Hundredth haben mit ihrem Genrewechsel auf dem 2017er Album „Rare“ für einigen Aufruf unter den Fans gesorgt. Statt Melodic Hardcore mit Shouts von Frontmann Chadwick Johnson gab’s plötzlich Shoegaze-artigen Rock mit Pop-Punk-Einflüssen und cleanen Gesangslinien, der an Turnover oder auch Balance and Composure erinnert. Mit den letzten Singles bekräftigte die Band – die kollektiv hinter dem Umschwung steht – diese Ausrichtung nachträglich und schob sich mit Songs wie „Iridescent“ noch weiter in melancholische, 80er beeinflusste Soundsphären.
Hundredth zurück auf europäischen Bühnen
Drei Jahre Abstinenz von deutschen Bühnen liegen hinter der Band. Damals tourten Hundredth noch mit Silent Planet und den später aufgelösten Landscapes im Gepäck sowie The Pariah in Oberhausen. The Pariah-Gitarrist Paul wurde am heutigen 19. Februar auch im Publikum gesichtet. Es wird spannend, wie das Publikum auch live mit der musikalischen Neuausrichtung umgeht. Ein erster Test für Fans aus der Kölner Bucht und umliegenden Regionen bot sich dann am heutigen Abend auf der ersten Deutschland-Show der Tour. Mit dabei hat die Band aus Myrtle Beach den Solo-Künstler Ryan Caraveo aus Seattle.
Hundredth und das Ding mit der Fanbase
Einlass ins Ehrenfelder Artheater unweit des Erdlochs, wo einst das legendäre Underground stand ist um 19:00 Uhr und es gibt bereits einige recht junge und vorwiegend weibliche Gäste, die zeitig den kultigen Club stürmen. Und dann ändert sich sehr lange kaum etwas. Dass es nicht unbedingt einfach wird, auch die loyalen und musikalisch aufgeschlossenen Fans mitzuziehen und neue zu gewinnen, war der Band sicher bewusst. So verkauften sie vor einiger Zeit sogar höchst selbstsicher und humorvoll Taschentuchboxen für alle Hater des neuen Sounds. Und die Komplexität zeigt sich in den nächsten 60 Minuten vorerst bitterlich. Bis zum Einlass in den Konzertraum um 20:00 Uhr finden sich ca. 30 Personen ein. Gut, das wird ein entspannter Abend, denke ich mir. Ein wenig überrascht bin ich dennoch, dass gerade in einer der Konzerthauptstädte Deutschlands so wenig Publikum erscheint.
Ryan Caraveo: Emo-Rap aus der Geburtsstadt des Grunge
Weitere 30 Minuten Wartezeit später dann steht der Solokünstler Ryan Caraveo auf der Bühne und hat Hundredth-Frontmann Chadwick Johnson und Drummer Anthony Ghazel als Backing-Band auf der Bühne, während Basslinien und Soundeffekte aus dem Notebook kommen. Der 27-Jährige präsentiert seine Version des Emo-Raps im Stil von Lil Peep oder anders formuliert: einen typischen aber unaufgeregten Twenty One Pilots-Hip-Hop. Jede Sechzehntel der Downtempo-Songs bekommt eine Silbe und wird so zu einem flächigen Netz über der reduzierten Instrumentierung. Es ist wirklich schwierig, Höhen oder Tiefen oder so etwas wie Energie oder Euphorie in den Songs auszumachen, die zeitweise auch mit stereotypen Elementen aus dem Trap, wie schnellen HiHat-Patterns oder abgehackten Sechzehntel-Vocal-Betonungen daherkommen.