
Wenn unsere Tamara nicht gerade mit ihrem Master in Musikjournalismus eingespannt ist, versorgt sie die Leserschaft mit Rezensionen und Interviews rund um Bands, die eigentlich nur noch unsere Eltern hören. Zu ihren Lieblingsfreizeitbeschäftigungen gehören Till Lindemann und Wacken. Sieht man sie nicht im Club oder durch einen Moshpit tanzen, steht sie hinter dem Tresen und mixt unverschämt gute Cocktails, um mit Freuden ihre Freunde abzufüllen. Neuerdings versucht sie sich auch als Pflanzenmutti und an der E-Gitarre. Ganze 3 Akkorde beherrscht sie schon, einer Karriere in einer Punkband würde also nichts mehr im Weg stehen.
Happy Birthday to you AA! Zu ihrem 30. Bandjubiläum beschenken sich die Viking-Death-Metal-Pioniere Amon Amarth dieses Jahr einfach selbst und bringen ihre nunmehr zwölfte Langspielplatte auf den Markt. “The Great Heathen Army” heißt das gute Stück und heizt uns in bester schwedischer Death-Metal-Manier ordentlich ein.
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Nach zwei Jahren Pandemie-Pause sind auch die Viking-Death-Metaller von Amon Amarth wieder am Start. Am 05. August erscheint “The Great Heathen Army” mit neun energiegeladenen, starken Tracks die sich – selbstverständlich – wieder mit dem Epos der sagenumwobenen, axtschwingenden Nordmännern beschäftigt. Nachfolgend lest ihr, was es auf der Platte alles so zu erleben gibt.
Auf In Die Schlacht mit Amon Amarth
Der Opener trägt den vielversprechenden Titel “Get In The Ring”. Und jap, er verspricht nicht nur, sondern er liefert auch! Sofort wird einem klar, was Amon Amarth hier vor haben und was uns auf diesem Album erwartet: Auf ein langes, stimmungsaufbauendes, schweres Intro und walzende Gitarren trifft im Refrain der typische Amon Amarth-Windmühlen-Sound. Dabei klingen die Nordmänner allerdings um einiges düsterer und “deathiger” als auf ihrem Vorgänger-Album “Berserker” von 2016.
“Get In The Ring” ist dabei nicht nur ein vielsagender Titel, sondern beschreibt auch im wahrsten Sinne des Wortes den Zweck des Tracks: Der Song wurde nämlich für Erik Redbeard, einen Wrestler-Freund der Band, als Einlaufmusik geschrieben. Zu sehen gibt’s Redbeard auch im stimmungsvollen Fightclub-Mad-Max-Musikvideo.
Mit “The Great Heathen Army” geht’s tough und kraftvoll weiter. Der Namensgeber des neuen Albums kommt etwas langsamer und entspannter als “Get In The Ring” um die Ecke, ist insgesamt aber auch epischer und erinnert uns mehr an eine typische Amon Amarth-Wikinger-Hymne. Hier wird lyrisch auch erst so richtig in das Thema der Platte eingeführt (auch wenn nach Heggs Aussage das Album kein Konzeptalbum darstellt. Da frage ich mich aber ein bisschen, wie ein Viking-Death-Album keinem Konzept folgen soll…?). Hegg erklärt dazu:
“In ‚The Great Heathen Army‘ geht es um die Ankunft der einfallenden Wikingerflotte in England im Jahr 865 n. Chr. Die Wikinger hatten England schon seit langem angegriffen, aber dieses Heer war anders. Es war eine Invasionsarmee, die gegen die Briten tödlich erfolgreich war. Das ist ein gewaltiges historisches Ereignis. Es ist faszinierend. Irgendwie gewannen die Engländer jedoch und besiegten das heidnische Heer, also ist alles möglich!“
Auch “The Great Heathen Army” wurde bereits veröffentlicht und mit Musikvideo bebildert. Interessant hier ist vor allem die starke Referenz zur Serie „Stranger Things“: Die Schriftart, „Dungeon & Dragons“, der Kampf im Wasser… Zufall, dass auch gerade die neue Staffel zeitgleich mit dem Video erschien? Klaro. Insgesamt ist der Track zwar sehr hymnenhaft und wird uns bestimmt auf der nächsten Tour begegnen (vielleicht sogar als Opener), ganz so melodiös und mitreißend wie ein “Raise Your Horns” ist er allerdings nicht.
Mythische Motive und düsterer Sound von Amnon Amarth
Weiter geht’s mit dem verspielten “Heidrun”. Hier gibt es von Amon Amarth-Frontmann Johan Hegg Spoken-Word-Passagen zu lauschen sowie Gangshouts die den Songtitel im Chor wiedergeben. “Heidrun” klingt dadurch kriegerisch und anheizend. Da stellt sich natürlich nur noch die Frage: Wer ist eigentlich diese “Heidrun”?
“Who’s The Goat?”, fragt Hegg den Chor, der mit dem nordischen Namen antwortet. Und jap Leute, Wikipedia hat’s bestätigt: Der Song handelt von einer unsterblichen Ziege, die Met produziert und an die Einherjer verteilt…#justvikingthings.
Nachdem uns die Ziege in etwas feierliche Stimmung gebracht hat, holt uns jetzt “Oden Owns You All” zurück in die Finsternis der Scheibe. Dieser Track ist wieder härter und überzeugt mit ungewohnt schnellen und deathigen Blastbeats, einer bedrohlichen Stimmung und einem auflockernden, hellen Gitarrensolo. “Find A Way Or Make One” erinnert in den ersten drei Tönen an AAs Hitsingle “The Pursuit Of Vikings”, kommt dann aber langsamer und melodischer daher. Er gehört definitiv durch die Symbiose aus aufbauendem Sound und motivierenden Lyrics zu den stärkeren Songs des Albums.
“Dawn Of Norsemen” steigt mit starken Blastbeats und flehenden Gitarrenklänge ein. Der Track wirkt zunächst unauffällig bis zur mittigen Zäsur, in der es ruhig wird und auf einmal verspielte und sanfte Riffs erklingen. Danach wird der Track durch die Wiederkehr von Instrumenten und Vocals wieder in kontrastierende Düsternis aufgelöst.
Von Wikingern und Sachsen
Die beste Überraschung auf “The Great Heathen Army” war für mich Track Nummer sieben: “Saxons And Vikings”. Die Gründe dafür werden beim Hören relativ schnell deutlich: Ein rockender Unterleger, der echte Iron Maiden-Vibes ausstrahlt und ein plötzlich auftauchender Gesangskollege, den ich zuerst gar nicht zuordnen konnte.
Hinter dem namentlich sehr passenden Easter Egg versteckt sich niemand geringeres als Biff Byford, der Sänger von – Saxon! Weiß nicht, wer die Idee hatte, sich den Sachsen dazu zu holen… aber ich finde es meisterhaft. Und auch musikalisch viben die beiden Metalsänger in den aufgeteilten Strophen und dem harmonischen Refrain wunderbar miteinander.
Den Abschluss der Platte bilden das melodische, gitarrenlastige “Skagul Rides With Me” und das sechsminütige andächtig-doomige Outro “The Serpents Trail”. Letzteres ist ebenfalls wieder mit Spoken-Words-Passagen gespickt, was dem neuen Amon Amarth-Werk nochmal einen extra-mythischen Aspekt verleiht.
Foto: Thomas Giden / Offizielles Pressebild
Fazit
Amon Amarth haben mit “The Great Heathen Army" zwar nach ihrer Heavy-Phase wieder einen düsteren und kraftvollen Weg Richtung Death-Metal eingeschlagen, finden aber trotzdem neben treibenden Bassdrum-Schlägen und walzenden Gitarren Platz um rockige, doomige und auch Power-Metal Elemente einzubauen. Auf der neuen Platte der Schweden wird so einiges an Headbang-Material geboten und auch wenn jeder Track immer noch klingt wie der typische Amon-Amarth-Signature-Sound, wird es zwischen den neun gut ausgewählten Tracks niemals langweilig.

▶Tracklist 9 Songs
- 1Get In The Ring
- 2The Great Heathen Army
- 3Heidrun
- 4Oden Owns You All
- 5Find A Way Or Make One
- 6Dawn Of Norsemen
- 7Saxons and Vikings (feat. Biff Byford)
- 8Skagul Rides With Me
- 9The Serpent's Trail
