Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
„For all the people struggling to keep going“. Ein einfacher Blick auf das Albumcover genügt, um zu sehen, dass Cadet Carter einen optimistischen Grundton für ihre dritte Platte angesetzt haben. Das Artwork zu “Anthems For The Weak” zeigt eine Hand, die aus dem Wasser herausragt und eine Wunderkerze in die Luft hält. In den letzten Jahren dürften wir alle diese Momente gehabt haben, in denen es uns nicht nur bis zum Hals, sondern schon weit darüber hinaus stand. In solchen Zeiten zählt nur eins: Den letzten Funken Hoffnung nicht mit untergehen zu lassen.
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Immer weiter geradeaus
Cadet Carter aus München sind bei Weitem keine unbekannten Gesichter in der deutschen Emo/Pop-Punk-Szene. So erschien ihr letztes Album “Perceptions” (2020) sogar über kein geringeres Label als Uncle M Music. Dieses konnte durch Hymnen wie “A Bad Few Weeks”, “Windshields” und “Telescope” bereits ihr Gespür für eindringliche Melodien und große Gänsehautmomente unter Beweis stellen. Für “Anthems For The Weak” hat sich die Band den renommierten Produzenten George Perks (Enter Shikari, You Me At Six) eingeladen, um ihren Sound mit einigen neuen Facetten zu versehen und zu verfeinern.
Mit dem stampfenden “In The Clear” beginnt ihr drittes Album mit dem perfekten Festival-Song, der vor allem durch catchige Rhythmusgitarren und einen schönen Spannungsbogen besticht. In der Bridge nimmt die Band dabei einen kleinen Umweg und hebt den Song über dezente Samples und eine sanfte Pianomelodie von klassischen Genrehits ab. Auch die zuletzt veröffentlichte Vorabsingle “Stumbling” schlägt in eine ähnliche Kerbe und kann zusätzlich noch mit einem kleinen aber sehr feinen Gitarrensolo punkten.
Ein Ohrwurm nach dem Anderen
Soundtechnisch sind die Münchener definitiv weniger bei Genrevertreter*innen wie Blink-182 oder Sum 41 zu verorten. Vor allem “The Best Part” erinnert mit einem klug eingesetzten Vocalsample und auch von der Melodieführung mehr an Bands wie Jimmy Eat World oder The Get Up Kids. Auch wenn ihr Händchen für große Refrains und die fantastische Vocalperformance von Sänger Nick Sauter das Album schon über weite Strecken tragen, so sind Momente, die besonders im Kopf bleiben, die, in denen die Band mit Konventionen bricht.
Zum einen wären da natürlich die bereits erwähnte Einbeziehung von Samples, Synths und Keys. Vor allem im für Gänsehaut sorgenden “Sailing Without Swaying” zahlt sich ihre Experimentierfreudigkeit aus, wenn der Song im Solo durch die zusätzlichen Elemente wunderbar in die Weite aufgeht. Zum Anderen zeigen Cadet Carter bei Tracks wie “A Million Times” oder “Defence All The Way”, dass Groovigkeit auch punkigeren Genres nicht fernbleiben muss. Mit verspielten Gitarren und an The 1975 erinnernden Beats kann hier auch die restliche Band ihre Musikalität noch mehr in den Vordergrund stellen.
Cadet Carter pfeifen auf die Genrepolizei
All diese Elemente bilden die größten Stärken von “Anthems For The Weak”, sind aber leider ein wenig zu spärlich eingesetzt. Auch wenn das Album auf ganzer Länge gut funktioniert und Cadet Carter natürlich auch im “klassischeren” Emo/Pop-Punk-Sound wunderbar abliefern, hätte der Platte noch ein wenig mehr Funkyness tatsächlich gut getan. Das ist aber an der Stelle definitiv Meckern auf hohem Niveau, da hierzulande gerade in dem Genre nur wenige Bands einen so definierten Sound abliefern können.
Mit “Break Away” beendet das Quartett ihr Album nochmal eine Prise härter und rundet “Anthems For The Weak” zu einer wirklich sehr hörenswerten Emo/Pop-Punk-Platte ab. Diese sehnt sich auch stark danach an sonnigen Festivaltagen oder bei intimen Clubshows vom Publikum lauthals mitgesungen zu werden. Man kann Cadet Carter nur die Daumen drücken, dass sie nicht wie im Falle von “Perceptions” auf das Touren verzichten müssen. Aber da hilft es nur ganz im Sinne ihres neuen Albums optimistisch zu bleiben und zu hoffen, dass uns die Livemusik nicht wieder genommen wird.
Foto: Cadet Carter / Offizielles Pressebild
Fazit
Hört man sich die neue Cadet Carter-Platte an und fragt sich “Will you still be there when things go south?”, dann ist die Antwort ein klares Ja! Mit ihrem dritten Langspieler “Anthems For The Weak” bringen uns die Münchener ein hoffnungsvolles Album, das die nötige Kraft hat, uns durch schwere Zeiten zu begleiten. Dabei agieren sie selbstsicher in Emo/Pop-Punk-Gefilden und heben sich durch die Integrierung von Samples, Synths und verspielten Funkgrooves von ihren Genrekolleg*innen ab - was sie auf ihrer nächsten Platte gerne noch ein wenig mehr in den Vordergrund stellen könnten.

▶Tracklist 10 Songs
- 1in the clear
- 2a million times
- 3the best part
- 4stumbling
- 5sailing without swaying
- 6blinding city lights
- 7defence all the way
- 8strangeways
- 9pieces
- 10break away


