
Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.
Viel los ist ja noch nicht, als Cryptodira die Bühne betreten. Doch unbeirrt davon knüpfen die US-Amerikaner da an, wo Between The Buried And Me anfingen in epischen Längen zu agieren. Tatsächlich klingt das Material, das die Band auf ihrem Debütalbum „The Devil’s Despair“ vorlegte verdammt stark nach dem alten, chaotischen, Mathcore beeinflussten Material, das BTBAM noch auf Alben wie „Alaska“ darboten.
Mit „Constituted I. Constitutum“ beginnt nicht nur das Album, sondern auch das Set der US-Amerikaner auf unfassbar brachiale und verspielte Weise. Kurze cleane Einwürfe erinnern an alte Opeth, während sich der teils sehr Mathcore-orientierte Sound unerwartet windet und dreht. Blast Beats folgen hier auf ruhige Parts und kreieren ein undurchschaubares Gespinst, das den Sänger und Gitarristen sichtbar in Anstrengung fesselt. Nichtsdestotrotz ist er es, der voller Energie über die Bühne springt.
Dem kürzlich verstorbenen Vater des zweiten Gitarristen gewidmet, boten Cryptodira ihren letzten Song dar und ernteten dafür großen Applaus. „In Hell As On Earth“ zeigt Parallelen zu Bands wie The Number Twelve Looks Like You und ist alles in allem ein unfassbar guter Track. Dementsprechend passen Cryptodira, die wohl kaum jemand im Saal vorher kannte, perfekt in das Vorprogramm von Rolo Tomassi und konnten vollends überzeugen. Danke dafür, denn mit Cryptodira habe ich eine neue Band in meiner Playlist, die ich sicher noch oft hören werde!
Rolo Tomassi
Wenn man die düsteren Synthesizer am Anfang von „Rituals“ hört, wird einem schnell klar, dass der folgende Track wenig positives mit sich bringt. Tatsächlich beginnen Rolo Tomassi mit diesem Song auf so verdammt düstere, bedrückende und aggressive Art und Weise, dass man ganz um die ätherischen Passagen der Band vergisst.
