
Ein starkes Paket!
Endlich haben es Bring Me The Horizon mit der „Post Human“ Tour nach Europa geschafft! Wegen pandemiebedingter Unsicherheiten wurde die damals noch „Survival Horror“ betitelte Tournee um ein Jahr verschoben. Am 02. Februar gab es nun mit mächtigen Supportbands den Startschuss für das deutsche Leg in Hannover – wir waren einen Tag später in der Max-Schmeling-Halle in Berlin zu Gast, um dem Spektakel beizuwohnen.
Static Dress
In der gut halbvollen Max-Schmeling-Halle beginnt der Abend in rotem Schein – von der Bühnenbeleuchtung bis hin zu Static Dress-Fronter Olli Appleyards Haaren. Eigentlich sollten Lorna Shore an dieser Stelle eröffnen. Durch die Verschiebung konnten diese nicht mehr am Start sein, sodass nun die aus Manchester stammende Truppe Static Dress diesen Platz einnehmen. Ein ziemlicher Genre-Shift, der der Stimmung allerdings keinen Abbruch tut. Das erste „Open this shit up!“ des Abends, auf das noch viele weitere folgen werden, fällt nach starken 7 Minuten. Wenn auch zuerst zögerlich, folgt die Menge. Mit guten 25 Minuten alternativer Up-Beat-Tracks startet der Abend schwungvoll und ohne große Aussetzer.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Thomas Eger (Blackchester)
POORSTACY
POORSTACY ist wohl der Künstler auf dem Line-Up des Abends, der stilistisch den größten Bruch mit sich bringt. Aufgrund von Oli Sykes‘ Feature auf POORSTACYs Track „Knife Party“ lässt sich allerdings gut herleiten, warum der junge Emo-Rapper aus Florida es mit nach Europa geschafft hat. In diesem Set fällt der erste Moshcall schon, bevor Lied Nummer 1 überhaupt beginnt. Kurz unterbrochen wird die Publikumsaufwärmung von technischen Problemen, die allerdings schnell gelöst und wieder vergessen sind. Auch unreleaste Lieder werden für das Set ausgepackt, die – wenn auch weiter von BMTHs Stil entfernt – vom Publikum nicht abgelehnt werden.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Thomas Eger (Blackchester)
A Day To Remember
Mit Beginn des Sets der US-Amerikaner wird klar: Ein guter Anteil der Besucher*innen sind nicht wegen BMTH hier. Und sie werden nicht enttäuscht. Denn mit einer Setlänge von einer knappen Stunde und 13 Songs macht Special Guest A Day To Remember fast dem Headliner selbst Konkurrenz. Ihre laufendende EU-Tour mussten ADTR letzten Sommer unerwartet verkürzen, sodass die Freude bei den Fans in Berlin nun umso größer ist. Noch emotionaler wird ihr Auftritt durch Sänger Jeremy McKinnons Ankündigung, dass BMTH die erste Band gewesen sei, die sie mit nach Europa genommen haben. Hier wieder gemeinsam auf Tour zu sein, schließt also einen sentimentalen Kreis.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Thomas Eger (Blackchester)
Aber nun zum Auftritt selbst. Von Pyro um die Bühne bis hin zu Props in Form von großen Plastikbällen, die Gruppe aus Florida holt aus. Eröffnet wird mit dem 2009er Hit „The Downfall of Us All“, direkt gefolgt von „All I Want“. Kein Wunder also, dass die Stimmung direkt hochkocht. Es folgt eine Mischung der Songs der letzten fünf Album, samt Performance von „I’m Made of Wax, Larry, What Are You Made Of?“ zum Albumjubiläum von „Homesick“. Zum Abschluss gibt es noch eine Solo-Akustik-Einlage zu „If It Means A Lot to You“, die dem lauten Mitsingen des begeisterten Publikums vollen Raum lässt. Zum Abschluss noch „All Songs Point to Lauderdale” – dann ist das Set des Mini-Headliners erfolgreich beendet. Und die aufgewärmte Menge bereit für den eigentlichen Act des Abends.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Thomas Eger (Blackchester)
Bring Me The Horizon
Nach drei Supports und glatten drei Stunden seit Beginn des Abends ist es um 21.30 Uhr endlich soweit: Die Halle wird dunkel, Zeit für BMTH. Ava – eine Roboteranimation, die auf den Bühnenbildschirmen erscheint – führt das Publikum in den Abend und die Erfahrung „Post Human“-Tour ein. „Scanning for Pits“ macht Ava den Auftrag für den Abend klar: Es wird gemosht, es wird getanzt. Nicht schwer zu erfüllen, indem BMTH nach dem Intro mit keinem geringeren Song als „Sempiternal“-Opener „Can You Feel My Heart“ den Abend eröffnet. Spätestens mit dem ersten ikonischen Drop holt Sänger Oli Sykes die Zuschauer:innen auf seine Seite.
Die Setlist vereint viele erwartete Banger, schreitet allerdings zeitlich nicht über „Sempiternal“ heraus. Wie der Name verrät, liegt der Fokus auf der aktuellen Platte „Post Human: Survival Horror“, die Tracks wie „Teardrops“, „Kingslayer“, oder laut Olis Ansprache auf der Bühne „das einzig gute, was aus der Pandemie rausgekommen ist“, nämlich „Parasite Eve“ mit sich bringt. Auch die kürzlichen veröffentlichten Singles „Die4U“ und „Strangers“ haben ihren Platz, wobei vor allem letzterer auch textlich einen besonderen Live-Nerv trifft: „We’re just a room full of strangers, looking for something to save us.“
Ein Fest der Bring Me The Horizon-Klassiker
Kombiniert sind es dennoch die beiden Alben, die BMTH wohl zu der Band gemacht haben, die sie heute sind, die die Setlist dominieren – „Sempiternal“ und „That’s the Spirit“. Mit „Shadow Moses“ („This! Is! Sempiternal!“) wird ein Fan Favourite gefeiert, bei der Akustik-Einlage von „Follow You“ sitzt einer Hälfte des Publikums auf den Schultern der anderen. Natürlich bringt „Drown“ die Menge zum crowdsurfen, während Oli im Bühnengraben den eingeschweißten Fans Aufmerksamkeit, High Fives und Umarmungen gibt. Zum „Sempiternal“-Jubiläumsjahr gibt es im Encore als besonderen Treat noch „Sleepwalking“, bevor das Set mit „Throne“ seinen krönenden Abschluss findet.
All in all: Bring Me The Horizon ist nicht umsonst zu einer Band geworden, die Reading & Leeds problemlos headlined. Es ist kein Konzert, sondern eine Show. Die Bildschirmshow ist groß, die Setlist gespickt mit Hits. Wer sich die Band der alten Schule wünscht, wird nicht auf seine Kosten kommen. Wer sich allerdings auf ein paar neue Tracks, gemischt mit garantierten Klassikern einlassen möchte, ist bei der „Post Human“ Tour am richtigen Fleck.
Die ganze Setlist in Reihenfolge findet ihr übrigens hier.

A Day To Remember
A Day To Remember gründeten sich 2003 im US-amerikanischen Ocala, Kalifornien. Ins Leben gerufen wurde die Band von den heute noch aktiven Mitgliedern Jeremy McKinnon (Gesang), Neil Westfall (Gitarre)…
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