
Vom Lagerraum zu den Festivalbühnen: Wie Nevertel mit TikTok, Linkin Park und Freundschaft durchstarteten
... und eine Show alles veränderte.
Jonas ist einer der Heads von MoreCore und kümmert sich hauptsächlich um die Pressearbeit, Zahlen, diverse Projekte sowie die Kommunikation mit Partnern, Labels und Bands. In seiner Freizeit vertritt er in Perfektion die kölsche Lebensart, die er nach zehn Jahren in der Rheinmetropole bestens adaptiert hat. Dazu gehört auch, für jeden im Team ein offenes Ohr zu haben! Zudem ist er auf vielen Konzerten und Festivals anzutreffen, schwingt super gerne mal den Kochlöffel und schreibt nebenher Musik für Kinder. Beruflich arbeitet Jonas als Lehrer für Sonderpädagogik an einer inklusiven Grundschule in Leverkusen.
Was heute wie der Aufstieg einer jungen Band wirkt und sich Nevertel nennt, begann vor mehr als einem Jahrzehnt ganz unspektakulär: mit drei Freunden aus Tampa, Florida, die ihre Zeit mit Videospielen und ersten Songideen verbrachten. Damals hieß das Projekt noch Living Fiction, und niemand konnte wirklich sagen, wohin die Reise führen würde.
Das Potenzial zeigte sich erst Jahre später
„Am Anfang war das einfach etwas, das wir aus Spaß gemacht haben“, erinnern sich Jeremy Michael und Raul Lopez. Die Idee, irgendwann professionell Musik zu machen, war zwar immer da, aber noch weit entfernt. Mit jeder Veröffentlichung wurde die Sache ernster, die Band entwickelte sich weiter. Doch erst viele Jahre später sollte sich zeigen, welches Potenzial wirklich in diesem Projekt steckte.
Der Moment, in dem sich alles veränderte, kam überraschend spät. „Ich glaube, wir haben das langfristige Potenzial dieser Band erst wirklich erkannt, als wir 2024 unseren Deal mit Epitaph unterschrieben haben“, erzählen sie. Mit einem Label, das Künstlern große kreative Freiheit lässt, und einem Manager, der genauso an das Projekt glaubte wie die Band selbst, fühlte sich ihre Zukunft plötzlich greifbar an. „Unser langfristiger Erfolg war auf einmal nicht mehr nur eine Möglichkeit, er fühlte sich fast unvermeidlich an.“
Die Nacht, in der Linkin Park alles veränderten
Doch die eigentliche Geschichte von Nevertel reicht noch weiter zurück. Denn zu einem Zeitpunkt, an dem die Band eigentlich schon fast Geschichte war, brachte ein Konzert alles wieder ins Rollen.
Für Raul Lopez war der Besuch einer Linkin-Park-Show während der Carnivores-Tour ein Wendepunkt. „Ein Jahr vorher hatte ich mit Musik eigentlich komplett abgeschlossen“, erinnert er sich. „Ich lebte ein normales Leben, aber es war immer dieses Gefühl von Leere da.“ Das Konzert sollte eigentlich nur ein Abend sein, um eine Lieblingsband live zu erleben. Stattdessen wurde es zu einem emotionalen Schlüsselmoment.
„Die Energie in der Arena war unglaublich. Die Leute haben jede Zeile mitgeschrien, manche haben sogar geweint. Besonders der Moment, als das Intro zu „Guilty All The Same“ begann, das war überwältigend.“ Für Lopez wurde in diesem Moment klar, was ihm gefehlt hatte. Linkin Park hatten etwas geschafft, das ihn bis heute fasziniert: eine Verbindung aus Rap, Rock und Emotion, die gleichzeitig authentisch und kraftvoll wirkte.
„Ich komme eigentlich aus dem Hip-Hop. Dass eine Band es schafft, einen Hip-Hop-Kid zu einem Rock-Kid zu machen, das können nicht viele.“ Kurz darauf nahm die Geschichte von Nevertel wieder Fahrt auf.
Vom Lagerraum ins Internet – und in die Szene
Der nächste große Wendepunkt kam einige Jahre später, und er hatte mit einem Ort zu tun, den man normalerweise nicht mit musikalischen Durchbrüchen verbindet: einem Lagerraum. 2022 begann die Band damit, Videos aus ihrem Proberaum auf TikTok und Instagram zu posten. Damals war das für Bands noch keineswegs selbstverständlich.
„Wir haben dieses Tool sehr früh genutzt“, erzählen sie. „Ein paar virale Momente später liefen unsere Songs plötzlich regelmäßig bei SiriusXM Octane.“ Die Folgen waren enorm. Innerhalb kurzer Zeit wuchs ihre Online-Community rasant: Hunderttausende Follower:innen auf Instagram, Hunderttausende monatliche Hörer:innen auf Spotify, und vor allem neue Kontakte innerhalb der Szene.
Über die Band Sleep Theory entstand schließlich der Kontakt zu Manager Steve Richards. Daraus entwickelte sich der Plattenvertrag mit Epitaph und eine Reihe von Tourmöglichkeiten, die die Band nach eigener Einschätzung eigentlich noch gar nicht hätte bekommen sollen. „All diese Beziehungen haben letztlich zu dem geführt, was wir heute erleben.“
„Start Again“ – ein Album über Wachstum
Mit ihrem aktuellen Album Start Again erzählt die Band genau diese Geschichte weiter. Die Songs entstanden über mehrere Jahre hinweg, ohne den Druck eines festen Abgabetermins. Diese Freiheit gab der Band die Möglichkeit, musikalisch neue Wege zu erkunden und Songs über längere Zeit zu entwickeln. „Wir konnten wirklich mit den Songs leben und sicher sein, dass wir sie auch mit etwas Abstand noch lieben“, erklären sie.
Dabei ging es nicht nur um Musik, sondern auch um persönliche Entwicklung. Viele Songs beschäftigen sich mit Selbstzweifeln, Heilungsprozessen und der Idee eines Neuanfangs. „Das Album war gleichzeitig eine Reflexion über unser Leben und eine Dokumentation unseres Wachstums.“
Während der Arbeit an Songs wie „Criminal“, „Break the Silence“ oder „ICON“ wurde der Band irgendwann klar, dass sie musikalisch genau dort angekommen waren, wo sie als Jugendliche immer hinwollten. „Frühere Releases waren eher ein Experimentieren mit Genres. Dieses Album war unser erster Versuch, etwas Zeitloses zu schaffen.“
Warum Zusammenarbeit manchmal der Schlüssel ist
Ein wichtiger Unterschied zu früheren Releases war auch der kreative Prozess. Während Nevertel lange sehr DIY-orientiert gearbeitet hatten, öffneten sie sich diesmal bewusst für externe Songwriter und Produzenten. Und diese Entscheidung erwies sich als entscheidend. „Viele Musiker denken, alles müsse komplett von ihnen selbst kommen, sonst wäre es nicht authentisch“, sagen sie. „Aber wir haben gelernt, dass das Gegenteil der Fall sein kann.“ Die richtigen Kollaborationen helfen dabei, das herauszuarbeiten, was eine Band einzigartig macht. „Du bist immer noch der Kapitän des Schiffes, aber plötzlich hast du eine Crew.“
Deutschland fest im Blick
Im Sommer wird die Band erstmals auf mehreren großen Festivals in Deutschland zu sehen sein, darunter Impericon Festival und Vainstream. Für Nevertel ist das mehr als nur ein weiterer Karriereschritt. „Das bedeutet uns unglaublich viel“, sagen sie. „Wir haben bisher erst einmal in Deutschland gespielt.“
Dass sie nun auf einigen der bekanntesten Festivals des Landes auftreten dürfen, fühlt sich für sie wie eine besondere Auszeichnung an. „Deutsche Fans sind wild und unglaublich leidenschaftlich.“
Kurz darauf folgt auch eine Clubtour durch Deutschland gemeinsam mit Ocean Sleeper. Und gerade diese kleineren Shows haben für die Band inzwischen eine ganz eigene Bedeutung. „Festivals machen Spaß, aber nichts kommt an einen Raum voller Menschen heran, die jeden Song kennen und ihn dir zurückschreien.“
Instagram Post
Eine Reise, die gerade erst beginnt
Wenn Nevertel heute auf ihren bisherigen Weg zurückblicken, sehen sie vor allem eines: harte Arbeit. „Nichts Großes entsteht ohne große Opfer“, sagt Jeremy Michael. „In dieser Branche bekommt man nichts geschenkt.“ Gleichzeitig hat die Band etwas Wichtiges über sich selbst gelernt. „Ich habe erkannt, dass ich zu viel mehr fähig bin, als ich mir früher zugetraut hätte“, so Jeremy.
Und vielleicht ist genau das der Kern der Geschichte von Nevertel: eine Freundschaft, die aus Videospielen und Musik entstand und sich über Jahre hinweg zu etwas entwickelt hat, das größer geworden ist als alle ursprünglichen Erwartungen. „Wir haben noch viel zu lernen“, sagen sie. „Aber unsere Reise bisher gibt uns das Gefühl, dass wir gemeinsam alles erreichen können.“
Foto: Bryan Kirks / Offizielles Pressebild



