

Text: Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
Die Schlacht zum Dienstag.
Dass sich die Pit-Athlet:innen und die Emohasen an der Kölner Schanzenstraße ausnahmsweise mal nicht auf Palladium und E-Werk aufteilen, hat es wahrscheinlich noch nie gegeben. Aber doch ist es so, dass sich Basement nach ihrer 6-jährigen Abstinenz von deutschen Bühnen mitten in das beinharte Tour-Line-Up von Knocked Loose geschlichen haben. Für die einen vielleicht eine ausgedehnte Pinkelpause, für die anderen wiederum der Grund, sich überhaupt eine Karte zu der ganzen Chose zu kaufen. Wer mit beidem etwas anfangen konnte, hat sich nach den satten 4 Stunden Programm wahrscheinlich ohne Umwege in die Eistonne verfrachtet.
Gleich um 18:30 Uhr wurde schon die erste Vorspeise in Form der britischen Band Pest Control serviert. Mit ihrem zackigen Mix aus Hardcore und Thrash Metal setzte das Quintett direkt den richtigen Tonus für einen energiegeladenen Abend. Auch die noch recht überschaubare Crowd ließ sich gleich zu ein paar gemächlichen Two Steps hinreißen und schubste sich ein wenig zu den zügigen Beats hin und her. Sängerin Leah Massey-Hay überzeugte allen voran mit ihrer starken Bühnenpräsenz und ihrem rauen Gesang, der das ruppige Spiel ihrer Band passend unterstützte.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)
Durch seinen legendären Bühnenmove des “Running Man” sind James Pligge und seine Band Harm’s Way weltberühmt geworden. Diesen besonderen Moment sparte sich die aus Chicago stammende Band clevererweise bis ganz zum Schluss auf. Der zugegebenermaßen sehr beeindruckende Härtegrad ihres Sounds konnte in ihrer kurzen Spielzeit aber leider nicht darüber hinweghelfen, wie unaufregend ihr Songwriting am Ende des Tages bleibt. Gepaart mit der testosterongeladenen Ausstrahlung ihres Frontmanns ließ der Auftritt der Band zumindest mich ein wenig ratlos zurück.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)
Manchmal braucht es nur einen Akkord, um eine Crowd zu aktivieren. Der erste Akkord vom Basement-Klassiker “Whole” ist mit Sicherheit einer davon. Die Briten zelebrierten ihre Rückkehr mit einer Menge an alten Hits von ihren Debütplatten “I Wish I Could Stay Here” (2011) und “Colourmeinkindness” (2012). Dabei zappelten Sänger Andrew Fisher und seine Jungs so freudig herum, dass man gar nicht anders konnte, als bei Zeilen wie “I hate myself, but that’s okay” freudig mit dem Zeigefinger in die Luft zu stechen. Und spätestens der emotionale Abschluss mit “Covet” dürfte auch dem härtesten Spinkicker in den hintersten Reihen ans Herz gegangen sein.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)
Genug geweint, jetzt wird gefuchtelt! Knocked Loose eröffneten das muntere Treiben mit “Thirst”, “Deep in the Willow” und “Mistakes Like Fractures”. Wahrscheinlich dürfte niemand der Anwesenden daran gezweifelt haben, dass an diesem Abend keine Gefangenen gemacht werden. Was die Band aus Kentucky aber sehr sympathisch machte, war, wie sie von der Crowd eben nicht nur Pit für Pit erwarteten. So versuchten Sänger Bryan Garris und Gitarrist Isaac Hale immer wieder die ganze Crowd mit einzubeziehen, indem sie dazu aufforderten, einfach nur mit den Armen zu Wippen oder sie von Links nach Rechts zu bewegen. Etwas, was bei so brachialer Musik gar mal nicht so üblich ist.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)
Knocked Loose legen bei ihren Shows eine unglaubliche Souveränität an den Tag, die sie gleichermaßen cool wie auch authentisch wirken lässt. Sie vertrauen auf ihre Songs und versuchen nicht, künstlich Momente zu erzeugen, die sowieso entstehen würden – eben weil es ihre Musik auch wirklich hergibt. So muss das Publikum nicht darum gebeten werden, vor dem knochenzerschmetternden Finale von “Everything Is Quiet Now” den Raum vom Wellenbrecher bis zum Mischpult zu teilen. Hier ist sogar Zeit, um freundlich zu suggerieren, dass man das Handy auch mal in der Tasche lassen könnte, um sich ganz dem Moment hinzugeben. Oder das stylische Bühnenbild nicht durch einen Bildschirm zu bestaunen.
Eine gute Headline-Band weiß, wann sie die Leute gehen lassen muss. Aber Respekt an alle Personen, die noch länger auf dem Schlachtfeld durchgehalten hätten! Für eine Formation in ihrem Genre stehen Knocked Loose mit einer vollen Stunde Spielzeit und satten 18 Songs die Punktlandung. Auch hier scheint wieder die bereits angesprochene Souveränität durch: Das Quintett weiß einfach, dass sie ihren Fans alles gegeben haben. Wie soll man auch das finale Breakdown-Gewitter bei “Sit & Mourn” mitsamt Sänger Bryan Garris an der dritten Gitarre noch überbieten? Spätestens jetzt hat man an diesem einzigartigen Konzertabend wirklich alles gesehen.
Beitragsbild im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)