
Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
Zugehörige der Generationen Y und Z tragen im Jahr 2023 ihre ganz eigenen Ängste mit sich herum und suchen händeringend nach Möglichkeiten, die ungewissen Zustände zu verarbeiten. Die Stimmen derjenigen werden zunehmend lauter und erreichen uns auch aus Ecken der Welt, die nicht unbedingt für ihren Output an alternativer Musik bekannt sind. Furious Monkey House sind ein diverses Quintett aus dem nordspanischen Pontevedra, die dabei gleich auf mehreren Ebenen glänzen. Zum einen durch ein frisches Soundbild und zum anderen durch ihre Experimentierfreudigkeit, die selbst im hinteren Drittel ihrer neuen Platte noch für Überraschungsmomente sorgt.
“Oneiric” bedeutet so viel wie “traumähnlich” oder “traumartig”. Gleich beim ersten Hören ihres dritten Albums, muss man feststellen, wie passend dieser Titel gewählt ist. Ihr gelungener Mix aus Rock, Pop und Electro wirkt vor allem durch den exzessiven Einsatz von Reverb und Pad Synths über große Strecken sehr sphärisch und stimmungsvoll. Ähnlich wie die schwedische Band Port Noir verstehen es Furious Monkey House, Einflüsse aus Genres wie Hip-Hop oder Trap (“Like A Bullet”, “Going Slow”) zuzulassen, gleichzeitig aber kraftvolle Ausbrüche auf der Platte nicht zu kurz kommen zu lassen (“Staying in the Sun”, “Fall Again”).
Furious Monkey House wagen viel
Eine weitere, relativ offensichtliche Referenzband sind die US-Amerikaner:innen von PVRIS. So erinnern der Grundsound der Platte, der Gesang von Mariña Paz und vor allem viele der ruhigen Momente (“Going Slow”, “Mesmerism”) unweigerlich an die Formation um Lynn Gunn. Dennoch lässt sich eine klare Eigenständigkeit der Spanier:innen herausstellen – nicht zuletzt, weil sie ihre Songs viel detailreicher und vielschichtiger anlegen. Dies lässt sich sowohl als Vor-, als auch als Nachteil festhalten. Während es natürlich mit jedem Durchlauf Neues zu entdecken gibt und man immer wieder angenehm auf der falschen Fährte erwischt wird, lebt dem Hörerlebnis gelegentlich leider eine gewisse Überforderung inne.
Bedenkt man, dass Furious Monkey House eigentlich aus relativ klassischen Alternative Rock-Gefilden kommen, so scheint eine gewisse Überschwänglichkeit im Entstehungsprozess von “Oneiric” immer wahrscheinlicher. Dies mündet neben der gelegentlichen Reizüberflutung auch in Problemen bei den Songs an sich. So beinhalten “Levitate” oder “Fall Again” einige wacklige Transitions, während das eigentlich recht vibige “Going Slow” von einem etwas deplatziert wirkenden Rap-Part ins Straucheln gebracht wird. Es gibt sie aber – die Momente, in denen es dem Quintett gelingt, alle Elemente ordentlich zu staffeln und auch in der Produktion passgenau einzubetten.
Stark in den ruhigen Momenten
Neben dem groovigen “Visions” ist es vor allem die catchige Vorabsingle “Mesmerism”, die sich als Hit der Platte herausstellen lässt. Gerade im Falle dieser beiden Tracks sitzt auch im Mix jeder Handgriff und lässt jedes Instrument in den richtigen Momenten aus den Klanglandschaften herausragen. Auch das ist leider kein Dauerzustand auf “Oneiric”. So wirken gerade die lauten Momente in Songs wie “In The Void” und “Staring In The Sun” sehr lärmig und hier und da ein wenig effektüberladen. Zum Glück ist aber der Grundsound der Platte und auch die Vielfalt an Sounds so interessant, dass man über die kleinen und großen Mankos hinwegsehen kann.
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Am Ende des Tages bleibt “Oneiric” eine Platte, die man genießen und in der man versinken kann. Hinter Furious Monkey House verspürt man einen so großen Willen, sich musikalisch auf einzigartige Weise zu äußern, dass man ihnen alleine dafür großen Respekt zollen muss. Anhand von Bands wie PVRIS oder Port Noir lässt sich aber auch schon relativ gut aufzeigen, was die Spanier:innen sich für ihre kommende Platte noch vornehmen könnten: Im Rausch der Suche nach neuen Sounds und der Integrierung von neuen Ebenen nicht den Song aus dem Auge zu verlieren. Das Potenzial und die Zutaten sind da; die Eingängigkeit wird sicherlich noch kommen.
Foto: Chano Santiago / Offizielles Pressebild
Fazit
Furious Monkey House nehmen uns auf “Oneiric” mit in ungeahnte Sphären und reizen die Grenzen zwischen Rock, Pop und Electro nahezu vollständig aus. Ihr vor Experimentierfreudigkeit überschwappendes, drittes Album ist ein ekstatisches Hörerlebnis und schafft es, selbst größere Probleme im Songwriting mit reichhaltiger Soundvielfalt auszugleichen.

▶Tracklist 11 Songs
- 1In The Void
- 2Staying in the Sun
- 3Levitate
- 4Gold Chain
- 5Mesmerism
- 6Visions
- 7Shapeshifting
- 8Like A Bullet
- 9Fall Again
- 10Going Slow
- 11Moonstruck