

Fotos: Florian Jansen
Wir waren bei der allerersten Ausgabe des Slam Dunk Germany in Oberhausen live dabei!
Die Freude ist groß, als das legendäre Slam Dunk Festival Anfang des Jahres ankündigt, in diesem Jahr endlich auch nach Deutschland zu kommen. Die folgenden Monate verlaufen dann aber nicht ganz störungsfrei für das Slam Dunk Germany. Zum einen passt der Termin – eine Woche vor Rock am Ring und Rock im Park – wohl nicht mehr in jeden Terminkalender. Zum anderen müssen die zunächst angekündigten Static Dress ihre Show wieder absagen. Und dann ist da noch die Posse um den Timetable. Auf den müssen die Fans zugegeben wirklich lange warten, denn er kommt erst wenige Tage vor dem Festival. Nervig, aber nun wirklich kein Grund, sich die Vorfreude komplett vermiesen zu lassen. Ein Eintagesfestival mit zwei Bühnen und insgesamt sieben Bands ist im Vergleich zu den oben genannten mehrtägigen großen Festivals logistisch geradezu harmlos.
Gehen wir also rein in den Festivaltag. Die Turbinenhalle ist ein schon lange erprobter Ort für Tagesfestivals. So fand bis 2024 beispielsweise das Impericon Festival hier statt. Die Kombination aus zwei Bühnen, zwischen denen man wechseln kann und die notwendige Infrastruktur mit guter ÖPNV-Anbindung und ausreichenden Parkplätzen sprechen jedenfalls für die Location unweit des Centro Oberhausen.
Im Frühsommer wäre ein Open-Air-Festival natürlich auch ganz nett, doch an diesem Abend sind angesichts des angekündigten Unwetters wohl alle Besucher:innen froh, ein Dach über dem Kopf zu haben. Das dem Unwetter vorangegangene schwüle Wetter sorgt allerdings dafür, dass schon beim Opener Holywatr fleißig geschwitzt wird. Die Alternative Rock-Band aus Los Angeles ist hierzulande noch nicht allen bekannt, wird aber bei ihrer grundsoliden Show auf der großen Bühne zumindest neugierig beäugt. So richtig in Stimmung kommen die zu dieser frühen Zeit schon Anwesenden noch nicht – 17.30 Uhr an einem Freitag ist aber auch sportlich. Wer schon da ist, wird das frühe Erscheinen aber auch nicht bereut haben.
Weiter geht es mit Shoreline, die als erste Band die kleinere Bühne in der Turbinenhalle 2 betreten. Die Münsteraner gehen schon fast als locals durch und profitieren natürlich von ihrem Bekanntheitsgrad. Vielmehr aber von einer wie eigentlich immer energetischen Show, die auch durch den in der kleinen Halle an diesem Abend nur selten richtig guten Sound nicht beeinträchtigt wird. Klar wird aber auch, dass der Großteil der an diesem Abend Anwesenden etwas härtere Musik bevorzugt.
Das ist auch der Grund, weshalb es selbst bei einer international längst etablierten Band wie Boston Manor zumindest zu Beginn der Show noch recht verhalten zugeht. Im Laufe des etwa 35 Minuten langen Sets taut das Publikum dann aber doch noch auf, was vor allem an Frontman Henry Cox liegt. Im Gegensatz zum Slam Dunk Festival im UK setzt die Band aus Blackpool übrigens vor allem auf neuere Songs und nicht auf das Debütalbum "Be Nothing", das in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag feiert.
Hawthorne Heights sind für den ein oder anderen an diesem Abend sicher ein absolutes Highlight. Immerhin sind die Midwest Emo-Legenden schon seit über sechs Jahren nicht mehr in Deutschland gewesen. Wer aber vor allem für Paleface Swiss oder Knocked Loose nach Oberhausen gekommen ist, kann mit der Band aus Ohio naturgemäß nicht ganz so viel anfangen. Und so bleibt es vor der Bühne überraschend leer. Es scheint, als würden sich viele der Besucher:innen – absolut nachvollziehbar – eine erste Verschnaufpause gönnen. Und so wird die Show von Hawthorne Heights so zu einem fast schon intimen Konzert, das ganz am Ende mit dem Überhit „Ohio Is For Lovers“ noch ein wahres Highlight parat hält.
Apropos Highlight: Paleface Swiss ist die erste Band des Abends, bei der die Turbinenhalle richtig eskaliert. Was genau das Geheimrezept der Schweizer ist, kann auch in Oberhausen nur schwer in Worte gefasst werden. Ist es der brachiale Sound oder sind es die vielen Showelemente? Ist es die auch live eindrucksvolle Stimme von Sänger Zelli oder sind es seine sympathischen und authentischen Ansagen? Vermutlich ist es die Mischung aus all diesen positiven Attributen, die Paleface Swiss zu einer der angesagtesten Live-Bands im Modern Metal macht.
Was schon für Hawthorne Heights galt, ist bei Stand Atlantic erst recht der Fall. Der Slot zwischen den beiden Fan-Lieblingen Paleface Swiss und Knocked Loose wird von vielen ihrer Fans vor allem für die – gerade nach Paleface Swiss – dringend benötigte Pause genutzt. Viel größer könnten die Gegensätze musikalisch auch kaum sein. Bonnie Fraser kündigt die Australier dann auch nicht ganz zu Unrecht als „Disney-Band“ des Abends an. Wer sich auf die Band aus Sydney einlässt, wird mit jeder Menge eingängigen Riffs und Hooklines belohnt. Schade, dass auch Stand Atlantic kein überragender Sound vergönnt ist. Andernfalls hätte sich die von der Bühne ausgehende Energie zweifelsfrei noch deutlich besser im Publikum verteilt.
Dass Knocked Loose ihre Rolle als Headliner des ersten Slam Dunk Germany gut ausfüllen würden, stand schon vor ihrem Auftritt fest. Schließlich hat die Band in den letzten Jahren schon oft bewiesen, dass sie das Zeug für die ganz großen Bühnen hat. Und während der ein oder andere Metallica-Fan vermutlich mit Knocked Loose als Support fremdelt, ist die Turbinenhalle von der ersten bis zur letzten Minute des Sets voll da. Eine Stunde lang wird Vollgas gegeben. Der Schwerpunkt der Setlist liegt auf dem jüngsten Album „You Won’t Go Before You’re Supposed To“, aber auch Fans des älteren Materials kommen auf ihre Kosten. „Billy No Mates“ wird noch zusammen mit Boston Manor-Fronter Henry Cox performt, bevor „Everything Is Quiet Now“ den würdigen Abschluss des Sets und damit auch des Festivals darstellt.
So endet die erste Ausgabe des Slam Dunk Germany nach knapp sechs Stunden Live-Musik. Bleibt noch das Fazit: Aller Anfang ist schwer? Ja, ohne Frage. Die relativ späte Ankündigung, ein Line-Up, das zwar divers ist, aber vielleicht nicht ausreichend Schwerpunkte setzte und eine verbesserungswürdige Informationspolitik trüben den guten Gesamteindruck aber nur leicht. Denn am Festivaltag selbst funktioniert alles perfekt. Die Bands liefern ab, die Location ebenfalls. Dass das Festival nicht ausverkauft ist, sorgt zudem für eine trotz hoher Temperaturen entspannte Stimmung. Der Name Slam Dunk verpflichtet, aber wenn sich Veranstalter Live Nation von den Kinderkrankheiten der ersten Ausgabe befreien kann, steht vielen weiteren Ausgaben des Festivals nichts im Wege.
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