
Holywatr
Konzertinfo
- Backstage Club

Ein Abend der wunderbaren Gegensätze.
Während sich der Clubraum des Backstage Kulturzentrums nach und nach füllt, bricht strömender Regen über München herab. Passend zu dem, was Holywatr heute auf die Bühne bringen. Eine passendere Kulisse hätte es kaum geben können.
Für ihre erste europäische Headliner-Tour „I Will Bite Back“ nach dem Release ihres dritten Albums „Deo Gratias“ reisen Fans aus ganz Deutschland nach München. Vor der Bühne kommen Menschen aus Berlin, Hannover und anderen Städten ins Gespräch. Einige haben sogar deutlich weitere Wege auf sich genommen: Holywatr begrüßen während des Konzerts einen Fan, der aus den USA angereist ist. Das nenne ich mal Einsatz!
Den Abend eröffnet die Londoner Band Within Reach. Trotz ihres jungen Alters bringt die fünfköpfige Band eine bemerkenswerte Bühnenpräsenz mit. Zwischen Metalcore und melodischeren Passagen schaffen sie es schnell, eine Verbindung zum Publikum aufzubauen.
Besonders beeindruckend ist dabei die Selbstverständlichkeit, mit der die Band die Bühne einnimmt. Frontmann und Instrumentalisten wirken eingespielt und deutlich erfahrener, als ihr Alter vermuten lässt. Ein gelungener Opener, der die Stimmung für den restlichen Abend spürbar anheizt.
Nach dem Auftritt von Within Reach wird es still im Backstage Club. Die Bühne liegt zunächst im Dunkeln, bis Spotlights von hinten die Schatten durchbrechen und den Raum in diffuses Licht tauchen. Es entsteht eine beinahe intime Atmosphäre. Die ersten Töne erklingen, die Band betritt die Bühne.
Doch die Ruhe ist nur von kurzer Dauer. Immer wieder wechseln sich ruhige, atmosphärische Momente mit explosiven Ausbrüchen ab. Besonders Frontmann Holy treibt die Energie des Abends mit vollem Körpereinsatz voran. Vor der Bühne bilden sich immer wieder Moshpits, während andere Fans sich in den Armen liegen und jede Zeile mitschreien. Die Band eröffnet zeitweise sogar einen Girls-Only-Pit. Die anwesenden Frauen lassen sich nicht zweimal bitten und stürmen los. In einer Szene, die noch immer stark von Männern geprägt ist, sorgt das für einen besonderen Moment.
Holywatr schaffen es, Härte und Melodie ganz einfach miteinander zu verbinden. Besonders stimmlich zeigt sich die Vielseitigkeit der Band: Von eindringlichen melodischen Passagen bis hin zu rohen Vocals bewegt sich Holy scheinbar mühelos zwischen den Extremen. Chandlers Gitarrensolo in „Pure Leaf“ steht dabei ebenso für die musikalische Vielseitigkeit der Band wie die ruhigen Akustikgitarrenklänge von „Winter Pine“.
Sowohl musikalisch als auch inhaltlich lebt Holywatr von Gegensätzen. Härte und Verletzlichkeit stehen dabei nicht im Widerspruch, sondern greifen immer wieder ineinander. Gerade diese Ambivalenz zieht sich durch die gesamte Diskografie der Band und macht einen großen Teil ihrer Anziehungskraft aus. Als die letzten Töne verklingen, wirkt es, als hätte das Publikum alles zurückgelassen, was es an diesem Abend mitgebracht hat: erschöpft, aber gleichzeitig aufgeladen. Die emotionalen Spannungen, die Holywatrs Musik durchziehen, entladen sich an diesem Abend in einem gemeinsamen Moment der Katharsis.
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