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Benighted - Dogs Always Bite Harder Than Their Master
Review

Benighted

Dogs Always Bite Harder Than Their Master

EP

VÖ 12. Oktober 2018
Philip Linn/18. Oktober 2018
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P

Linn glänzt nicht nur mit seinem gekonnt-genervten Gesichtsausdruck, sondern auch mit seiner absolut überschwänglichen Art. Bei MoreCore steht er vor, neben und hinter der Kamera, haut von Zeit zu Zeit in die Tasten oder legt entspannt ein paar Nackenbrecher für den Hardfloor der MC-Party auf. Neben Job, Beruf und Arbeitswelt verliert "Philip" sich in seiner Freizeit in einem der unzähligen RPGs, die er bereits zum 20sten Mal durchgespielt hat, oder präsentiert stolz seine CD-, Kassetten- und Vinyl-Sammlung auf Social Media.


Fragt man normale Rock und Metal Fans nach der härtesten Band fallen schnell Namen wie zum Beispiel Cannibal Corpse, Thy Art Is Murder oder auch Meshuggah. Dass man aber auf die genannten Namen nochmal eine gute Schippe draufsetzen kann, beweisen aktuell vor allem Bands wie Aborted, Cattle Decapitation und Benighted. Sei es Brutalität, Tempo oder musikalisches Können. Gerade Vertreter des Genres Deathgrind reizen diese Aspekte immer weiter aus. Frei nach dem Motto “The Best of Both Worlds” werden hier das gnadenlose Tempo des Grindcores mit der technischen Raffinessen und den brutalen Texten des Death Metal kombiniert. Nachdem Aborted ihr neues Album “Terrorvision” am 21. September veröffentlichten, zogen ihre französischen Freunde Benighted mit “Dogs Bite Always Harder Than Their Master” am 12. Oktober nach.

Benighted pusten sofort durch den Gehörgang

Seit 1998 sind die fünf Franzosen um Sänger Julien Truchan in der europäischen Metalszene und wirbeln diese mit ihrer ruchlosen Brutalität ordentlich durch. Entstanden als Nebenprojekt von Mitglieder der Black- und Death-Metal Bands Dishumanized, Darkness Fire und Osgiliath, spielten sich Benighted mit ihren mächtigen Live-Shows in die Köpfe der Fans und wurden so schnell mehr als eine Nebensache. Angefangen mit dem Album “Psychose” im Jahre 2002 reizte die Truppe mit jedem Album die Grenzen der technischen Finesse mehr aus. Mit ihrem letzten Album “Necrobreed” besinnten sich Benighted wieder auf ihre Anfänge zurück, ohne dabei Brutalität zu verlieren. Nach 20 Jahren Bandgeschichte veröffentlichen die Franzosen nun ihre EP “Dogs Bite Always Harder Than Their Master” mit drei neuen Songs, sowie einem Cover der legendären At The Gates und sechs Live-Versionen ihrer bekanntesten Tracks. Zusätzlich gibt es interessante Featurings mit bekannten Musiker-Kollegen wie Sven Decaluwé (Aborted), Nikita Kamprad (Der Weg Einer Freiheit) oder Niklas Kvarforth (Shining). Ob sich Benighted mit ihrem neuesten Output im Arm der Fans festbeißen oder sich eher in der Handtasche versteckt, erfahrt ihr hier:

Der erste Ritt durch den 10 Song Extended Player lässt erstmal keinen Platz für Ruhe. Die drei neuen Songs setzen beim Stil von “Necrobreed” an und zeigen ein Maximum an Brutalität und Wahnsinn. Das Cover des At The Gates-Klassikers “Slaughter Of The Soul” bleibt dem Original überwiegend treu, wird aber hier und da durch Benighteds Stil verfeinert. Die 6 Live-Songs von ihrer Jubiläums-Show in Lyon fangen das Live Feeling wunderbar ein und überzeugen von den Qualitäten der fünf Franzosen. Drums und Gitarren schenken sich gegenseitig nichts und Sänger Julien zeigt im Studio, als auch Live wie vielseitig seine Stimme sein kann. Hinzu kommen die interessanten Gast-Sänger, die immer wieder Abwechslung in das instrumentale Gewitter bringen.

Der Opener “Teeth And Hatred” zieht uns sofort mit seinen Blast-Beats und dem schnellen Gitarren-Shreds ins Maul der Bestie. Sänger Julien wechselt spielend zwischen seinen keifenden Screams und gurgelnden Growls. Der zweieinhalb Minuten lange Track lässt kaum Zeit zum atmen. Die Rhythmus-Gitarren lockern das rasende Tempo immer wieder mit Palm-Mute-Akzenten auf, während die Lead-Gitarre im Hintergrund hallige 16tel Noten spielt und eine Art Melodie erahnen lässt. Trotzdem gibt es in bester Grindcore-Manier kein Halt vor der hohen Geschwindigkeit.

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Auch der nachfolgende Song “Martyr” reißt uns unermüdlich durch den finsteren Wald. Nach einem kurzen Intro durch Bass und Schlagzeug, begrüßen uns die Gitarren und ein herrlich widerlicher Pig Squeal. Wie bei einer Hetzjagd treiben einen Benighted durch den gesamten Song. Immer wieder kriegt der Bass einen Spot abseits der Gitarren und glänzt gegenüber den Vocals. Bei den Gitarren folgt ein massiver Riff den Nächsten und das Schlagzeug beeindruckt auf ganzer Linie.

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Mit dem Titeltrack “Dogs Bite Harder Than Their Master” schalten die Franzosen endlich mal einen Gang zurück, wobei das nur zum Tempo gesagt werden kann. Das Intro setzt vor allem auf eine düstere Stimmung. Schlagzeug, Rhythmus-Gitarre und Bass reiten eher entspannt voran, während die Lead-Gitarre im Hintergrund ein leicht beklemmendes Gefühl verursacht, das durch ein menschliches Ächzen und Winseln verstärkt wird. Nach den ersten Worten von Sänger Julien hören wir bereits den ersten Gast des Songs: Sänger Sven de Caluwe von Aborted. Dieser gibt den schnelleren Passagen mit seinen markant kreischenden Vocals ein absolut hasserfülltes Feeling. Nachdem sich Julien und Sven in der Strophe abwechseln, glänzt im Chorus Gastsänger Nikita Kamprad der Band Der Weg Einer Freiheit. Im Gegensatz zur Strophe ist der Chorus in deutsch und Kamprad überzeugt mit seiner kommandierenden Stimme. Auch Instrumental nähert sich der Chorus den Einflüssen des Gastsängers und ist mit seinen epischen 16tel Noten und dem traditionellen Blast-Beat vom Black Metal beeinflusst.

Nach drei neuen Songs zollen Benighted mit ihrem Cover des Melodic Death Metal-Klassikers “Slaughter Of The Soul” den legendären At The Gates tribut. Dabei orientieren sich die Gitarren stark am Original, während Sänger Julien und Drummer Kevin ihren ganz eigenen Stil einfließen lassen. So ist der Gesang mit seinen ständigen Wechseln zwischen hohen Schreien und tiefen Growls typisch für Benighted, wie auch die Blast-Beats der Drums. Nachdem das originalgetreue Gitarrensolo runtergespielt wurde, verfallen Benighted in ihre Grindcore Raserei und ändern das letzte Drittel des Song in ein absolutes Riff- und Blast-Gewitter. Ein nette Hommage mit eigener Note.

Nach diesem Wurf von neuem Material, geht es mit den nachfolgenden sechs Live-Tracks zum eigentlich Grund für diese Ep: Das 20-jährige Bestehen der Band. Aufgenommen auf der Anniversary Show in Lyon im Mai 2018 sollen sie die rohe Gewalt und die absolute stärke als Live-Band verdeutlichen. Aufgenommen wurden Fan-Favorites wie “Spit”, “Infected Unborn Children” oder “Foetus” als auch Brecher wie “Reptilian”, “Necrobreed” und “Cum With Disgust” vom letzten Album “Necrobreed”. Wie auch bei den Studio-Versionen sind mit Musiker wie Niklas Kvarforth (Shining), Ben Wright (Unfathomable Ruination) und Arno (Black Bomb A) hochkarätige Gäste dabei. Eine gelungene Zelebrierung der eindrucksvollen Band-Geschichte.

Aufgenommen und Produziert von Kristian Kohlmannslehner (Kohlekeller Recordings), der auch das bereits erwähnte “Terrorvision” von Aborted produziert hat, strotzt die EP vor präsenten Gitarren und einem definierten Schlagzeug-Sound. Der verzerrte Bass knurrt passend zum Albumtitel, wirkt aber im Gesamtbild etwas unscheinbar. Die Vocals sind, abgesehen von den extremeren Passagen durchweg verständlich und lassen kaum Wünsche übrige. Das Songwriting baut Deathgrind-typisch vor allem auf ein hohes Tempo, weniger Groove und eher epischere Lead-Strukturen im Hintergrund. “Dogs Bite Harder Than Their Master” überrascht bei den neuen Songs nicht wirklich, sondern knüpft eher an den Sound von “Necrobreed” an, welche gleichzeitig auch ein Schwäche der Platte ist. Auch wenn der Titelsong mit seinem epischen Songwriting und den Gastsänger eine nette Abwechslung bietet, gehen den Songs “Teeth and Hatred” und “Martyr” nach mehrmaligen hören ein wenig die Luft aus. In Anbetracht der restlichen Tracklist ist dieser Kritikpunkt eher klein.

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Fazit:

Benighted musikalischer Output in 2018 feiert das Bühnenjubiläum auf passende Art und Weise. Die 10 Songs von “Dogs Bite Harder Than Their Master” fangen die Qualitäten der Band sowohl Live als auch im Studio perfekt ein. Trotzdem könnte sich das Festhalten an der bekannten “Necrobreed”-Formel für kommende Alben eher negativ auswirken. Songs im Stile des Titeltracks “Dogs Bite Harder Than Their Master” bieten auf langer Sicht wesentlich mehr Inhalt und halten ein eher stumpfes Genre wie Deathgrind interessant. Nichtsdestotrotz stimmen die Live-Songs neue und alte Fans auf die kommende Tour mit den Kollegen von Cryptopsy, Aborted und Cytotoxin ein. Ein optimaler Lückenfüller bis zum nächsten Album.

Wertung: 7/10

Band: Benighted

Album: Dogs Always Bite Harder Than Their Master

Veröffentlichung: 12.10.2018

Benighted - Dogs Always Bite Harder Than Their Master

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Dogs Always Bite Harder Than Their Master

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VÖ 12. Oktober 2018

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