
Kevin stellt den nördlichen Teil von MoreCore dar. Seitdem er zum Team gestoßen ist, ist er fester Teil der Redaktion und wird liebevoll "Redaktionsrambo" genannt, da er einfach überall am Start ist. Seien es Reviews, Konzert-Berichte, Interviews oder Unterstützung im MoreCore.TV Team, Kevin ist gerne dabei. Ursprünglich im Hardcore und Punkrock zu Hause, interessiert er sich für die unterschiedlichsten Genre und entdeckt gerne neue Künstler. Wenn es für MoreCore gerade einmal nichts zu tippen gibt, nimmt er auch selbst die Gitarre in die Hand und schrammelt etwas vor sich hin. Neben der Musik, Festivals und Konzerten begeistert Kevin sich für American Football und schlägt sich dafür mit Freude die ein oder andere Nacht um die Ohren.
Wenn man gefragt wird, ob man die neue Platte einer Band wie Slime reviewen möchte, dann sagt man selbstverständlich nicht nein. Die Hamburger Punk-Band, die sich 1979 gründete, hat mit „Wem gehört die Angst“ ihr mittlerweile achtes Studioalbum veröffentlicht. Wir haben uns ganz genau angehört, was die Band um Sänger Dirk „Dicken“ Jora auf den 13 neuen Songs verarbeitet und geben euch Einblicke in das Werk.
Slime setzen auf „Wem gehört die Angst“ klare Zeichen
Das Album beginnt gleich mit dem gleichnamigen Titelsong, zu dem bereits ein Musikvideo veröffentlicht wurde. „Wem gehört die Angst“ klingt beim Einstieg zwar anfangs etwas arrhythmisch und holprig, nimmt im Anschluss aber deutlich an Fahrt auf. Das Hauptaugenmerk liegt spürbar auf den Texten und dem Gesang. Textlich geht es hauptsächlich um das Geschäft mit der Angst, um Kapitalismus, der Angst schürt, um Profit zu machen und um die Frage, ob man eigentlich noch Herr über seine eigene Angst ist. Musikalisch leitet die Band mit dem Song das gesamte Album ein.
„Wem gehört die Angst“ stellt einen tanzbaren Punk-Song mit Ohrwurmcharakter dar. Dass die Band weiß, wie man gute Ohrwürmer schreibt, beweist sie auch im Song „Die Suchenden“. Dieser Track ist im Off-Beat geschrieben und sticht daher auf dem Album heraus. Der Refrain wird durch den Background-Gesang unterstützt und erhält dadurch seinen Ohrwurmcharakter. Die zweite Stimme gibt dem gesamten Song eine neue Farbe, die sich beim Hören festsetzt.
Die Songs Nummer zwei und drei des Albums sollten zusammen behandelt werden, da sie zueinander gehören, auch wenn sie unterschiedlicher garnicht sein könnten. Mit „Paradies“ und „Hölle“ veröffentlicht die Band zwei Tracks, die zumindest thematisch in die gleiche Kerbe schlagen. Während „Paradies“ eher ein positiver Song ist, der die Jugendzeiten der Band behandelt und im Hintergrund mit Effekten wie Demonstrationsrufen und Helikoptergeräuschen auffährt, ist „Hölle“ deutlich düsterer angelegt, lädt im Refrain zum Pogo ein, bremst die Stimmung in den Strophen allerdings durch die Verwendung gezupfter Gitarren. Mit Parolen, wie „Die Hölle, das sind wir“ wird der Hörer und auch das Live-Publikum zum Mitsingen animiert.
Ein thematisches Feld darf selbstverständlich nicht fehlen, wenn es um ein Slime-Album geht. Die aktuelle politische Lage und generelle politische Strömungen werden in diversen Songs thematisiert. „Wenn wir wollen“ ist ein Protestsong, der aktuelle Geschehnisse, wie beispielsweise den Klimawandel, kommentiert und sich für das Anpacken und das Aktivwerden ausspricht. Dabei ist der Song musikalisch und textlich recht simpel strukturiert, wodurch er eine große Hörerschaft ansprechen dürfte. „Die Toten wollen wieder alleine sein“ behandelt darüber hinaus generell den Konservatismus und Rechtspopulismus, der sich unter anderem gegen offene Grenzen und die Aufnahme geflüchteter Personen ausspricht. Mit Zeilen, wie „lieber linksversifft als braunverstrahlt“ ist der Song zusätzlich sehr gut für das Mitsingen auf Konzerten konzipiert.
In eine ähnliche Richtung geht auch „Die Masse“, auch wenn der Song mit Zeilen wie „die Masse hat keine Klasse“ teilweise eher in ein Haus-Maus-Reimschema abdriftet und etwas abgedroschen klingt.
„Kein Mensch ist illegal“ macht das deutlich besser. Die Aussagen sind klar formuliert, kommen direkt beim Hörer an und die Wut, die in dem Song mitschwingt, ist sowohl authentisch als auch treffend. Sowohl das politische Feld als auch das gesamte Album wird mit dem Song „Solidarity“ abgeschlossen. Dieser ist sowohl der einzige englischsprachige sowie auch der einzige akustische Song des Albums. Mit einem folkigen Sound, der an Bands wie die Dropkick Murphys oder Flogging Molly erinnert, solidarisiert sich die Band mit Antifaschisten auf der ganzen Welt und hebt den Song durch die Verwendung der englischen Sprache auf ein internationales Level.
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Foto: Slime / Artwork zu „Wem gehört die Angst“
Fazit
Auch nach einer Bandhistorie, die sich mittlerweile über Dekaden zieht, sind Slime nach wie vor noch nicht verstummt oder kleinlaut geworden. „Wem gehört die Angst“ ist laut, direkt und gibt die Meinung der Band zu verschiedensten Themen wieder, dabei nimmt sich die Band allerdings zusätzlich die Zeit, um mit einem Funken Nostalgie auf die Vergangenheit zurückzublicken, nur um im nächsten Song gleich mit breiter Brust nach vorne zu gehen. Auch wenn die ein oder andere Stelle des Albums etwas hölzern oder plump klingen mag, so ist das Gesamtbild der Platte zufriedenstellend, macht von Beginn an Spaß und endet mit dem folkigen Song „Solidarity“ auf einem ungewohnten, frischen Ton. An der ein oder anderen Stelle würde man sich eventuell etwas mehr textliche Finesse wünschen, aber wäre das dann noch Punk-Rock?!

▶Tracklist 13 Songs
- 1Wem gehört die Angst
- 2Paradies
- 3Hölle
- 4Die Suchenden
- 5Wenn wir wollen
- 6Ebbe und Flut
- 7Die Toten wollen wieder alleine sein
- 8Weißer Abschaum
- 9Die Masse
- 10Fette Jahre
- 11Kein Mensch
- 12Odyssee
- 13Solidarity