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Such Gold: „Skaten, Musik, Essen… was will man mehr?“
Stell dir vor, du bist Mitte 20, spielst mit guten Freunden in einer Band und tust den ganzen Tag nur ...
VON
Redaktion
AM 10/12/2015
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Stell dir vor, du bist Mitte 20, spielst mit guten Freunden in einer Band und tust den ganzen Tag nur das, was dir gefällt: Skaten, Musik machen und essen, und das immer an einem anderen Ort auf dem Erdball. SUCH GOLD gehören zu den glücklichen Menschen, die genau dies tun dürfen. Doch wie viel Realität verträgt ein Pop Punk Herz eigentlich?
Ungemütlich und kalt ist es an diesem Mittwochabend im November. SUCH GOLD bereiten gerade ihren Soundcheck im Waldmeister, einem alten Bahnhofsgebäude in Solingen-Wald, vor. Draußen warten nicht nur die ersten Besucher, sondern auch ein älterer Herr, der sich über den Lärm beschweren möchte. Er droht damit die Polizei zu verständigen – Kleinstadtprobleme, die angesichts der Ereignisse in Paris, die erst am Wochenende zuvor geschehen waren, beinahe lächerlich klingen.
Jon Markson, Bassist der Band bittet um einen Moment Geduld als er den Tourbus ansteuert. Es ist ein gemieteter Transporter, den sich SUCH GOLD mit dem Support COLD READING teilen. Helfende Hände in Form von Mercher, Tourmanager oder Soundmann sucht man vergebens. Verdrehte Welt?
Erst im Frühjahr waren die vier Jungs aus Rochester, New York mit TRANSIT auf Europa-Tour gewesen – Slam Dunk Festival im Vereinigten Königreich und Groezrock in Belgien inklusive. „Mein Highlight dieses Jahr. Es ist ein unglaubliches Festival und wir konnten nicht nur ein richtig gutes Set spielen, sondern hatten auch die Chance eine ganze Menge cooler Bands zu sehen, die wir einfach schon immer mal sehen wollten. LAGWAGON, AMERICAN NIGHTMARE, MILLENCOLIN oder auch TURNSTILE zum Beispiel“, erzählt Ben Kotin. Er ist nicht nur Sänger, sondern auch Rhythmus-Gitarrist bei SUCH GOLD. Eine Rolle, die dem Lineup-Karussel der Band geschuldet ist. So war das ursprüngliche Quintett im Vorfeld der Aufnahmen zur aktuellen Platte The New Sidewalk auf vier Leute geschrumpft. Kotin gehört dabei neben Nate Derby zu den beiden verbliebenden Gründungsmitgliedern von SUCH GOLD. Auf die Frage, was man denn mitbringen muss, um ein Teil der Band zu sein, müssen Markson und Kotin schmunzeln: „Du musst es an deinem Instrument ziemlich drauf haben, aber auch verdammt cool sein!“
Wer aufmerksam hinschaut, entdeckt zwei fremde Gesichter im Backstage. Ein Hinweis darauf wie ernst und wie wichtig der Band die Tour ist, denn kurzfristig mussten sowohl Drummer Matt Covey als auch der angesprochene Gitarrist Nate Derby absagen. Zwei Stand-In Musiker, die sich das Set der Band wenige Tage vor Abflug nach Europa regelrecht in den Kopf ballern mussten. Doch in Zeiten, wo Pop Punk und Melodic Hardcore – zwei Genres, zwischen denen SUCH GOLD gerne einen Spagat machen – wieder unheimlich an Popularität gewinnen, sind Liveshows unverzichtbar. Vor allem, wenn die Konkurrenz nicht schläft: Bands wie THE STORY SO FAR, REAL FRIENDS, NECK DEEP oder THE WONDER YEARS gelten nicht nur in den USA, sondern auch bei uns zu den aktuellen Shootingstars der Szene.
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Auf ihrer ersten eigenen Headliner-Tour durch Europa haben sich SUCH GOLD ein straffes Programm vorgenommen. Rund drei Wochen durch Deutschland, Schweiz, Ungarn, Frankreich, Italien und danach nochmal für einige Dates auf die Insel, um dort mit SPRAYNARD und GNARWOLVES zu touren. Dabei hat die Band ganze drei Tage „off“. „Skateboarding all the time! Viel trinken und immer weitermachen! Ich meine, es kann ganz schön hart werden so lange am Stück aufeinander zu hocken und ab einem gewissen Punkt werden wir uns für ein paar Stunden hassen…“, erklärt Kotin. „Wir lieben, was wir da tun. Und es gibt auch eine Menge Kram, den wir einfach gerne zusammen erleben. Zum Beispiel zusammen zu essen, zusammen Abenteuer zu erleben, neue Skate-Tricks zu erlernen… Es gibt so viele geile Skate-Spots da draußen und in Deutschland zum Beispiel, da hat uns noch nie jemand gebeten aufzuhören zu skaten. Wir waren heute in Düsseldorf in einer Einkaufspassage zwischen so vielen Menschen und da kam keiner auf die Idee uns zu sagen, wir sollten gefälligst vom Brett steigen!“, wirft Markson ein. Ihre Verbundenheit mit der Skate-Szene zeigen die Jungs dabei nicht nur durch ihre zahlreichen Skate-Videos auf Facebook, sondern auch durch ihre Unterstützung der Hilfsorganisation skate-aid.
So lässig und entspannt sich die Band im Interview, aber auch ihren Fans gegenüber gibt, SUCH GOLD ist alles andere als eine unprofessionelle Band. Obwohl sich beim Tourauftakt in Solingen nur gut drei Dutzend Zuschauer einfinden, was auch der sehr kleinen Location geschuldet sein dürfte, so ist die Band nicht minder motiviert. Immer wieder schaut Markson prüfend zu seinen „Ersatzkollegen“ herüber, um sicherzustellen, dass die teilweise sehr technischen Parts der Songs auch glatt laufen. „Ein cooler Auftakt, hat verdammt viel Spaß gemacht!“, werden die Jungs später sagen.
Angesprochen auf die Ereignisse in Paris, antwortet Kotin sehr reflektiert, aber auch verhältnismäßig gelassen: „Wir versuchen nicht allzu viel darüber nachzudenken und uns Sorgen zu machen. Die Erde ist ohnehin ein sehr beängstigender Ort. Natürlich denkt man oft an seine Familie und Freunde zu Hause, weil die sich große Sorgen machen. Aber man muss versuchen weiterzumachen, weiter Musik zu spielen. Denn wenn wir zu ängstlich wären, um auf die Bühne zu gehen, wäre das Leben wirklich scheiße.“ Markson macht sich dagegen etwas mehr Sorgen: „Ich muss auch zugeben, dass ich schon etwas nervös war, bevor wir in den Flieger gestiegen sind. Doch jetzt, wo wir hier angekommen sind, fühlen wir uns aber doch wohl und sicher. Es passieren immer und überall schreckliche Sachen, aber beunruhigend für uns ist der Fakt, dass die Anschläge auch im Rahmen einer Rockshow geschahen – mit Bands, die wir mögen und Leuten, die wir kennen, die dort waren. Nichtsdestotrotz werden wir weiter auf die Bühne gehen.“
Ihr eigenes Lebensmotto scheint dagegen so simpel und naiv, passt aber zu einer Band, die auf der Bühne durch positive Energie begeistert: „Wir versuchen immer die beste Zeit wie möglich zu haben. Genieß einfach die Dinge, die dich glücklich machen und dich antreiben. Musik, Skaten, Essen – was besseres hat das Leben doch nicht zu bieten, oder?“, lacht Markson. Dann wird er aber noch einmal ernst: „Es gibt so viele Gründe, wieso Leute zu Shows gehen – die Gemeinschaft, die Musik, der Support der Künstler. Und die Leute können dies nur solange tun, wie sie sich sicher und wohlfühlen. Ich glaube nicht, dass dies jemals zerstört werden kann.“
Demnächst erscheint eine neue 7″ der Band, zusammen mit HARKER, WALK THE PLANK und NO FUN über Flix Records in Zusammenarbeit mit No Panic! Records. Ihrem Sound wollen sich SUCH GOLD treu bleiben, ihrer Lebensfreude hoffentlich auch.
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