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Interview

Atena: Simple Lifer aus dem hohen Norden

Gitarrist Vebjørn Iversen im Interview zum neuen Album.

VON AM 25/09/2023

Vebjørn Iversen, seines Zeichens Gitarrist der Norweger Atena, ist dieser Tage sichtlich geknickt. Im Fall seiner drei weiteren Bandkollegen sieht das leider recht ähnlich aus. Die Tour mit Throw The Fight im Mai diesen Jahres wurde abgesagt und somit war die erste und vorerst einzige Möglichkeit, die Songs des anstehenden Albums „Subway Anthem“ nach mehr als einem Jahr Livepause zu präsentieren, dahin.

„Wir sind derzeit schon ein wenig niedergeschlagen. Immerhin sind wir mittlerweile seit fast einem Jahr nicht mehr live aufgetreten und haben uns über diese Möglichkeit tatsächlich sehr gefreut. Wir sind aber schon dabei, Alternativen aufzutun.“ Bleibt zu hoffen, dass sich diese Aussage Iversens bestätigt, so ist „Subway Anthem“ doch genau das Album Atenas, mit dem es erstmalig gelingen könnte, auf internationaler Bildfläche auch ein Stück weit prominenter zu werden.

Atena: Ertrag als Mittel zum Zweck

Das Touren ist für Bands ja mittlerweile ohnehin ein großes Thema. Nicht zuletzt Formationen, für die Touren ein recht großer logistischer Aufwand ist, müssen heuzutage ja schließlich auch wirtschaftlich vorerst ins Risiko gehen. Iversen sieht das momentan noch recht entspannt. Für seine Band und ihn stelle Geld zumindest auf direktem Wege nichts dar, was von größerer Priorität ist. „Wir sehen Geld eher als Mittel zum Zweck, um uns bestimmte Dinge als Band ermöglichen zu können. Ans Geld verdienen ist zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin nicht zu denken. Für uns ist es schon schön, uns von Album zu Album bisher immer übertroffen zu haben und uns eine Steigerung – dieses Mal war es die professionelle Produktion – auch leisten zu können. In diesen Kategorien denken wir. Aber ja, die Band ist schon ein ganz schön teuer Spaß“, lacht Iversen.

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Eine Band mit reichlich Bodenhaftung

Von Rockstargehabe kann da also noch keinerlei Rede sein. Nimmt man Atena jedoch auch näher unter die Lupe, wären diese vier jungen Mannen für derlei menschliche Entgleisungen auch keinerlei Kandidaten. Zu menschelnd, realistisch und nüchtern wirken Iversen und seine drei Mitstreiter, die auch in dem Leben, das nicht von Atena geprägt ist, ganz normalen Jobs nachgehen, auch wenn die Rolle der Band immer größer werde, so Iversen. „Wir gehen ansonsten ganz normalen Jobs nach – in der Konstruktion, in der Pflege, als Blechschmied und in der IT. Also nichts, was in irgendeiner Art und Weise besonders wäre.“

Atena überlassen wenig dem Zufall

Auffällig am neuen Werk „Subway Anthem“ ist die für Atena so populäre Vielschichtigkeit der Songs, welche Elemente aus den verschiedensten Genres vereint. Der Band sei klar gewesen, so Iversen, dass man sich in Sachen Sound für gerade dieses Album externe Hilfe holen müsse.

„Mit Henrik Udd wollten wir einen Produzenten verpflichten, der auch schon mit bekannteren Bands gearbeitet hat, in dem Fall etwa mit Bring Me The Horizon. Schon bei den Demos war klar, dass wir eine recht druckvolle Produktion haben wollten. Nach dem Mastern haben wir gemerkt, dass das für dieses Album auch genau die richtige Entscheidung war. Henrik Aalberg von Adjentist und Jon Tangen, der mehr im EDM unterwegs ist, haben uns geholfen, einen sehr vielschichtigen Sound mit sehr vielen Spuren zu kreieren, um den Sound noch pompöser zu gestalten. Wir sind jedenfalls sehr zufrieden mit dem Endergebnis.”

Einflüsse aus allen Richtungen

Prinzipiell ist es schwierig, bei Atena eineindeutige musikalische Einflussfaktoren auszumachen. Ebenso schwer fällt es Iversen auch zu beschreiben, wie den die Zielgruppe der Band aufgrund der genreübergreifenden musikalischen Herangehensweise ausfalle. Dies sei, so Iversen, ein ganz schwieriges Unterfangen:

“Das ist eineindeutig tatsächlich nicht zu beantworten. Ich kann dazu nur sagen, dass die Leute, die auf unsere Konzerte kommen, recht normal aussehen, auch wenn sich das vielleicht banal und oberflächlich anhört. Wir für uns als Band genommen haben ja auch jetzt keinen bestimmten visuellen Style, der ein bestimmtes Zielpublikum anzieht. Vermutlich haben alle lediglich gemeinsam, dass sie eine Vorliebe für Gitarrenmusik härterer Gangart haben.”

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Und eben diese Form des Understatement ist es auch, die sich durch das ganze Gespräch zieht. Atena sind durch und durch unauffällig, Menschen aus unserer Mitte und eben keine klischeebelasteten Genreextremisten, auch wenn uns Alben wie “Possessed” zuerst das genaue Gegenteil haben glauben machen wollen.

Sie kommen aus dem hohen Norden und sind zweifelsfrei eines: garantiert auf dem richtigen Weg.

Foto: Anine Desire / Offizielles Pressebild

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