
Spotify kennzeichnet menschliche Artists mit Badge
KI-Musik flutet die Plattform und Spotify reagiert mit einem Verifizierungs-Badge statt einem Verbot.
Vanessa schreibt am liebsten über Geschichten, die mehr Hintergrund verdienen als nur eine Schlagzeile. Besonders zuhause fühlt sie sich zwischen modernem Metalcore und Alternative Metal.
Spotify hat am 30. April 2026 das „Verified by Spotify"-Badge eingeführt. Ein hellgrünes Häkchen soll auf Artist-Profilen und in der Suche anzeigen, dass hinter einem Account ein echter Mensch steckt und keine KI. Der Roll-out läuft schrittweise über die kommenden Wochen.
Was das Badge bedeutet
Das Badge erscheint auf Profilen, die Spotifys Kriterien für Authentizität und Vertrauen erfüllen:
- Kontinuierliche Hörer:innenaktivität und -interaktion im Vergleich zu einmaligen Aktivitätsspitzen
- Einhaltung der Spotify-Plattformrichtlinien
- Artist-Präsenz auch außerhalb der Plattform z.B. Konzertdaten, Merchandise oder verknüpfte Social-Media-Accounts
Die technischen Kriterien kombiniert Spotify nach eigenen Angaben mit menschlicher Prüfung und Beurteilung.
Vorerst gilt: Profile, die primär KI-generierte Musik oder KI-Personas repräsentieren, bekommen kein Badge. Spotify selbst schränkt das allerdings ein: „Zum Launch sind solche Profile nicht zur Verifizierung zugelassen" – und kündigt an, den Ansatz „kontinuierlich weiterzuentwickeln", da „das Konzept von Authentizität in der heutigen Musiklandschaft komplex ist und sich schnell entwickelt." Was das Badge langfristig bedeutet, bleibt damit offen.
Zum Launch will Spotify sicherstellen, dass über 99 Prozent der Artists, nach denen Nutzer:innen aktiv suchen, verifiziert sind. Wer das Badge dieser Tage noch nicht hat, muss laut Spotify nicht dauerhaft darauf verzichten: Die Vergabe läuft fortlaufend.
Mehr Kontrolle für Artists
Neben dem Badge testet Spotify eine neue Profilsektion (aktuell in der Beta), die auf allen Artist-Profilen – unabhängig vom Verifizierungsstatus – Karriere-Meilensteine, Release-Aktivität und Tourplanung hervorhebt.
Ebenfalls in der Beta läuft die „Artist Profile Protection": Artists können damit Releases prüfen und freigeben, bevor diese auf ihrem Profil erscheinen. Die Funktion startete Ende März 2026 – eine Woche, nachdem Sony Music die Entfernung von über 135.000 KI-generierten Tracks beantragt hatte, die eigene Artists imitierten.
Das Ziel hinter diesen Maßnahmen beschreibt Spotify so: „Wir wollen es einfacher machen, der menschlichen Kreativität hinter der Musik auf Spotify zu vertrauen und langfristige, bedeutungsvolle Verbindungen zu den Artists und der Musik, die ihr liebt, aufzubauen."
Das eigentliche Problem bleibt
Für die Artists selbst ändert sich jedoch erstmal wenig: KI-Musik bleibt auf der Plattform, sie bekommt nur keinen Vertrauensvorschuss mehr. Spotify steht seit Längerem in der Kritik, KI-generierten Content zu dulden und damit echten Artists (monetär) zu schaden. Das Badge ändert daran strukturell nichts.
Das Ausmaß des Problems zeigen Zahlen von Mitbewerbern: Deezer meldete Mitte April, täglich fast 75.000 KI-Tracks zu empfangen – das entspricht 44 Prozent aller täglichen Uploads. Wie groß der Anteil bei Spotify ist, hat das Unternehmen bislang nicht kommuniziert.
Eine naheliegende Weiterentwicklung wäre, Nutzer:innen zu ermöglichen, in Playlists und Empfehlungen ausschließlich verifizierte Artists zu hören – diese Option fehlt bislang. Außerdem lässt Spotifys Ankündigung, den Ansatz „kontinuierlich weiterzuentwickeln", offen, ob KI-generierte Artists künftig ebenfalls verifiziert werden könnten.
Wie andere Plattformen reagieren
Spotify ist selbstverständlich nicht allein mit dem Thema, die Ansätze der Plattformen unterscheiden sich aber teils erheblich. Zum Vergleich: Deezer hat das Problem strukturell angegangen. Die Plattform war im Juni 2025 die erste, die KI-generierte Tracks auf Plattformebene kennzeichnete und daraus direkte Konsequenzen zieht. Als KI-generiert erkannte Songs werden automatisch aus algorithmischen Empfehlungen entfernt und nicht in redaktionelle Playlists aufgenommen. Deezer-CEO Alexis Lanternier kommentierte: „Dank unserer Technologie und der proaktiven Maßnahmen, die wir vor über einem Jahr eingeführt haben, konnten wir zeigen, dass sich KI-bedingter Betrug und die Verwässerung der Zahlungen auf ein Minimum reduzieren lassen."
Apple Music fordert Labels und Distributoren im März 2026 zur Angabe von vier Transparenz-Tags in den Metadaten auf – für Artwork, Track, Composition und Music Video. Apple entwickelt intern zudem Technologie als eine Art zweite Verteidigungslinie neben der Selbstauskunft der Labels, die erkennen soll, mit welchem KI-Modell ein Track erstellt wurde. Laut Vice President of Apple Music and International Content Oliver Schusser ist mittlerweile über ein Drittel aller Uploads auf der Plattform vollständig KI-generiert.
Bandcamp zog im Januar 2026 die härteste Linie: Musik, die vollständig oder überwiegend mit KI erstellt wurde, ist auf der Plattform künftig nicht mehr erlaubt (wir berichteten). Als Begründung nannte Bandcamp den Schutz der eigenen Community und menschlicher Kreativität.


