
Text: Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
Mit dem etwas anderen Moshpit.
Knapp ein Jahr nach ihrem letzten Besuch hat uns Lynn Gunn mit ihrem Projekt PVRIS wieder beehrt. An diesem Konzertabend im Kölner Carlswerk Victoria war es interessant zu beobachten, welche Dinge sich innerhalb dieses eher kurzen Zeitraums doch bereits verändert haben. Die Location ist größer, die Crowd ist größer und auch mit Scene Queen hat man sich einen noch größeren Support mit ins Boot geholt. Am beeindruckendsten war jedoch zu sehen, wie viel spürbarer die feministische Energie im Raum war und gleich zu Beginn die empowernde Wirkung von Musik unterstreichen konnte.
Scene Queen
Diese äußerte sich bei Scene Queen natürlich noch ausgeprägter als beim Hauptact. Mit ihrer als “Bimbocore” bezeichneten Musik hat sich Hannah Collins eben auch groß auf die Fahne geschrieben einen Raum zu kreieren, in dem Feminismus über musikalische Extreme transportiert wird. Und das gelingt ihr mit Bravour: Sei es durch ihr expressives Auftreten, ihr wuchtiges Soundbild, ihren einzigartigen Genre-Clash, als auch durch Crowd-Interaktionen wie den legendären Twerkle-Pit, den wahrscheinlich kein:e Konzertbesuchende:r jemals wieder vergessen wird.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)
PVRIS
Den Beginn des PVRIS-Sets markierten “I DON’T WANNA DO THIS ANYMORE” und “ANIMAL”, die gleich klarmachten, dass wir hauptsächlich Songs von “EVERGREEN” (2023) zu erwarten haben. Das eher dunkel gehaltene Bühnenbild verdeckte Drummer Denny Agosto und Bassist Brian MacDonald fast schon, so dass der Fokus automatisch mehr auf Sängerin Lynn Gunn fiel. Die überzeugte mal wieder mit ihrer starken Bühnenpräsenz und ihrem sympathischen Auftreten, das sich vor allem über ihre liebevollen Ansagen transportierte. “You guys are so cool!”
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)
Auch wenn der Sound im Vergleich zum Vorjahr im Gloria Theater etwas matschiger ausfiel, gab es musikalisch eine ganze Menge zu bestaunen. Seien es die zahlreichen Medleys mit geschickten Übergängen zwischen den Songs, die ausgiebigen Jamparts wie zum Ende von “Mirrors”, sowie die gebündelte Energie von Lynn und Scene Queen zum krönenden Abschluss mit “GODDESS”. Gepaart mit der ungemein fröhlichen und angenehmen Pit-Action blieb am Ende eigentlich nichts anderes übrig, als das Carlswerk mit einem fetten Grinsen wieder zu verlassen.
Man kann wahrscheinlich nicht oft genug die Relevanz und die Bedeutung von Shows wie diesen unterstreichen. Auch im Jahre 2024 ist es immer noch nicht selbstverständlich, dass zwei von FLINTA*-Personen geführte Musikprojekte einen Konzertabend gemeinsam gestalten. Dass eine PVRIS-Show sich aber im Laufe von nur einem Jahr so vergrößert hat und der feministische Grundton mehr denn je spürbar ist, zeigt jedoch zum Glück, dass sich etwas tut und verändert. Und damit lässt sich einmal mehr festhalten, was Musik mit dem richtigen Inhalt alles bewirken kann.
Beitragsbild im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)