
Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.
Twenty One Pilots als ein “Phänomen” zu bezeichnen, ist regelrecht untertrieben. Kaum eine Band hat es in den letzten Jahren geschafft derart auf sich aufmerksam zu machen. Das Duo (!!!) füllt mittlerweile jede Halle, hält den Guiness Weltrekord für das längste Musikvideo, hat diverse Preise abgeräumt – unter anderem den Grammy für das beste Pop Duo/ Group Performance – und ist zudem auch mehrfach Platin-ausgezeichnet. Mit ihrem neuen Album “Scaled And Icy” wird sich an diesem Trend nichts ändern.
Twenty One Pilots: Ungewöhnlich fröhlich
Hatten sich Twenty One Pilots mit dem Vorgängeralbum ungewohnt düster und vergleichsweise vertrackt gegeben, so scheinen sich diese Knoten auf “Scaled And Icy” regelrecht gelöst zu haben. Vor dem Hintergrund, dass die Platte erneut im Homestudio von Sänger und Multiinstrumentalist Tyler Joseph entstand, hätte man durchaus ein ähnliches Konzept wie auf “Trench” erwarten können, das im selben Setting geschrieben wurde.
Doch mit dem Wegfall der regelmäßigen Studio-Sessions war das Duo gezwungen, neue Wege zu gehen, sodass Kollege und Drummer Josh Dun seine Parts vom anderen Ende der USA einspielen musste. Dass “Scaled And Icy” so klingt, wie es eben klingt, ist daher recht überraschend.
Instagram Post
Schon der Opener “Good Day” fühlt sich wie eine Reise in eine bizarre Traumwelt an, in der es keine “echten Probleme” zu geben scheint. Vielmehr kreiert der Upbeat-Song ein herrlich ironisches Bild, das durch Vogelzwitschern und der Zeile “I think that I’m alright. It’s a good day.” einen bittersüßen Beigeschmack bekommt. Auch “Choker” schlägt in eine ähnliche Kerbe und offenbart die unsicheren Gedanken des Protagonisten: “I don’t bother anyone. Never make demands. Chokin‘ on the circumstance. Self-sabotage is a sweet romance.”
Auch wenn Angst, Einsamkeit, Langeweile und Zweifel nicht erst seit der Pandemie zu den Themen gehören mit denen sich TOP in ihren Songs beschäftigen, so hat es die Band selten so gegensätzlich verpackt, wie auf „Scaled And Icy“.
Tanzbar, aber alles andere als heiter Sonnenschein
Inspiriert vom New Wave Synthie-Sound der 80er und einem leichten Hang zum 50er Rock‘n’Roll á la Buddy Holly ist “Scaled And Icy” vor allem eines: Tanzbar! Songs wie das bockstarke “Shy Away” oder auch “Saturday”, das in Teilen an den neueren Panic! At The Disco Sound erinnert, lassen einen nicht regungslos zurück.
“The Outside” täuscht immer wieder den berühmt berüchtigten Drop an, um dann doch nicht auszubrechen, was letztendlich unvorhersehbar, aber doch allzu passend ist.
“Never Take It” zeigt mit seinem E-Bass Sound ein wenig mehr Kante, während “Mulberry Street” ein astreiner Sommer-Track ist, ohne dies wirklich zu feiern: “Keep your sunny days. Leave us in the rain.” Trotzdem erinnert dieser an Songs wie “Not Today” oder “Hometown” von der “Blurryface”-Platte aus 2015.
Wer sich jedoch nach dem etwas ernsteren Sound von “Trench” sehnt, der darf sich auf “No Chances” und “Redecorate” freuen. Denn so herrlich fröhlich das Album über weite Teile klingt und sich überwiegend in die Dreampop-Schublade stecken lässt, so bedrohlich wird es zum Ende hin dann doch.
Welchen Eindruck hinterlässt “Scaled And Icy” nun? Sicherlich ist das Album nichts, was man nicht in Teilen auch schon mal auf den Vorgängeralben zu hören bekam. Dennoch sind die insgesamt elf Songs weniger wuchtig und euphorisch als “Blurryface” oder düster und experimentell wie “Trench”.
Vielmehr wirkt das Album etwas sortierter, vor allem mit Hinblick auf den Genre-Mix für den Twenty One Pilots wie kaum eine andere Band steht. “Scaled And Icy” klingt grundsätzlich sehr viel positiver durch seine beatigen, tanzbaren Momente, wobei es lyrisch viel mehr zu entdecken gibt, als man zunächst annehmen sollte. Gerade das macht die Magie dieser Platte und dieser Band aus.
Foto: Ashley Osborn / Offizielles Pressebild
Fazit
“Scaled And Icy” wartet mit vielen Überraschungen auf, belohnt jedoch mit jedem erneuten Hören und beweist, dass Twenty One Pilots trotz ihrer schon jetzt beeindruckenden Karriere noch lange nicht am Ende angekommen sind!

▶Tracklist 11 Songs
- 1Good Day
- 2Choker
- 3Shy Away
- 4The Outside
- 5Saturday
- 6Never Take It
- 7Mulberry Street
- 8Formidable
- 9Bounce Man
- 10No Chance
- 11Redecorate