
Kevin als das MoreCore-Nordlicht zu bezeichnen, würde wahrlich zu kurz greifen. Zwar ist der leidenschaftliche St.Pauli-Fan in Hamburg zuhause, hat aber unverkennbar sowohl rheinländische als auch italienische Wurzeln. Genau so vielfältig wie sein Stammbaum sind auch seine Aufgaben bei MoreCore. Teil des Headquarters, Feel Good Manager und Redakteur auf allen Ebenen. Wie man daneben noch Zeit für Langstreckenläufe und den Viersaiter in einer Pop Punk-Band findet, weiß wohl nur Kevin selbst. Aber egal, was er macht: Er macht es gut und mit ganz viel Herzblut.
Turmion Kätilöt. Ein Name, der in Zukunft wahrscheinlich noch für den ein oder anderen Verschreiber oder die ein oder andere gerunzelte Stirn in unseren Gefilden sorgen wird. Dabei ist die Band aus Finnland keineswegs neu im Business und veröffentlicht am 13. Januar 2023 bereits ihr zehntes Album. „Omen X“ heißt das gute Stück, beinhaltet elf Songs und wird via Nuclear Blast Records erscheinen. Hier erfahrt ihr bereits vorab, wie die Scheibe klingt.
Instagram Post
Ein Sound, wie ihn sicherlich nur wenige Bands an den Tag legen. Turmion Kätilöt klingen auch auf ihrem neuen Album nischig und dennoch gefestigt. Gradlinige Beats mit kalten und erbarmungslosen Gitarren, wie man es von Bands wie beispielsweise Rammstein kennt. Hinzu kommt der tiefe und dennoch mystische Gesang der beiden Vokalisten „MC Raaka Pee“ und „Shaq-U“, die sich irgendwo zwischen spoken words und klassischem Black Metal einfinden. Um dem Ganzen dann die Krone aufzusetzen runden elektronische Einlagen aus den Tiefen der 90er Jahre den Sound ab.
Vielseitig mit leichtem Verbesserungsbedarf
Dieser Sound lässt sich problemlos in die ein oder andere Richtung erweitern. So klingt der Eröffnungssong „Totuus“ unruhig, schnell und lässt dabei an Bands wie The Browning erinnern, nur eben mit einem skandinavischen Touch. Zwar wirken die physischen Drums im Vergleich zu den elektronischen Beats teilweise verloren, die Stimmung kommt allerdings klar und deutlich bei den Fans an. So kreieren Turmion Kätilöt einen Sound, der durchaus tanzbar ist.
Verdeutlicht wird dieser Eindruck in Tracks wie „Vie Se Pois“, „Sormenjälki“ und „Isä Meidän“. Letzterer stellt definitiv ein Highlight auf „Omen X“ dar, da er mit seinem noisy Beginn und dem gradlinigen Beat im Mid-Tempo Bereich eine beinahe optimale Mischung der unterschiedlichen Einflüsse darstellt. Was diesem Stück definitiv noch gut tun würde, wäre ein breakdownartiges Element, ein Aufbrechen der eingefahrenen Struktur im Song, aber man kann bekanntlich nicht alles haben.
Auch für Musik- und Produktionsliebhabende ist auf diesem Track etwas dabei. Das Holzblasinstrument zum Schluss des Stücks ist so fein recorded, dass man sogar das Geräusch der sich bewegenden Klappen hört. Da macht sich eine positive Gänsehaut beim Hören breit!
Die Schwere, die der Sound von Turmion Kätilöt naturgegeben mit sich führt, lädt geradezu zum Headbangen und zu schwerfälligen Beats ein. So zu finden in „Kun Kesä Kuoli“, oder „Pyhä Kolminaisuus“. Ohne zu verstehen, was die Finnen in ihren Lyrics verarbeiten (hier lohnt sich sicherlich das Anschmeißen des Übersetzers, sobald die Texte veröffentlicht sind), sind die Songs spürbar, alles andere als nebulös und es scheint beinahe so, als wäre „Omen X“ eines dieser Beispiele dafür, dass Musik eine universelle Sprache ist.
Turmion Kätilöt wagen sich aus der Komfortzone heraus
Und dann gibt es da noch diese Songs, die aus jedem Raster fallen und dadurch eine Prise Besonderheit in einem ohnehin außergewöhnlichen Album verbreiten. Hier zeigen Turmion Kätilöt, dass sie sich durchaus aus ihren gewohnten Soundmauern herauswagen und Neues probieren. So ist in „Käy Tanssiin“ ein Gitarrensound zu hören, der die hörende Person direkt nach Hawaii versetzt. Insgesamt geht der Song im Kontext des Albums allerdings leider eher unter.
Auch der Closer von „Omen X“ – „Kuolettavia Vammoja“ – bringt gegen Ende noch ein neues Element mit sich. Der ruhige, melancholische Keyboard-Sound geht mit den nunmehr gewohnten kalten Gitarren eine Symbiose ein, die im Ohr bleibt. Inhaltlich beschreibt die Band darin die zerstörende Natur des Menschen und untermalt dies mit einem kunstvollen und hochwertig produzierten Musikvideo.
Foto: Offizielles Pressebild / Turmion Kätilöt
Fazit
Mit „Omen X“ liefern Turmion Kätilöt ein stilvolles Album ab. In gewohnter Manier werden die musikalischen Wiedererkennungsmerkmale der Band aus Finnland deutlich. Neben produktionstechnisch kleineren Mängeln im Bereich der einzelnen Lautstärken birgt das Album jedoch die Gefahr eine zu große Spanne zwischen dem teilweise sehr speziellen Sound und den eher an Mainstream gerichteten Songs zu eröffnen. Ob diese Kombination auf „Omen X“ rentabel ist, wird sich zeigen. Die Beständigkeit der Band spricht in jedem Falle für sich.

▶Tracklist 11 Songs
- 1Totuus
- 2Gabriel
- 3Vie Se Pois
- 4Pyhä Kolminaisuus
- 5Puoli Valtakuntaa
- 6Verestä Sokea
- 7Isä Meidän
- 8Sormenjälki
- 9Käy Tanssiin
- 10Kun Kesä Kuoli
- 11Kuolettavia Vammoja