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Cleopatrick-Sänger Luke Gruntz: „Ich fühle mich vom typischen Klang des Rocks der 2020er ziemlich entfremdet.“
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Interview

Cleopatrick-Sänger Luke Gruntz: „Ich fühle mich vom typischen Klang des Rocks der 2020er ziemlich entfremdet.“

Der Sänger über das Debüt-Album, Einflüsse, moderne Rockmusik und eine einzigartige Freundschaft.

Kathrin Löffler/28. Jun. 2021· Aktualisiert 1. April/6 Min.Foto: Kurtis Watson / Offizielles Pressebild
K

Kathrin ist ein Chamäleon des alternativen Musikgeschmacks, mit einem Faible für alles, was außergewöhnlich ist. Nichts bleibt vor ihr sicher – und erst recht kein Nischengenre. Da überrascht es wohl nicht, dass sie als Allrounder das MoreCore-Team tatkräftig unterstützt. Wenn sie nicht gerade voller Inbrunst an neuen Alben- und Live-Reviews schreibt, sitzt sie entweder in einem spannenden Bandinterview, um uns auf dem neusten Stand zu halten, oder verfasst informative MoreCore-Beiträge für die Website. Möchte man das Herz unserer Münsteranerin (jetzt Kölnerin) im Sturm erobern, dann am besten mit Sci-Fi-Lektüre aus den 60ern, Star Wars - kein Star Trek! - oder Lebkuchen.


Es ist noch nicht lange her, dass das kanadische Alternative-Duo Cleopatrick mit „Bummer“ ihr allererstes Album auf den Markt gebracht hat – und damit in unserer ausführlichen Rezension punkten konnte.

Wir haben die Gunst der Stunde genutzt und Sänger Luke Gruntz ein paar Fragen über die Entstehung des Albums, zukünftige Ziele und die Rolle von Rockmusik in der heutigen Zeit gestellt.

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Cleopatrick-Sänger Luke Gruntz im Interview

Kathrin | MC: „Bummer“ ist eure allererstes Album. Wie fühlt es sich an, endlich eine komplett fertige erste Platte zu veröffentlichen?

Luke: Es ist total surreal!! Dieses Album hat lange auf sich warten lassen. Es fühlt sich großartig an, es in der Welt zu haben, und ich denke, es wird sich noch besser anfühlen, wenn wir auf Tour gehen und diese neuen Songs live für alle spielen können.

Kathrin | MC: Auf welchen Song auf dem Album bist du am meisten stolz oder welcher Song bedeutet dir am meisten und warum?

Luke: Am stolzesten bin ich auf den Song „2008“ – Ich liebe diesen Song. Ich denke, er steht für das immense Wachstum, das wir als Songwriter und jetzt als Produzenten durchgemacht haben!

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„In gewisser Weise hat mir das letzte Jahr geholfen, kreativer zu sein“

Kathrin | MC: Wie war der Aufnahmeprozess für euch als Band? Gab es besondere Herausforderungen oder spezielle Situationen, auf die ihr gerne zurückblickt?

Luke: Der Aufnahmeprozess für „Bummer“ war unglaublich natürlich. Wir haben diese Platte in einem Keller zusammen mit unserem Freund Jig Dubé produziert. Es gab keine Herausforderungen, außer zu wissen, wann wir aufhören und unsere Ohren ausruhen sollten. Es hat so viel Spaß gemacht.

Kathrin | MC: Das letzte Jahr war für uns alle schwer, weil jeder Tag irgendwie gleich war. Woher nehmt ihr eure Kreativität, wenn man eigentlich gar nichts besonders mehr erlebt?

Luke: Ich denke – und jetzt kann ich nur für mich sprechen – dass ich oft meine einzigartigsten Ideen oder lyrischen Stücke finde, wenn ich ganz alltägliche Momente überanalysiere. In gewisser Weise hat mir das letzte Jahr also geholfen, kreativer zu sein, weil es mir die Zeit gab, mit meinen Demos im Kopfhörer durch meine Nachbarschaft zu laufen und darüber nachzudenken, wer ich bin und was ich sagen will.

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Luke Gruntz (Cleopatrick): „Genres sind seltsam“

Kathrin | MC: Woher nehmt ihr eure musikalische Inspiration? Wer sind eure Vorbilder?

Luke: Es ändert sich ständig, aber in den letzten Jahren waren es Künstler wie Drake, Julia Jacklin, Alex Turner, Andy Shauf, Thom Yorke, Show Me The Body, Dean Martin, Kendrick Lamar und Anderson Paak, die mir dieses besondere Gefühl geben.

Kathrin | MC: Was denkst du über Rockmusik heutzutage? Und welche Rolle spielt ihr deiner Meinung nach dabei?

Luke: Ehrlich gesagt denke ich gar nicht so viel über Rockmusik nach, wie es in unseren Interviews den Anschein hat. Genres sind seltsam. Ian und ich mögen einfach Gitarren und Schlagzeug; das sind die Instrumente, die wir am besten beherrschen – und so sind wir wohl zu einer Rockband geworden.

Aber wenn ich mir dann die Top-Rocksongs im Radio oder auf Spotify oder was auch immer anhöre, fühle ich mich von dem typischen Klang und den lyrischen Inhalten des Rocks der 2020er Jahre ziemlich entfremdet. Im Vergleich dazu habe ich keine Ahnung, was unsere Rolle sein soll. Wir wollen einfach nur echt bleiben und weiterhin Musik machen, die unsere Perspektive und Erfahrungen mit einer grundlegenden Nachdenklichkeit und Respekt für unsere Zuhörer vermittelt. Ich nehme an, wir werden herausfinden, wo uns das in der Rockmusik hinführt (lacht).

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Kathrin | MC: Kannst du uns etwas mehr über die „New Rock Mafia“ erzählen? Worum geht es da genau?

Luke: NRM ist unsere Art, die Entfremdung zu umarmen, die wir, viele unserer Kollegen und viele unserer Hörer in der modernen Rockmusik empfinden. NRM soll den sprichwörtlichen Strich im Sand ziehen zwischen dem, was neue aufstrebende Rockbands tun (ehrliche, durchdachte Musik machen) und dem, was der aktuelle Industriestandard ist. Es soll ein Kollektiv sein, in dem Fans von echter Gitarrenmusik Gleichgesinnte und Künstler finden können, die respektvoll sind. Es ist ein sicherer Raum für jedes gutherzige Individuum, das nach einer neuen Generation von Gitarrenbands sucht.

Kathrin | MC: Da ihr schon so lange befreundet seid: Versteht ihr euch schon ohne Worte oder gibt es immer noch Dinge, bei denen ihr euch nicht einig seid, vor allem, wenn es um Musik geht?

Luke: Ian und ich sind fast immer auf der gleichen Seite. Das ist etwas, das wir NICHT als selbstverständlich ansehen. Es ist wirklich ein Geschenk und eine Ehre, mit jemandem Kunst zu machen, der deine Perspektive, Absichten und Vorlieben voll und ganz versteht – und umgekehrt. Das macht es einfach, wir selbst zu sein.

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„Ehrlich gesagt glaube ich, dass wir in diesem Moment den Traum leben“

Kathrin | MC: Ihr habt einmal gesagt, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass ihr jemals einen Bassisten finden werden, der perfekt zu euch beiden passt. Wie müsste diese Person sein und was müsste er oder sie mitbringen, um eine Chance zu haben, bei euch einzusteigen?

Luke: Das ist schwer vorstellbar. Ich meine, sie müssten freundlich, respektvoll, sauber und intelligent sein, damit wir alle unterwegs miteinander auskommen. Vielleicht wären sie gut in Fotografie oder visueller Kunst oder etwas anderem Coolen, damit wir zusammen mehr künstlerische Sachen außerhalb der Musik machen könnten. Das ist aber alles ziemlich zufällig. Ich denke, am wichtigsten ist, dass sie auf die gleiche Musik stehen wie wir und nach den gleichen Ergebnissen in ihrer (und folglich unserer) Kunst suchen. Es gibt eine Menge unausgesprochener Regeln und Gedankenmuster, die beim Musikmachen wie Cleopatrick eine Rolle spielen, und sie bräuchten sehr ähnliche Einflüsse, um mit unserer seltsamen telepathischen Schreibweise mitzuhalten (lacht).

Kathrin | MC: Gibt es etwas, wovon ihr als Band träumt? Irgendetwas, das ihr noch erreichen oder erleben wollt?

Luke: Ehrlich gesagt glaube ich, dass wir in diesem Moment den Traum leben. Unser ganzes Leben lang haben Ian und ich davon geträumt, eine „richtige“ Band zu sein. Um die Welt zu touren, ein Album zu veröffentlichen und unsere Freunde mitzunehmen. Ich glaube, es gibt nicht viel mehr, was wir uns wünschen könnten.

Foto: Kurtis Watson / Offizielles Pressebild

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