
Kathrin ist ein Chamäleon des alternativen Musikgeschmacks, mit einem Faible für alles, was außergewöhnlich ist. Nichts bleibt vor ihr sicher – und erst recht kein Nischengenre. Da überrascht es wohl nicht, dass sie als Allrounder das MoreCore-Team tatkräftig unterstützt. Wenn sie nicht gerade voller Inbrunst an neuen Alben- und Live-Reviews schreibt, sitzt sie entweder in einem spannenden Bandinterview, um uns auf dem neusten Stand zu halten, oder verfasst informative MoreCore-Beiträge für die Website. Möchte man das Herz unserer Münsteranerin (jetzt Kölnerin) im Sturm erobern, dann am besten mit Sci-Fi-Lektüre aus den 60ern, Star Wars - kein Star Trek! - oder Lebkuchen.
Vier lange Jahre liegen nun zurück, seit Zeal & Ardor ihr letztes Studioalbum „Stranger Fruit“ veröffentlicht haben. Nun folgt mit „Zeal & Ardor“ ein entsprechendes Selftitled-Album, das alles bisher Dagewesene verschlingt.
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Von Beginn an ist klar, dass Black Metal und Gospel die Basis für dieses Album bilden würden; welche experimentellen Ausflüge allerdings dazu kommen würden – damit hat sicherlich niemand so richtig rechnen können. Denn das Album ist unberechenbar – und dennoch folgt es einem roten Faden, ist „gradlinig“, wie Manuel Gagneux sagen würde.
Doch dieser rote Faden dient nicht wirklich der Orientierung, sondern wickelt sich wie eine Schlange um das Handgelenk, schnürt das Blut ab und nimmt seine Hörer mit auf einen wilden Ritt durch 14 Songs, die unterschiedlicher und gleichermaßen ähnlich nicht sein könnten.
So klingt das Selftitled-Album von Zeal & Ardor
Doch Zeal & Ardor auf Black Metal und Gospel zu begrenzen, wird der Musik im Allgemeinen und dem Album im Speziellen bei weitem nicht gerecht. Schon allein der Versuch, die Musik der Kombo in eine Schublade stecken zu wollen, kann nur scheitern.
Denn die Songs werden von einem experimentellen Freigeist dominiert, der seine düsteren Fühler in alle Bereiche der gitarrenlastigen Musik ausstreckt.
So finden sich hier munter Elemente des Post-Hardcore, Alternative-Rock, Blues und Indie-Rock. Genau genommen findet sich dort eigentlich alles, worauf Mastermind Manuel Gagneux Lust hatte. Und das sagt er auch geradeheraus: „Wir machen genau das, was wir wollen, ohne Regeln.“
Er sieht in dieser Einstellung eine Analogie zum Satanismus. Und wenn man das Album hört, dann ist der Sound wohl die musikgewordene Teufelsanbetung.
Der Longplayer gleicht einem Ritual, an dessen Ende die Erde aufreißt und der Teufel höchstpersönlich aus den Flammen emporsteigt und nach dem roten Faden greift, der sich immer noch fest um das Handgelenk schlingt. Und dafür muss man die Musik nicht einmal rückwärts abspielen. Auch die Hände von Baphomet, die deutlich auf dem Cover der Platte prangen, lassen da keine Zweifel.
Eine immersive Geschichte
Tatsächlich knüpft dieses Album aber an die fiktive Geschichte schwarzer Sklaven an, die Satan für eine Rebellion auf ihre Seite ziehen möchten und die Zeal & Ardor von Album zu Album weiterspinnen. Nun hat sie es immerhin schon zum dritten Longplayer geschafft, wird mal auf Deutsch und mal auf Englisch erzählt und ist vor allem immer noch eines – alles andere als langweilig.
„Zeal & Ardor“ ist ein Album, das durch gelungene Experimente glänzt und durch seinen Mut zum Überwinden gängiger Konventionen besticht. Zeal & Ardor wollten machen, was sie wollen und das haben sie ohne Zweifel. Ihr Anspruch an das Album war, eine immersive Platte abzuliefern, die ihre Hörer sofort in die Stimmung und in ihre Welt hineinversetzt – und auch das ist mehr als gelungen.
Sicherlich ist „Zeal & Ardor“ allerdings nicht jedermanns Geschmack, dafür ist es doch sehr speziell, experimentell und anders. Doch auch ohne seine musikalischen Lieblingsklänge im Black Metal zu verorten, ist dieses Album es allemal wert, gehört zu werden und unter all den verschiedenen Sounds und Einflüssen findet sicherlich jeder seinen ganz persönlichen Schlüssel zum Tor der Hölle.
Foto: Georg Gatsas / Offizielles Pressebild
Fazit
Zeal & Ardor präsentieren mit ihrem dritten Album einen faszinierenden Longplayer, der sich vor allem durch Innovation und Experimentierfreude kennzeichnet. Hier finden sich Sounds, die neu sind und deshalb gleichermaßen begeistern als auch fordern. "Zeal & Ardor" ist ein Meisterwerk, allerdings nicht in jedermanns Ohren. Auf der Grundlage von Black Metal mischen sich neben Gospel, Rock, Indie und Blues-Elementen jede Menge Synths und teuflische Beschwörungsformeln. Reinhören lohnt sich aber in jedem Fall, denn das war Zeal & Ardor hier liefern, gibt es kein zweites Mal.

Zeal & Ardor
Album
VÖ
cd · vinyl
▶Tracklist 14 Songs
- 1Zeal & Ardor
- 2Run
- 3Death Of The Holy
- 4Emersion
- 5Golden Liar
- 6Erase
- 7Bow
- 8Feed The Machine
- 9I Caught You
- 10Church Burns
- 11Götterdämmerung
- 12Hold Your Head Low
- 13J-M-B
- 14A-H-I-L
