein Comeback feiern? Dieses Album liefert dazu definitiv einen großen Beitrag. Zusammen mit dem visuellen Auftreten der Band kann das in Zukunft ein absolutes Riesenthema werden!
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Beitragsfoto im Auftrag von MoreCore.de: Karoline Schaefer (Cat Eye Photography)
Fazit
Für Leute die eher auf Core oder die härteren Genres fokussiert sind, wird das Album wohl nichts sein. Das will es aber auch nicht. Für Fans von Bands wie Fever 333, Don Broco oder auch der alten Nu-Metal Garde rund um Limp Bizkit, ist „Flip Phone Fantasy“ aber definitiv eine spannende moderne Interpretation von Nu-Metal, Grunge und einigen angrenzenden Genres. Ich finde es sogar so gut, dass ich das erste Mal darüber nachgedacht habe, für ein Album die volle Punktzahl zu vergeben. Das würde aber zugleich bedeuten, dass eine Band Ihren eigenen Hochpunkt erreicht hat, nachdem nichts „besseres“ mehr kommen kann. Ich glaube aber, dass bei Ocean Grove noch Luft nach oben ist. Ich bin mir sicher, dass die Jungs auch in Zukunft noch richtig starke Alben herausbringen werden. Daher lasse ich mir noch einen Hauch Platz auf meiner Skala.

▶Tracklist 12 Songs
- 1SUPERSTAR
- 2NEO
- 3SENSE AGAIN
- 4SUNNY
- 5THOUSAND GOLDEN PEOPLE
- 6GUYS FROM THE GORD
- 7SHIMMER
- 8BABY COBRA
- 9ASK FOR THE ANTHEM
- 10SWAY
- 11JUNKIE§
- 12FREAKS

