Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
Mittlerweile gibt es gefühlt in jedem Genre diese eine Band, die sich dazu entscheidet, ihr Songwriting über die Spitze hinauszutreiben. Schlichtweg meilenweit über das Ziel hinauszuschießen und in einem Terrain zu landen, in dem man doch wieder etwas Besonderes erschaffen hat. Wenn man nur genug fragwürdige Entscheidungen trifft, scheinen sich diese doch am Ende wieder irgendwo gegenseitig zu relativieren. Four Year Strong besitzen auf ihrem sechsten Album unter anderem die Kühnheit, ein verzerrtes Sample vom Funk-Klassiker “Love Rollercoaster” (Ohio Players) vor einem Breakdown zu platzieren. Aber selbst dem größten Gelächter in Momenten wie diesen liegt primär erstmal ein Mindestmaß an Respekt zu Grunde.
“analysis paralysis” nennt sich das neueste Werk der Easycore-Pioniere, die uns seit über 20 Jahren mit ihrem leichtgängigen wie knochenharten Sound beglücken. Ihren “Brain Pain” (2021) haben Four Year Strong zwar mittlerweile überwunden, besingen aber auf LP Nummer sechs nun den Zustand, sich im Leben generell nicht komfortabel zu fühlen. So verarbeitet das Quartett unter anderem mit Sicherheit auch die schwierige Entstehungsphase der Platte. Einen Studioprozess zu beginnen, ohne einen einzigen Song fertig zu haben, mag auf den ersten Blick vielleicht komplett absurd wirken. Aber Produktionslegende Will Putney (Fit For An Autopsy, Better Lovers) wäre eben nicht Will Putney, wenn er dies nicht als seine nächste Herausforderung sehen würde.
Four Year Strong sprengen Genregrenzen
Dabei entstanden sind 12 Songs, die den Pop-Punk/Easycore-Kern von Four Year Strong spiralförmig in alle möglichen Richtungen erweitern und eine Vielzahl an Genres mit ins Boot holen. So geben sich Hardcore, Nu Metal, Midwest Emo, Heavy Metal und Industrial mit einer Selbstverständlichkeit die Klinke in die Hand, die automatisch jede gewagte Entscheidung im Studio nachträglich rechtfertigt. Besonders spannend ist zu beobachten, wie die Band dabei verschiedene Trends mitnimmt, die aktuell in der alternativen Musikszene vorherrschen. So klingt “maybe it’s me” ein wenig nach dem frischen Midwest-Sound von Hot Mulligan, während “uncooked” und “paranoia” definitiv im Geiste der Turnstile-Jahrhundertplatte “Glow On” (2021) schlagen.
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Dass am Ende des Tages trotz aller Stärken nicht unbedingt ein rundes Gesamtwerk entsteht, dürfte vielleicht sogar schon vorprogrammiert sein. So macht sich spätestens im zweiten Drittel bei Tracks wie “STFIL” und “rollercoaster” eine leichte Reizüberflutung breit, die sich vor allem durch ein wenig aufdringliche Gitarreneffekte äußert. Auch die merkwürdigen Vocal-Effekte in “how do i let you go?” überladen den zurückgelehnten Closer schlussendlich ein wenig. So oder so ist aber der Spaß-Faktor bei einem Album wie “analysis paralysis” am wichtigsten. Und der bleibt unsäglich hoch, während Four Year Strong zudem einen starken Chorus nach dem nächsten (“bad habit”, “out of touch”) abliefern.
Beitragsbild: Ben Lieber / Offizielles Pressebild
Fazit
Four Year Strong durchleuchten auf ihrem sechsten Album ihre Schreibblockade vor dem zugehörigen Studioprozess. Dies tun sie, indem sie mit Produzent Will Putney schlicht und einfach jegliche Barrikaden und Straßensperren sprengen statt zu umfahren. Dabei entstanden ist ein wilder Genreclash, der es trotzdem schafft, ihre Pop-Punk/Easycore-Wurzeln nicht zu vernachlässigen und zwölf eingängige wie rundum spaßige Songs hervorgebracht hat. Als ganzes Album mag “analysis paralysis” vielleicht ein wenig überfordernd sein, kann aber mit der richtigen Stimmung immer noch problemlos den richtigen Sweetspot treffen.

▶Tracklist 12 Songs
- 1aftermath/afterthought
- 2bad habit
- 3maybe it’s me
- 4uncooked
- 5out of touch
- 6daddy of mine
- 7dead end friend
- 8paranoia
- 9STFIL
- 10rollercoaster
- 11better get better
- 12how do i let you go?

