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Live Nation USA: Mitarbeiter prahlten mit Fan-Abzocke
Veröffentlichte Chats zeigen Spott über „dumme“ Fans und Prahlerei über überteurte Gebühren.
VON
Vanessa Wobb
AM 13/03/2026
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Zwei Mitarbeiter der Ticketabteilung von Live Nation USA sollen sich in internen Chats offenbar damit gebrüstet haben, Konzertbesucher:innen bei Parkgebühren und anderen Zusatzkosten systematisch überhöhte Preise zu berechnen. In den am 11. März 2026 im Rahmen des laufenden US-Kartellverfahrens öffentlich gemachten Slack-Chats sollen sie Fans als „dumm“ bezeichnet haben, weil diese die aufgeblähten Preise zahlten. Live Nation hatte zuvor versucht, die Veröffentlichung der Chats zu verhindern. Richter Arun Subramanian ordnete jedoch auf Antrag von diverser Medien, darunter Bloomberg News oder der New York Times, die vollständige Freigabe an.
Das ZUGRUNDELIEGENDE Kartellverfahrens
Die privaten Nachrichten wurden im Rahmen eines umfassenden Kartellverfahrens öffentlich. Die US-Bundesregierung sowie Generalstaatsanwälte aus 39 Bundesstaaten und dem District of Columbia werfen Live Nation und seiner Ticketing-Tochter Ticketmaster vor, illegal ein Monopol im Live-Entertainment-Markt aufrechtzuerhalten, das zu höheren Ticketpreisen für Konsument:innen geführt und Innovation sowie Wettbewerb unterdrückt habe.
Die Unternehmen hingegen behaupten, Künstler:innen und Veranstaltungsorte legten die Preise fest und entschieden über den Ticketverkauf.
Die Chats: Das ist bekannt
Im Zentrum der Debatte stehen Ben Baker und Jeff Weinhold. In einem Chat, der sich von Ende 2021 bis Anfang 2023 erstreckt haben soll, tauschten sie sich als regionale Ticketing-Direktoren über die sogenannten „Ancillary Fees“ aus – Zusatzkosten rund um einen Konzertbesuch, die häufig erst im Laufe des Kaufprozesses sichtbar werden: Parkplätze, VIP-Bereiche oder spezielle Sitzplätze.
Die beiden prahlten in teils unverschämter Weise damit, wie viel sie den Kunden für diese Services berechneten.
Für ein Kid-Rock-Konzert in Tampa, Florida, im Jahr 2022 soll Baker eine Preisliste mit der Bezeichnung „VIP Club Admission“, deren Höchstpreis bei 199 Dollar lag, geteilt und kommentiert haben: „These people are so stupid.“
Weinhold soll geantwortet haben: „I have VIP parking up to $250 lol.“ Baker daraufhin: „I almost feel bad taking advantage of them.“
In einem weiteren Austausch sollen die beiden eine Finanztabelle diskutiert haben, die das jährliche Wachstum der Einnahmen durch Premium-Parkplätze an einer nicht genannten Venue zeigte. Der Bruttoumsatz soll von rund 470.000 Dollar im Jahr 2018 auf etwa 666.000 Dollar im Jahr 2021 gestiegen sein.
Daraufhin soll Baker kommentiert haben: „Robbing them blind baby. That’s how we do.“
So reagierte Live Nation USA
In einer Stellungnahme erklärte Live Nation, der Chatverlauf habe zwischen „einem Mitarbeiter und einem Freund“ stattgefunden und spiegele „absolut nicht unsere Werte oder unsere Arbeitsweise wider“. Die Führungsebene habe von den Nachrichten erst erfahren, als die Öffentlichkeit davon erfahren habe, und werde den Sachverhalt umgehend untersuchen.
Was die Einordnung als bloßer ‚Mitarbeiter‘ betrifft: Laut Unterlagen des Justizministeriums ist Baker inzwischen Head of Ticketing bei Venue Nation, der Live-Nation-Sparte, die die Amphitheater des Konzerns umfasst. Weinhold sei demnach als Senior Ticketing Director für den Großraum Washington, D.C., tätig.
Einigung im verfahren und was danach kommt
Das zugrundeliegende Kartellverfahren liegt auf Eis, nachdem am Montag überraschend eine vorläufige Einigung zwischen Live Nation und dem Justizministerium bekanntgegeben wurde. Die Einigung, die noch von Richter Subramanian genehmigt werden muss, sehe unter anderem vor, dass Venues künftig mehrere Ticketing-Systeme parallel nutzen dürften – ein wesentliches Zugeständnis, da Ticketmaster bislang auf strikte Exklusivverträge bestand.
Außerdem solle eine Richtlinie abgeschafft werden, die Artists faktisch verpflichtet, die konzerneigenen Promotion-Services zu nutzen, um in Live-Nation-Amphitheatern auftreten zu können.
Mehr als die Hälfte der Bundesstaaten lehnte die Einigung als unzureichend ab. Richter Subramanian hat die Bundesstaaten, die den Vergleich nicht akzeptiert haben, aufgefordert, bis Ende dieser Woche eine eigenständige Einigung zu erzielen oder sich auf die Fortsetzung des Prozesses vorzubereiten.
Bakers Aussage, die ursprünglich diese Woche erwartet worden war, wurde nach Bekanntgabe der Einigung verschoben.
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