Live
Alternative Post-Hardcore Rock
Live bei: Fjørt in Köln (28.03.2026)
Der perfekte Tour-Abschluss.
VON
Mauritz Hagemann
AM 01/04/2026
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Mülheim gehört allgemein nicht zu den attraktivsten Stadtteilen Kölns. Das ändert sich regelmäßig, wenn an der Schanzenstraße entweder das Palladium oder das direkt gegenüber gelegene E-Werk die Pforten öffnen. An diesem Samstagabend werden sogar beide Locations bespielt, was angesichts des chronischen Parkplatzmangels (oder Auto-Überschusses) in Köln für alle, die mit einem eigenen PKW anreisen, natürlich für reichlich hohen Blutdruck sorgt. Wer es aber geschafft hat, sein Auto irgendwo abzustellen, kann sich aussuchen, ob man es etwas asozialer mag und ins Palladium zu Swiss & Die Andern geht oder doch lieber Punkrock für Intellektuelle hört und sich für Fjørt in die Schlange am E-Werk anstellt. Wir wählen Variante 2 und haben so das Glück, die in Sachen Sound und Atmosphäre deutlich angenehmere Location zu erwischen.
Koj
Apropos Sound und Atmosphäre. Damit überzeugt auch der Support-Act Koj. Bei Fjørt kann man sich eigentlich immer sicher sein, dass es ein richtig gutes oder zumindest interessantes Vorprogramm gibt. Das ist auch auf dieser Tour nicht anders. Koj gibt es inzwischen seit über 15 Jahren und damit sogar etwas länger als Fjørt selbst. Man merkt Sängerin Alina von der Gathen und ihren beiden Kollegen – beziehungsweise Ehemann und Schwager – auch direkt ihre Routine an. Koj wissen sehr gut, was sie da machen und können so ohne Probleme das Publikum im bereits gut gefüllten E-Werk in ihren Bann ziehen. Gerade im Vergleich zu Fjørt geht es natürlich deutlich ruhiger zur Sache. Das gehört bei Koj allerdings auch zum Programm. Die Band überzeugt mit ihrem sphärischen Sound. Das ist zwar kein klassisches Aufwärmprogramm, aber etwas, das sich wohl jede:r im E-Werk gerne ansieht und anhört. So bleibt nach dem sieben Songs starken Set am Ende vor allem die Frage offen, weshalb Koj nicht längst viel größer sind.



Fjørt
Kurz nach 21 Uhr betreten dann endlich Fjørt die Bühne. Vorhang auf für das große Tourfinale. Das E-Werk ist zwar nicht restlos ausverkauft, aber doch sehr gut gefüllt. Und das ist für eine Band wie Fjørt, die sich zwar beständig nach oben gespielt haben, aber immer noch – ganz bewusst – ein wenig Nischen-Band sind, eine ziemliche Ansage. Zu Beginn des Sets lassen Fjørt das akutelle Album „belle époque„ außen vor und geben Songs wie „Südwärts“ und „Anthrazit“ zum Besten. Songs, die längst als Klassiker durchgehen und daher auch in Sachen Stimmung eine sichere Bank sind. Daher verwundert es auch nicht, dass das Publikum beim Quasi-Heimspiel – die Band kommt bekanntlich aus der Kaiserstadt Aachen – von der ersten Minute an voll da ist. Was hier wieder einmal auffällt: Sympathische Bands haben in der Regel auch ein sympathisches Publikum. Und so geht es nicht nur auf, sondern auch vor der Bühne trotz aller Ekstase durchweg aufmerksam und solidarisch zu.



Schlichtes Bühnenbild, starke Message
Fjørt gehören zu den Bands, die sich sowohl beim Bühnenbild als auch bei den Ansagen dezent zurückhalten. Kein Problem, denn Musik und Texte sprechen ohnehin für sich. Wenn Gitarrist Chris Hell oder Bassist David Frings dann doch mal zwischen den Songs an die Mikros, dann vor allem, um sich zu bedanken. Bei der Crew, bei den Fans, bei allen, die Fjørt auf ihrer Reise begleitet haben. Das klingt nur im ersten Augenblick abgedroschen, weil es hier definitiv von Herzen kommt und authentisch ist. Der Gänsehaut-Moment dieses Abends ist dann auch eine Ansage. Im Song „`43“ nutzt David Frings das Bad in der Menge, um sich einmal alle Sorgen von der Seele zu reden. Sorgen über den Zustand unserer Gesellschaft, Sorgen über das immer weiter gehende Erstarken von Rechtsaußen. Und auch hier gilt: Keine stumpfen Parolen, sondern authentisches Teilen von Gedanken.




Fjørt zeigen ihre eindrucksvolle Diskographie
Mit über 100 Minuten Länge bieten Fjørt dem begeisterten Publikum an diesem Abend ein Set, das wohl keine Wünsche offen lässt. Die Auswahl der Songs ist ein wilder Ritt durch die Bandgeschichte. Alle fünf bisher erschienenen Alben werden bedacht. So zeigen Fjørt bei diesem denkwürdigen Tourfinale auch eindrucksvoll, welch umfassenden Katalog an Songs sie inzwischen haben. „belle èpoque“ fügt sich nahtlos in die Diskographie ein und ist der Beweis dafür, dass Fjørt noch lange nicht am Ende sind. Das 15-jährige Bandjubiläum im nächsten Jahr kann also kommen – und gerne noch viel mehr.
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