
Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.
„Maybe all the world is insecure. Maybe all of us are looking for a cure.” Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Pandemie-Zeit der Gesellschaft nachhaltig einen Stempel aufdrücken wird. In der Kunst und Kultur ist der Einfluss der vergangenen Monate in jedem Falle dokumentiert. So auch auf “interrobang”, dem mittlerweile zwölften Album der US-amerikanischen Alternative Rocker von Switchfoot.
Die Band erlangte im Mainstream vor allem durch ihre Beiträge zu Filmen wie „Nur mit dir“ (2002), „Die Chroniken von Narnia“ (2008) oder „In Time“ (2011) eine immer größere Bekanntheit und staubte sogar einen Grammy für ihr siebtes Studioalbum “Hello Hurricane” (2011) in der Kategorie Best Rock or Rap Gospel Album ab. Ob auch “interrobang” preisverdächtig ist?
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Schon früh wurden Switchfoot als christliche Rockband beworben, was ihr in der entsprechenden Zielgruppe eine gewisse Bekanntheit verschaffen konnte. Mit dem Ziel sich einem größeren Publikum zu öffnen, und weil man sich nicht ganz wohl mit der Schublade “Christian Rock” fühlte, entschied sich die Band zeitweise auf keinen christlichen Festivals mehr zu spielen oder entsprechenden Organisationen Interviews zu geben, um wenige Jahre später dieses Vorhaben gänzlich über Bord zu schmeißen.
Diese Ambivalenz, die sich auch in den Lyrics wiederfindet, die oftmals mehrdeutig zu lesen sind, spielt sich auch in der Musik von “interrobang” wieder. So bekommt man schnell das Gefühl, dass das Album möglichst jeden ansprechen soll, was allerdings kläglich scheitert.
Zahnloser und unorigineller Alternative Rock mit Licht und Schatten
Schon der Opener “beloved” kommt nicht aus dem Quark, was nicht zuletzt an seiner über fünfeinhalb Minuten Laufzeit liegt in der der Song kaum Spannung aufbauen kann. Dass dies trotz “Überlänge” absolut gelingen kann, bewiesen zum Beispiel die Kings Of Leon auf “When You See Yourself”.
Interessant: “lost ‘cause” klingt wie eine Co-Produktion, der genannten Kings Of Leon zu ihrer “Youth And Young Manhood”-Zeit und den poppigen Thrice auf “Palms”. Gerade stimmlich kommen sich Switchfoot-Fronter Jon Foreman und Dustin Kensrue oftmals sehr nahe, sodass man sich immer mal wieder vergewissern muss, ob sich nicht sogar ein Feature des Thrice-Sängers in den Songs versteckt hat.
“if i were you” ist ein netter Indie/Surf-Song und einer der Lichtblicke des Albums. Sowohl die leicht psychedelischen Gitarren-Riffs als auch der mehrstimmige Gesang erinnern dabei an die Beach Boys, während “the bones of us” wie eine cheesy U2-Ballade klingt.
Zum Glück folgt mit “splinter” einer der wenigen Hits der Platte: Immer dann, wenn Switchfoot das Tempo etwas anziehen, klingen sie am besten, so auch auf dem nervösen “splinter”, der in bester The Killers-Manier mit Synthies spielt, aber vor allem im Refrain durch die hingebungsvollen Vocals glänzen kann.
Auch das atmosphärische “i need you (to be wrong)” kann durchaus überzeugen. Der Mix aus elektronischen Klängen, der dominierenden Bassline und der dann im Refrain einsetzenden Akustik-Gitarre lassen den Song wie einen Tagtraum daherkommen, der sich zum Ende hin dann ganz entfalten kann.
Leider schaffen es Switchfoot nur selten, wirklich nachhaltig zu überzeugen. Songs wie “the hard way”, “fluorescent” oder “backwards in time” sind mit viel Wohlwollen “nett”, aber auch schon vergessen, sobald der nächste Song anläuft.
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So ist “interrobang” zwar ein Album, das man gerne mal nebenbei laufen lassen kann, allerdings nur in wenigen Momenten wirklich aufdreht, wenn es dann doch mal spannend wird. Den Eindruck rettet auch “electricity” nicht, dass als Hommage an die Beatles halbwegs funktioniert und das Album immerhin auf einem euphorischen und positiven Ton enden lässt.
Foto: Switchfoot / Offizielles Pressebild
Fazit
Handwerklich zwar gut gemacht und dennoch nicht überzeugend: Switchfoot probieren auf "interrobang" viel aus, klingen dabei aber selten wirklich originell. So fehlt auch der rote Faden, sodass man den Eindruck bekommt, dass die Band möglichst jeden ansprechen möchte, dabei aber selten den richtigen Namen nennt.

▶Tracklist 11 Songs
- 1beloved
- 2lost 'cause
- 3fluorescent
- 4if i were you
- 5the bones of us
- 6splinter
- 7i need you (to be wrong)
- 8the hard way
- 9wolves
- 10backwards in time
- 11electrictiy