
Kat Kronthaler
Mit ihrer neusten Veröffentlichung geben Shinedown ihrer Unzufriedenheit und Wut über den Weg, den unsere Gesellschaft aktuell geht, eine laute und unüberhörbare Stimme. „Planet Zero“ ist das siebte Studioalbum der vierköpfigen Gruppe und wird am 01. Juli 2022 via Atlantic Records/Warner Music erscheinen. Wie auch der hochgelobte Vorgänger „Attention Attention“ (2018) wurde „Planet Zero“ im Studio von Shinedown-Bassist Eric Bass aufgenommen und produziert.
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Frontman Brent Smith verriet im Interview mit Billboard, dass das Album auch eine Warnung sei. Ein Blick auf eine potenzielle Dystopie, die die Gesellschaft erreichen wird, wenn wir weiter so miteinander umgehen, wie wir es gerade tun. Gleichzeitig stehe es aber ebenfalls dafür, dass die Menschen ihre Spaltungen überwinden können, wenn sie Empathie und Stärke zeigen. Shinedown nehmen uns mit auf den Planeten Null – wie es sich dort anhört? Wir haben reingehört!
So klingt das neue Album „Planet Zero“ von Shinedown
Nach dem Intro und dem idealen Einstieg in die Platte mit „No Sleep Tonight“ folgt auch schon der Titeltrack, der bereits als Single veröffentlicht wurde und eine wunderbare Zusammenfassung der Atmosphäre und Gemütslage des Albums liefert. Eine weibliche Stimme heißt uns schließlich endgültig willkommen auf „Planet Zero“: Roboter-Charakter Cyren fungiert in wiederholt auftauchenden Interludes als Erzähler und Navigator.
Shinedown präsentieren uns mit den nachfolgenden Tracks eine emotional aufgeladene Reise, auf der sie der heutigen Gesellschaft in so manch einer ihrer hässlichen Facette gnadenlos den Spiegel vorhält. Dabei nehmen sie kein Blatt vor den Mund und legen ihre Finger direkt auf die Wunde. Mit aggressiven und lauten Tracks, wie unter anderem „America Burning“, nehmen Shinedown keine Rücksicht auf Verluste oder darauf, wer sich eventuell auf den Schlips getreten fühlen könnte. Sie konfrontieren ihre Hörer ganz direkt und ungefiltert mit den aktuellen Zuständen in ihrem Land, das sich in Chaos, Aufständen und Gewalt zu verlieren scheint. Gemeinsam mit „The Saints Of Violence And Innuendo“ ist „America Burning“ hierbei vermutlich auch einer der besten Songs auf „Planet Zero“.
„Dysfunctional You“ widmet sich wiederum Social Media und dessen Reflektion auf die psychische Gesundheit. Ein Thema, das auch Schlagzeuger Barry Kerch am Herzen liegt, wie er uns im Interview mit MoreCore erzählt:
“Für mich war Social Media und wie es sich auf die psychische Gesundheit auswirkt wahrscheinlich das wichtigste Thema (des Albums). Social Media ist ein tolles Werkzeug und ermöglicht viele wunderbare Dinge. Gleichzeitig ist es aber wahrscheinlich eine der schlimmsten Erfindungen aller Zeiten.“
„Dysfunctional You“ oder „A Symptom of Being Human“ sind zwar etwas ruhigere Songs, dafür aber mit umso lauteren Lyrics, die durchaus einen Nerv treffen können. Sie sprechen über Ängste, das Gefühl, anders zu sein und nicht dazuzugehören. Emotionen und Erfahrungen, die wir untereinander durchaus teilen, ohne uns dessen vielleicht so ganz bewusst zu sein. Im Endeffekt sind wir doch alle gleich und „it’s all just a symptom of being human“.
Wer mit diesem Stil vielleicht nicht viel anfangen kann und sich mehr für die härteren Songs von Shinedown begeistern kann, kommt keinesfalls zu kurz. Die Band bietet auf „Planet Zero“ beiden Geschmäckern mehr als genug musikalisches Material und behält dabei ihren authentischen Wiedererkennungswert. Unabhängig davon, ob es sich um den – aus persönlicher Sicht – potenziellen Liveknaller „Dead Don’t Die“ oder den soften Ohrwurm „Daylight“ handelt.
Obwohl es das Album auf insgesamt 20 Tracks bringt, fühlt es sich keinesfalls unnötig in die Länge gezogen an und bringt inhaltlich genug Abwechslung mit sich, dass man es problemlos mehrmals hintereinander anhören könnte. Die letzten Songs auf der Liste motivieren eher dazu, es noch einmal von vorne zu starten. „Army of the Underappreciated“ und „What You Wanted“ runden die Platte sehr gut ab und bringen den Ausflug auf Planet Null zu einem gelungenen Abschluss.
Shinedown nehmen ihre Hörer mit auf eine Reise
„Planet Zero“ verkörpert musikalische Gesellschaftskritik und überzeugt vor allem durch seine enorm starken Texte. Shinedown packen ihre gesamte Wut und Frustration, die sich in den letzten beiden Jahren angestaut hat, auf eine Platte. Dabei verlieren sie aber bei weitem nicht ihren Optimismus und erinnern auch an das Gute, das trotzdem noch in der Welt vorhanden ist, wenn man es nur erkennen möchte. Das Gesamtergebnis kann sich sehen lassen und ihr Ziel, den Hörer auf eine (emotionsgeladene) Reise durch die Erlebnisse der vergangenen beiden Jahre mitzunehmen, hat die Band definitiv erreicht. Dabei haben sie durchaus den ein oder anderen Song mit großem Ohrwurmpotenzial erschaffen.
Barry Kerch kann das Album in unserem Interview in drei passenden Worten beschreiben: In Your Face!
„Okay drei Worte! Aggressiv… in dein Gesicht… das waren eigentlich schon drei Worte. Yep, in dein Gesicht. Ich würde sagen das Album ist In dein Gesicht, es ist genau hier und eine sehr direkte Platte. In your Face! Da habt ihr eure drei Worte!“
Shinedown haben mich mit ihrem neusten Werk absolut abgeholt und als großer Fan von gut geschriebenen Texten stechen diese in meinen Augen wirklich sehr hervor. Cyren verleiht dem Ganzen ein Gefühl von Lebendigkeit der Gedankenwelt von „Planet Zero“. Meine persönlichen Favoriten: „America Burnin“, „The Saints Of Violence And Innuendo“ und „Dysfunctional You“.
Foto: Jimmy Fontaine / Offizielles Pressebild
Fazit
"Planet Zero" verkörpert musikalische Gesellschaftskritik und überzeugt vor allem durch seine enorm starken Texte. Shinedown packen ihre gesamte Wut und Frustration, die sich in den letzten beiden Jahren angestaut hat, auf eine Platte. Dabei verlieren sie aber bei weitem nicht ihren Optimismus und erinnern auch an das Gute, das trotzdem noch in der Welt vorhanden ist, wenn man es nur erkennen möchte. Das Gesamtergebnis kann sich sehen lassen und ihr Ziel, den Hörer auf eine (emotionsgeladene) Reise durch die Erlebnisse der vergangenen beiden Jahre mitzunehmen, hat die Band definitiv erreicht.

▶Tracklist 20 Songs
- 12184
- 2No Sleep Tonight
- 3Planet Zero
- 4Welcome
- 5Dysfunctional You
- 6Dead Don't Die
- 7Standardized Experiences
- 8America Burning
- 9Do Not Panic
- 10A Symptom of Being Human
- 11Hope
- 12A More Utopian Future
- 13Clueless and Dramatic
- 14Sure Is Fun
- 15Daylight
- 16This Is A Warning
- 17The Saints of Violence and Innuendo
- 18Army of the Underappreciated
- 19Delete
- 20What You Wanted
