
Nova Twins: „Genau das ist das Problem: Die Vorstellung der Leute davon, wie Rockmusik und die Acts dahinter aussehen sollen“
Das Duo über künstlerische Selbstbestimmung im Musikbusiness.
Immer gut gelaunt und stets mit einem Lächeln auf den Lippen nimmt sich Sporty-Spice-Energiebündel Cassy, neben ihren Jobs als Pilates- und Jumping-Fitnesstrainerin, gerne auch Zeit für eine ausführliche Albumrezension. Wenn sie sich dann doch mal etwas Zeit für sich freischaufelt, kümmert sie sich liebevoll um ihre Kollektion seltener Pflanzen, macht es sich für `nen Star Trek Marathon (kein Star Wars!) vor dem Fernseher bequem oder recherchiert für themenbezogene MoreCore-Beiträge. Ihr bereicherndes Talent zum „Labern“ nennen einige „angenehm grenzüberschreitend“, wir nennen es lieber „Potential für gute Interviews“. Festivalbesuche stehen natürlich auch regelmäßig auf dem Plan, bevorzugt die Kleineren. So oder so - die spannenden Livereviews lassen jedenfalls nicht lange auf sich warten.
Für Nova Twins geht es 2023 nur noch in eine Richtung – und zwar hoch hinaus. Erst die Nominierung bei den Brit Awards in den Kategorien „Best Rock/ Alternative Act“ und „Group of the Year“, dann die stattliche EU/UK-Tour im Frühjahr – das Rock-Duo ist eindeutig auf Erfolgskurs. Und dieser sah nicht zuletzt auch einen Stopp beim diesjährigen Rock am Ring vor. Wir hatten das doppelte Glück und durften Gitarristin Amy Love und Bassistin Georgia South auf unserer Interview-Couch zu einer feinen Mal- und Interview-Session einladen.
Nova Twins: Wenn die künstlerische Kreativität nicht bei der Musik aufhört
Für die Sängerinnen Amy und Georgia sind die aufwändig hergestellten Bühnenoutfits nicht einfach Teil ihrer Show. Viel mehr setzen sie damit ein Statement der Selbstbestimmung in der alternativen Musikbranche: Als Frauen aus der POC-Community mussten sie sich ihren Platz nämlich nach wie vor hart erkämpfen:
„Wenn ich an die Zeit zurückdenke, als wir durchstarteten, da wollten die Leute, dass wir ein bisschen weniger schreien und lieber ein bisschen mehr Hip-Hop machen, weil sie nicht verstanden, was wir taten. Aber das wollten wir nicht. Wir wollten chaotisch sein, wir wollten fluchen, wir wollten uns auf der Bühne wild fühlen.“
Gegen bestehende Rollenstereotypen in der Szene angehen
Die beiden jungen Frauen wollen sich nicht aufgrund veralteter Rollenvorstellungen vorschreiben lassen, welches musikalische Genre sie bedienen sollen. Sie wollen sich überhaupt nichts mehr vorschreiben lassen müssen:
„Ich glaube, die Leute waren verwirrt, weil wir gemischte Frauen, schwarze Frauen, die Rockmusik machten, und die Leute sagten nur: ‚Wir wissen nicht, wo wir euch einordnen sollen. Hip-Hop. R’n‘B – warum seid ihr keine Tänzerinnen? Oder seid ihr Tänzerinnen?‘ Und genau das war das Problem. Die Vorstellung der Leute davon, wie Rockmusik und die Acts dahinter aussehen sollen.“

