
Text: Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
Zwischen heißen Riffs und noch heißeren Flammen.
Vergangenen Freitag gab es im RheinEnergieStadion Köln eine Rockshow der Extraklasse zu bestaunen. Nicht nur gaben sich Muse im Rahmen ihres einzigen Stadionkonzerts 2023 in Deutschland die Ehre; obendrauf gab es mit Royal Blood und One Ok Rock auch noch zwei hochkarätige Supports. Bei bestem Wetter füllte sich also nach und nach die Spielstätte des 1. FC Köln, um später von rasanten Riffs und bombastischen Bühnenbildern erfüllt zu werden. Eine bessere Geburtstagsparty hätte sich Muse-Frontmann Matt Bellamy im Nachhinein wahrscheinlich nicht wünschen können.
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One Ok Rock
Den Anfang machte das J-Rock-Quartett One Ok Rock. Die japanische Band gehört zu den größten Bands ihrer Szene und kann trotz des jungen Alters der Bandmitglieder bereits auf eine Karriere von 17 Jahren zurückblicken. Trotz dieses besonderen Status bleibt die Band hierzulande eher ein Nischenact und muss ihr Set noch vor einer relativ spärlich gefüllten Halle zum Besten geben.
Aber das macht der Band um ihren charismatischen Sänger Takahiro Morita nichts aus. Mit viel Spielfreude und Energie präsentieren uns One Ok Rock ihr kurzweiliges Set und schaffen es dabei, das Publikum schon ein wenig in Bewegung zu versetzen.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers (jennasphotoworld)
Royal Blood
Trotz einer größeren Zielgruppenüberschneidung bleibt es auch bei Royal Blood noch relativ licht in den Rängen. Das britische Duo zeigt sich gewohnt cool und setzt den Fokus wieder vermehrt auf ihre Wurzeln. So besteht die Setlist hauptsächlich aus Songs ihrer ersten beiden Platten und lässt die Synth-lastigeren Nummern ihrer aktuellen Platte “Typhoons” (2021) außen vor.
Außerdem gibt es den neuen Brecher “Mountains at Midnight” auf die Ohren, der einmal mehr die Hypothese unterstützt, dass sich die Riff-Connaisseure wieder auf den Kern ihres Sounds besinnen wollen. Nach einem fulminanten Finale ist das Publikum nun bereit für den Hauptact.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers (jennasphotoworld)
Muse
Bei den Ehrengästen des Abends geht es direkt heiß einher. Zum Opening mit “Will of the People” wird ohne Umschweife das Feuer eröffnet und der schiere Bombast einer Muse-Show innerhalb von wenigen Sekunden demonstriert. Mit den darauffolgenden Megahits “Hysteria” und “Psycho” wird das Publikum endgültig auf Hochtouren gebracht.
Die Band zeigt sich dabei bewegungsfreudig und nutzt gleich exzessiv den langen Steg, der in die Mitte des Publikums führt. Den “Origin of Symmetry”-Klassiker (2001) „Bliss“ kündigt Matt Bellamy mit dem scherzhaften Kommentar “This song was released before you were born” an und deutet dabei auf einen jüngeren Fan in den ersten Reihen.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers (jennasphotoworld)
Auf visueller Ebene gibt es wieder Einiges zu bestaunen. Neben futuristischen Masken, einer gigantischen Aufblasfigur und einer Menge Videosequenzen unterstützen Muse ihr opulentes Showkonzept auf stimmige Weise. Interessanterweise lassen sich in der storyhaften Aufmachung des Konzerts starke Parallelen zum Post Human-Konzept von Bring Me The Horizon feststellen.
So gleicht diese Konzipierung fast schon einem multimedialen Erlebnis. Lediglich die Lichtshow kann sich aufgrund des späten Sonnenuntergangs erst gegen Ende des Sets voll und ganz entfalten. Eine spätere Startzeit wäre also durchaus nicht verkehrt gewesen.
Muse demonstrieren ihre musikalische Exzellenz
Auf musikalischer Seite liefern alle Mitglieder einen fantastischen Job ab, egal ob bei den rockigen Nummern ihrer neuen Platte (“Kill Or Be Killed”, “Won’t Stand Down”) oder bei elektronischeren Ausuferungen wie “Madness” oder “Undisclosed Desires”. Allen voran Frontmann Matt Bellamy überzeugt wie gewohnt mit seiner starken Präsenz und seiner hohen Agilität, die er selbst bei den schwierigsten Riffs stets beibehält.
Nach einer abwechslungsreichen Setlist mit Songs aus der gesamten Diskographie präsentieren uns Muse hinten raus noch Fan-Favoriten wie “Supermassive Black Hole” und “Plug In Baby”, bevor man wie gewohnt mit “Knights of Cydonia” in die Nacht entlassen wird.
Auf Muse ist definitiv Verlass. Auch wenn man sich nach bestimmten Songs und Einlagen die Uhr stellen kann, präsentieren uns die Briten immer wieder die ein oder andere Überraschung und machen ihre Shows durch neues Material oder neue visuelle Gimmicks immer wieder besuchenswert.
Gerade in einem so starken Paket wie mit Royal Blood und One Ok Rock entsteht am Ende des Tages ein Konzertabend, der Alternative Rock-Herzen höher schlagen lässt. Das kann auch der mittelmäßige Sound des RheinEnergieStadions nicht mehr versauen. Hoffen wir einfach mal, dass unser Geburtstagskind einen genauso guten Abend wie wir hatte!
Beitragsbild im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers (jennasphotoworld)
