
Julia L. ist die zweite Julia im MoreCore-Bunde und ergänzt das Team gerne mit Rezensionen, News, Live-Berichten sowie kleineren und größeren Schreibarbeiten. Als Germanistin aus dem schönen Hessen ist sie ständig hin- und hergerissen zwischen “da ist ein grammatikalischer Fehler im Satz!” und “am liebste tät isch de ganze Tach nur hessisch babbele”. Tippt sie nicht gerade wie wild auf der Tastatur rum, um irgendetwas zu Papier zu bringen, findet man sie gerne mit ihrem Hund im Feld oder auf Shows und Konzerten im Rhein-Main-Gebiet. Für einige Bands fährt sie aber auch gerne mal nach NRW, Rheinland-Pfalz, Bayern oder Baden-Württemberg. Autofahren tut sie auch besonders gerne und hat dabei am liebsten gute Musik laufen. Leider will wegen der bei ihren Freunden verhassten “Schreimusik” kaum jemand mitfahren. Umso besser, denn dann hört niemand, wie schief sie mitsingt!
Oops, he did it again: Corey Taylor, Frontmann bei Slipknot und Sänger bei Stone Sour (letztere derzeit pausierend) hat ein neues Solo-Album in den Startlöchern. Nach seinem 2020er Debüt „CMFT“ steht nun der – namentlich wenig kreative – Nachfolger „CMF2“ bereit.
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Und wenn wir schon bei „oops, he did it again“ sind: Erneut ist unser aller Corey von seiner Eigenkreation mehr als begeistert. Obwohl er schon von seinem Erstlingswerk in höchsten Tönen schwärmte, stapelt er auch für „CMF2“ wieder hoch und behauptet, uns erwartet hier das „größte Rockalbum aller Zeiten“. So wie auch jedes Slipknot-Werk das vorige immer übertrifft… und so weiter. Man erkennt ein Muster.
Aber hey – dass man von der eigenen Arbeit derart begeistert ist, wünscht man sich für sich selbst eigentlich auch, oder? Also, liebe MoreCore-Freunde, hier kommt jetzt die beste Rezension aller Zeiten! *Fingerknacksen* Los geht’s.
Corey Taylor und die Wanderung über das Musik-Gebirge
Corey Taylor sagte im Vorfeld, dass die Scheibe den Weg ebnet, auf dem er musikalisch weitergehen will. Da kann man nur hoffen, dass Corey für alle möglichen Bodenbeschaffenheiten Schuhwerk dabei hat, denn die (erneut) sehr diversen Tracks auf „CMF2“ lassen sich genre-mäßig in keine Schublade stecken. Doch das ist auch gar nicht nötig.
Einmal mehr hat sich Corey für seine Solo-Band wieder von Musikern, die ihr Handwerk zweifellos verstehen. Und getreu dem Motto „never change a running system“ schnappte sich der US-Musiker auch für „CMF2“ wieder Produzent Jay Ruston (Anthrax, Steel Panther, Amon Amarth), der schon an seinem Debüt beteiligt war und obendrein auch die letzte Stone Sour-Platte „Hydrograd“ (2017) produzierte.
Von Slipknot, Stone Sour und ganz persönlichen Themen
Einen gewissen Stone Sour-Vibe kann ein paar Stücken auf „CMF2“ definitiv nicht absprechen. Da wäre beispielsweise das vorab ausgekoppelte Stück „Post-Traumatic Blues“ (inklusive gutturalem Gesang in bester Slipknot-Manier!) sowie auch das leicht grunge-ig angehauchte „Punchline“, die sich beide in die Stone Sour-Diskografie einreihen könnten.
Doch auch wenn es genau das ist, was viele Kritiker der neuen Scheibe im Vorfeld anhafteten: „CMF2“ ist viel mehr als „nur“ Stone Sour. Corey Taylor zeigt auf den insgesamt 13 Tracks (neuerlich) sein musikalisches Können in völler Breite. So mimt er den Punk auf „We Are The Rest“, gibt sich melancholisch auf der Ballade „Sorry Me“ oder dem nachdenklichen „Midnight“ und entführt uns mit „All I Want Is Hate“ in psychedelische Klangwelten – neuerlicher Slipknot-Vibe und starke Screams inklusive. Nice!
Während das Gehör also kaum hinterherkommt mit diesen vielen Eindrücken, die „CMF2“ bietet, lohnt sich das genaue Hinhören aber umso mehr. Denn auch inhaltlich und somit lyrisch bieten die Stücke eine ganze Bandbreite an Themen aus der Welt des Corey Taylor, die sich übrigens in all ihrer Üppigkeit schon auf dem Cover der Platte zeigt.
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So widmet er die Stücke „Starmate“ und „Someday I’ll Change Your Mind“ seiner Ehefrau Alicia und setzt sich auf „Midnight“ mit nächtlicher Schlaflosigkeit und depressiven Verstimmungen auseinander. „Dead Flies“ schließt das Album mit der Ausgrenzung toxischer Menschen in seinem Leben… und es scheint, als wäre das der perfekte Abschluss für ein solch – musikalisch wie thematisch – persönliches Album wie „CMF2“.
Foto: Pamela Littky / Offizielles Pressebild
Fazit
Ist "CMF2" das "größte Rockalbum aller Zeiten"? Sicherlich nicht, denn das ist eine sehr subjektive Einschätzung. Dass "CMF2" zweifelsohne aber seine Daseinsberechtigung in der Welt der guten Gitarrenmusik hat, lässt sich nicht bestreiten. Divers wie eh und je zeigt sich Corey Taylor auf seinem zweiten Solo-Album und wo die Stücke auf dem Erstlingswerk "CMFT" noch etwas deplatziert wirkten, scheinen die Tracks auf dem Nachfolger - trotz diverser Genre-Zugehörigkeiten und Themen - eindeutig zusammenzugehören. Einen roten Faden braucht es dafür gar nicht und den wollte Corey auf "CMF2" auch sicherlich nicht finden.

▶Tracklist 13 Songs
- 1The Box
- 2Post Traumatic Blues
- 3Talk Sick
- 4Breath Of Fresh Smoke
- 5Beyond
- 6We Are The Rest
- 7Midnight
- 8Starmate
- 9Sorry Me
- 10Punchline
- 11Someday I'll Change Your Mind
- 12All I Want Is Hate
- 13Dead Flies

