
Rock am Ring: 8 riesige Bands, die auf der kleinen Orbit Stage angefangen haben
Glück gehabt, wer damals schon vor der kleinen Bühne stand.
Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.
Es gibt kaum eine schönere Geschichte als die von der neuen Hype-Band, die man schon vor Jahren in dem einen kleinen Club oder mittags auf einer der Festival-Nebenbühnen gesehen hat – gemeinsam mit 25 anderen Leuten, die es entweder nicht besser wussten und sich dorthin verlaufen hatten oder eben schon früh den richtigen Riecher hatten.
Auch bei Rock am Ring gibt es diese Bands und Artists, die man in einer vergleichsweise intimen Atmosphäre erleben kann, weil sie auf der „kleinen“ Bühne, der Orbit Stage (früher Clubstage), spielen. Seit Anfang der 2010er ist die Bühnenverteilung so, wie wir sie auch heute kennen: Die Hauptbühne (Utopia) neben der Boxengasse und Tribüne, die „mittlere“ auf der anderen Seite, die früher Alterna und heute Mandora Stage heißt, und eben die Orbit Stage. Früher gab es sogar mal eine Comedy Stage, aber auch ein Zelt mit zwei Bühnen und 2025 eine vierte Bühne im hinteren Teil des Festivalgeländes.
Das Besondere an der Orbit Stage ist nicht nur die Nähe zwischen Publikum und Band, sondern auch die fehlende TV-Übertragung und das oftmals etwas nischigere Programm – meist bestehend aus weniger bekannten Acts. Das wiederum erhöht den Reiz, hier auch blind vorbeizuschauen, denn professionelle Aufzeichnungen der Auftritte gibt es in der Regel nicht und die „Hit-Dichte“ unter den Acts ist relativ hoch.
Rock am Ring: Diese großen Bands haben ihr Debüt auf der kleinen Bühne gegeben
Weil wir diese Bühne so sehr lieben, haben wir mal einige Bands und Artists aus den vergangenen Jahren rausgesucht, die heute einen großen Namen haben, in der Vergangenheit aber sicherlich von vielen übersehen wurden, weil sie auf der kleinen Bühne und oft sogar relativ früh gespielt haben.
1. Periphery (Rock am Ring 2012)
Die Djent-Pioniere von Periphery gehören heutzutage zu den wichtigsten Vertretern ihres Fachs.
Nach ihren ersten Deutschland-Shows im Jahr 2011 spielten die US-Amerikaner nur eine kleine Handvoll Festival-Shows in Europa. Eine davon war bei ihrem bis heute einzigen Rock am Ring-Auftritt, bei dem sie den Sonntag als erste Band auf der Clubstage eröffneten. Der dürftige Sound der Bühne kam Periphery alles andere als entgegen, was die Band jedoch nicht davon abhielt, ordentlich abzureißen.
Zuletzt waren Periphery bei uns als Support für Spiritbox in den größeren Hallen des Landes unterwegs und werden im Sommer 2026 wieder auf eigener Headliner-Tour zu sehen sein.
2. Ghost (Rock am Ring 2012)
Pünktlich zum Sonnenuntergang gegen 21:30 Uhr gaben Ghost 2012 ihr Debüt am Ring auf der damaligen Clubstage. Noch weit entfernt von der großen Bühnenshow, die man heute von den Schweden kennt, waren Ghost in diesem Jahr noch ein absoluter Geheimtipp.
Zwar war man kurz zuvor als Opener für Mastodon und Opeth in den USA auf Tour gewesen, die ersten Songs der Band waren aber gerade mal zwei Jahre zuvor bei Myspace hochgeladen worden. Mit ihren weißen Mönchskleidern wirkte die Band auf viele Unwissende höchst bizarr, doch wusste man auch erst wenige Jahre später um den Kult, der sich um Ghost entfachen sollte.
3. A Day To Remember (Rock am Ring 2009)
A Day To Remember hatten gerade frisch ihr Hit-Album „Homesick“ veröffentlicht, als sie 2009 um 20:10 Uhr im Soundwave Club Tent auf der Bühne standen. Das Club Tent hatte zwei Bühnen, die abwechselnd bespielt wurden und in dem mittags noch ein Bandcontest stattgefunden hatte.
Gerade an diesem Samstag bekamen alle Fans von Emo, Punk und Post-Hardcore ein ganz besonderes Programm geboten, denn neben ADTR spielten auch The Red Jumpsuit Apparatus, Alexisonfire, The Gaslight Anthem und You Me At Six im Zelt. Schon 2010 ging es für A Day To Remember auf die mittlere Stage – „kleiner“ wurde es danach nicht mehr.
4. Architects (Rock am Ring 2011)
Architects zählen mittlerweile sicherlich zu den ganz großen Namen im Metalcore. In den vergangenen Jahren haben sie sogar den Sprung ins Vorprogramm von Linkin Park auf deren Stadion-Tour geschafft und werden im Herbst auch als Support für Korn dabei sein.
Selbstverständlich sind die Briten über die Jahre gewachsen und konnten seither auch in diversen kleinen Clubs erlebt werden. Doch schaut man sich die „Ring-Karriere“ der Architects an, so gaben sie 2011 ihr Debüt auf der Clubstage und spielten um 19:50 Uhr nach The Devil Wears Prada und Asking Alexandria. 2026 sind die Architects wieder dabei: um 19:20 Uhr auf der Utopia, der Main Stage.
5. Kraftklub (Rock am Ring 2011)
2011 gaben nicht nur die Architects ihr Debüt am Ring, auch Kraftklub stellten sich dort dem Publikum vor, und das wohl im wahrsten Sinne des Wortes.
Im Sommer 2011 hatte das Quintett noch keinen ihrer großen Hits wie „Ich will nicht nach Berlin“, „Songs für Liam“ oder „Zu jung“ veröffentlicht. Letzterer erschien erst im August desselben Jahres, das Durchbruch-Album „Mit K“ erst im Januar 2012. Seither ist viel passiert und mittlerweile zählen Kraftklub zur hiesigen Headliner-Riege für die meisten großen Festivals in Deutschland.
6. Crazy Town (Rock am Ring 2014)
Viele staunten nicht schlecht, als sie Crazy Town im Lineup von Rock am Ring 2014 entdeckten. Ganze 15 Jahre nach Erscheinen ihres Debüt-Albums „The Gift Of Game“ mitsamt Hit-Single „Butterfly“ blieb dieser Auftritt der einzige in der Geschichte der Band bei Rock am Ring und kam wohl viele Jahre zu spät.
Man versuchte nicht nur, durch Flyer vor Ort auf die Show hinzuweisen und sich in Erinnerung zu bringen, die Band war bis auf die Sänger Shifty und Epic auch eine gänzlich andere. Auch wenn Crazy Town zu dem Zeitpunkt längst nicht mehr die Bekanntheit vergangener Tage besaß, war es für viele eine der wenigen Chancen, die Band überhaupt zu erleben – und das am Sonntagnachmittag auf der Clubstage (zwischen Chevelle und Seether).
7. Spiritbox (Rock am Ring 2022)
Spiritbox, die Band um Sängerin Courtney LaPlante, brauchte nicht allzu lange, um eine große Fanbase für sich zu gewinnen. Im Corona-Jahr 2021 hätte die Metalcore-Band ihr Rock am Ring-Debüt geben sollen, holte dies aber ein Jahr später nach – am frühen Abend auf der Orbit Stage.
Seither scheint die Band ein Dauerticket gebucht zu haben, denn 2023 spielte die Gruppe auf der Mandora und 2025 sogar am Abend auf der Utopia Stage vor Bullet For My Valentine und Slipknot.
8. The Warning (Rock am Ring 2023)
The Warning sind eines der plakativsten Beispiele in dieser Liste. 2023 hatten die Mexikanerinnen sicherlich nur wenige auf dem Schirm, als sie die Orbit Stage am Sonntag früh eröffneten.
Mittlerweile ist das Trio weltweit unterwegs und spielt regelmäßig auf den größten Bühnen, wie etwa auf der aktuellen Yungblud-Welttour als Support. Auch am Ring sind The Warning schnell aufgestiegen und spielten 2025 am Nachmittag auf der Utopia Stage.



